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Die DV der SGAIM fokussiert sich auf die Nachwuchsförderung von Allgemeininternist/-innen

Mehr und gezielt in die Ausbildung investieren

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2016.01387
Veröffentlichung: 12.10.2016

Bernadette Häfliger Berger

Generalsekretärin SGAIM

Die SGAIM macht sich Sorgen um die Zukunft der medizinischen Grundversorgung in der Schweiz. An ihrer ersten Versammlung vom 22. September 2016 in Bern haben die Delegierten der neuen Fachgesellschaft ein Grundsatzpapier zum Thema «Nachwuchsförderung» verabschiedet und diverse Massnahmen beschlossen. Die SGAIM fordert insbesondere, dass die öffentliche Hand mehr in die Weiterbildung von Allgemeininternist/-innen investieren müsse.

Das Universitäre Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel (uniham-bb) publizierte letztes Jahr bedenkliche Zahlen [1]. Gemäss der Studie werden 60% der heute noch tätigen Hausärztinnen und Hausärzte in den nächsten zehn Jahren ihre Praxistätigkeit voraussichtlich einstellen. Zudem verändert sich das berufliche Selbstverständnis von jungen Ärztinnen und Ärzten: Die Work-Life-Balance wird auch bei ihnen zu einer zentralen Frage. Der Nachwuchs wünscht sich ein Teilzeitpensum von durchschnittlich 70%, wobei dieser Wunsch sowohl von Frauen als auch von Männern gleichermassen geäussert wird. Die Mehrheit der angehenden Hausärztinnen und -ärzte sieht ihr zukünftiges Arbeitsumfeld deshalb vermehrt in einer Gruppenpraxis.

Doch nicht nur im ambulanten Bereich, sondern auch in den Spitälern und an den Universitäten fehlt der Nachwuchs bei den Allgemeininternist/-innen. So sind gemäss einer Umfrage bei 1130 Absolvent/-innen der Facharztprüfung lediglich 19% an einer Chefarztposition interessiert – vor allem wegen der damit verbundenen hohen Arbeits- und Administrativbelastung. Der eklatante Mangel an Nachwuchskräften im wissenschaftlichen Bereich stellt die Zukunft der Allgemeinen Inneren Medizin als akademisches Fach in Frage.

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Intensive Diskussionen über die Zukunftsstrategie der SGAIM an der ersten DV der SGAIM in Bern.
© Bruno Schmucki, SAGIM.

Attraktivere Rahmenbedingungen 
für die Ausbildung

Die SGAIM hat die Situation in ihrem Positionspapier analysiert und kommt zum Schluss: Die Schweiz bildet im Moment nicht nur zu wenig Mediziner/-innen aus, sondern auch die falschen. Dadurch wird die Versorgung der Bevölkerung ernsthaft gefährdet. Die SGAIM begrüsst deshalb, dass der Bundesrat in den nächsten Jahren 200 bis 250 weitere Studienplätzen für Medizin schaffen will. Der Umstand, dass sich lediglich 20% der Medizinstudentinnen und -studenten für die Hausarztmedizin entscheiden, zeige aber, dass diese Massnahmen alleine nicht genügen werden, um dem Personalmangel in der Grundversorgung entgegenzutreten. Es brauche mehr Engagement von Bund und Kantonen, um attraktive Rahmenbedingungen für die Ausbildung junger Assistenzärzt/-innen in der Allgemeinen Inneren Medizin zu schaffen. Die SGAIM verlangt, dass die Weiterbildung von Allgemeininternist/-innen finanziell privilegiert wird.

Die SGAIM sieht sich aber auch selber in der Pflicht: Mit konkreten Massnahmen will sie in den nächsten Jahren dafür sorgen, das Berufsbild der Allgemeinen Inneren Medizin den zukünftigen Ärzt/-innen einerseits bekannter zu machen und andererseits positiver zu besetzen. Das neu formulierte Berufsbild «Facharzt/ -in Allgemeine Innere Medizin» bildet die Grundlage für die kommenden Arbeiten der SGAIM (siehe PHC Ausgabe 17, 2016).

Sowohl die Spitalinternisten als auch die Hausärztinnen waren sich einig: «Es gibt kein interessanteres, breiteres und herausfordernderes medizinisches Fachgebiet als die Allgemeine Innere Medizin. Wir sind die einzigen, die nicht nur einzelne Krankheiten behandeln, sondern Medizin für den ganzen Menschen machen.»

Redaktionelle
Verantwortung:
Bernadette Häfliger, SGAIM

Hinweis

Das von der DV verabschiedete Positionspapier kann auf der SGAIM-Website heruntergeladen werden:

Korrespondenzadresse

Bruno Schmucki
Kommunikation, SGAIM, Schweizerische Gesellschaft Für Allgemeine Innere ­Medizin
Monbijoustrasse 43
Postfach
CH-3001 Bern
bruno.schmucki[at]sgaim.ch

Literatur

1 uniham-bb, Work Force Studie 2015 (siehe auch PHC Ausgabe 15, 2016).

Die konkret definierten Ziele der SGAIM, mit denen die Zukunftsperspektiven für den Fachbereich verbessert werden sollen:

– Die Zahl der Studienplätze in den medizinischen Fakultäten muss in den nächsten Jahren massiv erhöht werden. Zudem soll der medizinische Nachwuchs bereits im Studium und dann auch in der Assistenzzeit auf die vielfältigen Berufs- und Karrieremöglichkeiten in der Allgemeinen Inneren Medizin aufmerksam gemacht werden.

– Die Attraktivität des Fachgebiets der Allgemeinen Inneren Medizin ist den jungen Medizinerinnen und Medizinern besser bekannt zu machen. Dies will die SGAIM mit einer Imagekampagne unterstützen, bei der sowohl Chef- als auch Hausärzte eine zentrale Vorbildsfunktion übernehmen können.

– Damit sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich genügend und qualitativ hochstehende Weiterbildungsplätze zur Verfügung stehen, müssen die Ausbildungsbemühungen der Weiterbildungsstätten von der öffentlichen Hand finanziell in grösserem Umfang unterstützt und gefördert werden.

– Die SGAIM unterstützt aktiv die Organisationen der Jungärzt/-innen und erhöht den Anteil ihrer jungen Mitglieder (unter 40 Jahre) in den nächsten fünf Jahren auf mindestens 10%.

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