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Projekt «Steigbügel» für Wiedereinsteigerinnen in die Grundversorgung

Nach dem Wiedereinstieg ­beruflich fest im Sattel sitzen

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2017.01622
Veröffentlichung: 16.08.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(15):286-287

Interview: Bernadette Häfliger Berger

Generalsekretärin der SGAIM

Die SGAIM unterstützt im Rahmen ihres Schwerpunktes zur Nachwuchsförderung das Projekt «Steigbügel», das den beruflichen Wiedereinstieg von Ärztinnen in die medizinische Grundversorgung erleichtern will. In einem Interview erklärt Frau Dr. Marianna Bodenmann-Zanetti, eine der Initiantinnen, die Ziele und Aktivitäten des Projekts.

Was möchten die Initiantinnen mit dem Projekt Steigbügel erreichen?

Marianna Bodenmann-Zanetti: Wir wollen den Mangel an ärztlichem Personal in der Grundversorgung verringern und die zahlreichen fast oder voll ausgebildeten Fachärztinnen für Allgemeine Innere Medizin, die aus familiären Gründen die Berufstätigkeit unterbrochen haben, ermutigen, den Einstieg in die Hausarztmedizin zu wagen.

Das Projekt möchte Wiedereinsteigerinnen also lediglich einen Arbeitsplatz in einer Praxis vermitteln. Oder gibt es noch andere Unterstützungsleistungen, die den Teilnehmenden angeboten werden?

Wir bieten einiges mehr. Analog zur bekannten Praxis­assistenz der Stiftung zur Förderung der Weiterbildung in Hausarztmedizin (WHM) arbeiten Kandidatinnen unter einer sich stetig verringernden Supervision ein Jahr zu 50 Prozent in den Praxen von Medbase. Diese Zeit kann für die Facharztausbildung angerechnet werden, falls nur noch sechs Monate für den Abschluss fehlen. Die Teilnehmerinnen besuchen auch die Weiterbildungskurse an den Instituten für Hausarztmedizin.

Zusätzlich werden sie durch Einzel- und Gruppencoachings bei Frau Dr. Elisabeth Bandi-Ott unterstützt, da beim Wiedereinstieg die Selbstwertproblematik das Haupthindernis ist. Die Lehrpraktiker erhalten eine zusätzliche Ausbildung, um auf allfällige Probleme konstruktiv reagieren zu können.

Die Personen sind doch bestens ausgebildet und verfügen bereits über praktische Erfahrungen in ihrem Beruf. Wieso sind solche Unterstützungsmassnahmen überhaupt notwendig?

Erfolgreiche Wiedereinstiegsprogramme berücksichtigen eben auch das verminderte Selbstwertgefühl, die fehlende Routine und den raschen Wandel des Fachwissens. Und sie helfen bei Schwierigkeiten, die sich im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung ergeben.

Das Projekt startet ab März 2018. Haben sich schon genügend interessierte Praxisassistent/-innen gemeldet?

Nein, wir starten nun mit der Werbekampagne und hoffen auf zahlreiche Bewerbungen.

Woran könnte das liegen?

Das Steigbügelprojekt ist neu. Ärztinnen in der Familienpause sind zudem beruflich ungenügend vernetzt. Wir bitten deshalb alle Leserinnen und Leser, in ihrem Bekanntenkreis mögliche Interessentinnen zu informieren. Auch Ärzte in derselben Situation sind herzlich willkommen.

Das Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt. Was passiert danach?

Das Institut für medizinische Lehre in Bern begleitet das Pilotprojekt mit einem erweiterten Fragebogen des Praxisassistenzprogrammes und analysiert dann die Resultate. Diese werden allen Fachgesellschaften für Nachfolgeprogramme zur Verfügung gestellt, damit langfristig weniger Arztinnen und Ärzte aus dem Beruf aussteigen.

Können Sie uns abschliessend noch sagen, von wem das Projekt getragen und unterstützt wird?

Unsere Organisation medical women switzerland (mws) ärztinnen schweiz trägt die Hauptverantwortung und kooperiert mit den Praxen der Medbase-Gruppe, die dieses Projekt durch ihre erhebliche finanzielle Unterstützung erst ermöglicht. Das SIWF, die WHM und die SGAIM unterstützen das Projekt fachlich, das Staats­sekretariat für Wirtschaft seco und das Eidgenössische Büro für Gleichstellung EBO leisten einen finanziellen Beitrag an die Evaluation.

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Marianna Bodenmann-­Zanetti studierte in Zürich und Lausanne und bildete sich zur Fachärztin für Innere Medizin weiter (1986). Sie arbeitet heute in einer Praxis der Medbase-Gruppe in Wetzikon und ist eine begeisterte Lehrpraktikerin. Sie ist zudem Vorstandsmitglied der medical women switzerland (mws) ärztinnen schweiz und Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Voraussetzungen für die Teilnahme

Voraussetzung für die Teilnahme am Projekt Steigbügel ist eine (fast) abgeschlossene Weiterbildung zur Fachärztin/Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und das Interesse, nach einer Familienpause wieder in eine berufliche Tätigkeit in der medizinischen Grundversorgung einzusteigen. Interessierte Teilnehmer/-innen melden sich bitte bei:

Marianna.bodenmann[at]medicalwomen.ch

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter:

www.medicalwomen.ch.

Redaktionelle
Verantwortung:
Bernadette Häfliger, SGAIM

Korrespondenzadresse

Bruno Schmucki
Kommunikation
Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere ­Medizin SGAIM
Monbijoustrasse 43
Postfach
CH-3001 Bern
bruno.schmucki[at]sgaim.ch

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