Forschung

Ein gemeinsames Forschungsprojekt aller sechs Schweizerischen Universitären Hausarztinstitute

General Practitioners – Dementia Report Switzerland

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2017.01578
Veröffentlichung: 24.05.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(10):193-194

Giezendanner Stéphanie, Bally Klaus, Zeller Andreas, Monsch Andreas, Kressig Reto W., Streit Sven, Haller Dagmar M., Muller-Chabloz Yolanda, Merlo Christoph, Rosemann Thomas

Affiliations sind für diesen Artikel im PDF verfügbar.

Eine Forschungsgruppe beabsichtigt, wichtige Fragen bezüglich Identifikation, Abklärung und Therapie der Demenz aus der Perspektive von Schweizerischen Hausärztinnen und Hausärzten mit einer nationalen Erhebung zu beantworten.

«Hirnleistungsstörungen bei älteren Menschen werden zu spät erkannt und unzureichend therapiert!», «Die diagnostizierten Demenzerkrankungen stellen nur die Spitze des Eisbergs dar – es droht eine welt­weiter Demenz-­Tsunami!», «Hausärzte sprechen von Altersvergesslichkeit und verunmöglichen ihren Pa­tienten damit einen Zugang zu wirksamer Hilfe!». Möglicherweise kommen ­Ihnen diese Aussagen bekannt vor; aber sind die ­Hausärzte nun wirklich so unwissend? Benötigen sie intensivere Schulungen über die Frühdiagnose und Behandlung von Hirnleistungsstörungen? Vermeiden sie bewusst die Übermittlung einer problematischen Diagnose an ihre Patienten, da diese Erkrankung ihrer Ansicht nach ohnehin nicht wirksam behandelt werden kann? Oder fehlt ihnen schlicht die Zeit für eine vertiefte Exploration ihrer Patienten, die über Gedächtnis-, Orientierungs- oder Sprachstörungen berichten?

Noch wissen wir viel zu wenig darüber. In der Schweiz gibt es keine Daten dazu: Wir wissen nicht, wie Schweizer Hausärztinnen und Hausärzte Menschen mit einem möglichen MCI (mild cognitive impairment) oder einer beginnenden Demenzerkrankung identifizieren, wie sie bei der ­Abklärung vorgehen, welche therapeutischen Massnahmen sie einsetzen und ob das demenzspezifische Betreuungsangebot im Einzugsgebiet ihrer Praxis ausreichend ist. Wir wissen auch nicht, ob Schweizer Hausärzte für die Diagnostik und Therapie von Menschen mit Demenz adäquat ausgebildet werden und wo Lücken im entsprechenden Fortbildungsangebot bestehen. Auch gibt es keine Daten zur Einstellung von Schweizer Hausärzten gegenüber einer möglichst frühen Diagnostik von Demenzerkrankungen. Weltweit wird eine Tendenz zur früheren Erfassung von Hirnleistungsstörungen beobachtet; gleichzeitig gibt es aber Hinweise dafür, dass Hausärzte oft der Ansicht sind, ihren Patienten und deren Angehörigen mit einer allzu frühen Diagnose einer Demenzerkrankung eher zu schaden als zu helfen.

Eine Forschungsgruppe aus dem Universitären Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel, unterstützt von den Universitären Hausarztinstituten Bern, Genf, Lausanne, Luzern und Zürich und der Universitären Altersmedizin Basel beabsichtigt, diese wichtigen Fragen aus der Perspektive von Schweizerischen Hausärzten mit einer nationalen Erhebung zu beantworten.

Diese Befragung wird im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie 2014–2019 durchgeführt und ist im ­Projekt 8.1. «Versorgungsmonitoring» angesiedelt.

Vorgesehen ist eine Online-Umfrage bei allen in der Schweiz praktizierenden Hausärzten. Der Fragebogen wird in die französische und italienische Sprache übersetzt und sämtlichen Mitgliedern des Verbands mfe Haus- und Kinderärzte Schweizvia Membermail mfe zugeschickt.

Folgende Ziele sollen mit diesem Projekt, das vomBundesamt für GesundheitBAG und vom Alzheimerforum Schweiz unterstützt wird, angestrebt werden:

a) Anpassung der Aus-, Weiter- und Fortbildung zukünftiger und praktizierender Hausärztinnen und Hausärzte entsprechend den erkannten Lücken/Hindernissen;

b) Anpassung der regionalen und nationalen Versorgungsstrukturen im Bereich Diagnostik, Therapie und Betreuung von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen;

c) Einflussnahme auf die Tarifgestaltung/Honorierung von hausärztlichen Leistungen, aber auch allgemein auf Leistungen im Rahmen der Diagnostik, Behandlung und Betreuung von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen;

d) Information und Sensibilisierung der Bevölkerung über die Rolle der Hausärzte im Rahmen der Diagnostik, Therapie und Betreuung von demenzerkrankten Menschen und ihrer Angehörigen.

Bitte Fragebogen ausfüllen!

Zweifelsohne kommt Hausärzten in der Erkennung, Diagnostik sowie Behandlung und Betreuung von Menschen mit Demenz eine Schlüsselrolle zu; daher ist es von zentraler Bedeutung, von den Hausärzten selbst zu erfahren, wie sie ihre Patienten mit leichten oder fortgeschrittenen Hirnleistungsstörungen betreuen, aber auch weswegen sie einer Demenzfrühabklärung gegenüber eher ablehnend oder zustimmend eingestellt sind. Auch möchten wir von den Hausärzten selbst erfahren, in welchen Bereichen sie auf Fortbildungen und Unterstützung in der Betreuung ihrer Patienten angewiesen sind. Dieses von allen sechs Schweizerischen Universitären Hausarztinstituten unterstützte wissenschaftliche Projekt ist eine einmalige Chance, Erkenntnisse zu gewinnen, die letztlich wieder unseren Patienten zu Gute kommen werden. Daher möchten wir Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, höflich bitten, sich zwölf Minuten Zeit zu nehmen und den Ihnen im Monat Juni mittels Membermail mfe online zugestellten Fragebogen zu beantworten.

Schon jetzt bedanken wir uns im Rahmen des ganzen Forschungsteams für Ihr Engagement zu Gunsten des Forschungsprojektes General Practitioners – Dementia Report Switzerland.

Korrespondenzadresse

Korrespondenz:
PD Dr. med. Klaus Bally
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
Universitäres Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel (uniham-bb)
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
CH-4410 Liestal
klaus.bally[at]unibas.ch

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