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Das zweite nationale progress!-Programm, das von 2014 bis 2017 lief, stellte die Medikationssicherheit in den Fokus

Sichere Medikation: Abgleich mit System

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2017.01671
Veröffentlichung: 21.11.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(22):0

Liat Fishman

Leiterin des Programms «progress! Sichere Medikation an Schnittstellen» der Stiftung Patientensicherheit Schweiz

Untersuchungen zufolge sind allein in der Schweiz ­geschätzte 20 000 Spital­aufenthalte pro Jahr auf medikamentenbedingte Probleme zurückzuführen. Ins­besondere an Schnittstellen steigt das Risiko für Medi­kationsfehler – vor allem beim Spitaleintritt oder Spitalaustritt.

Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz führt nationale Pilotprogramme durch, um den medizinischen Versorgungsalltag sicherer zu machen. Die progress!-Pilotprogramme sind Bestandteil der «Qualitätsstrategie des Bundes im Schweizerischen Gesundheits­wesen» und werden massgeblich vom Bundesamt für Gesundheit finanziert.

Medikationsfehler können verhindert werden, wenn die Medikamente der Patientinnen und Patienten an den Schnittstellen systematisch erfasst werden. Das Programm «progress! Sichere Medikation an Schnittstellen» zielte deshalb darauf, den systematischen ­Medikationsabgleich (auch Medication Reconciliation genannt) in Spitälern einzuführen.

Vertiefungsprojekt an Spitälern

Das Programm hatte zwei Bestandteile: ein interprofessionelles Vertiefungsprojekt mit acht Schweizer ­Spitälern aus allen drei Sprachregionen und eine Sensibilisierungskampagne.

Das Vertiefungsprojekt konzentrierte sich auf den Spitaleintritt. Dabei führten die teilnehmenden Spitäler eine bestmögliche Medikationsanamnese bei den ­Pa­tientinnen und Patienten einer internistischen ­Pilotabteilung ein. Ziel war, zeitnah nach der stationären Aufnahme eine umfassende und aktuelle prä­stationäre Medikationsliste zu erstellen, welche die Vor­aussetzung für eine sichere und optimale Medikationsverordnung im Spital und einen wirksamen Medikationsabgleich bei spitalinternen Verlegungen und beim Austritt darstellt. Auf übergeordneter Ebene sollten im Vertiefungsprojekt praktische Erfahrungen zur Einführung des systematischen Medikationsabgleichs im Schweizer Kontext gesammelt werden.

Patientensicherheit Schweiz begleitete die Spitäler bei der Implementierung, stellte Tools und Datenerhebungen zur Verfügung und organisierte Workshops zur Vermittlung von Know-how und für den Erfahrungsaustausch.

Sensibilisierungskampagne

Die Kampagne hatte zum Ziel, die Fachpersonen und die Öffentlichkeit für die Problematik von Medikationsfehlern an Schnittstellen und den systematischen Medikationsabgleich als wirksame Massnahme zu sensibilisieren. Eine Schriftenreihe mit Empfehlungen wurde veröffentlicht. Eine Toolbox mit verschiedenen Materialien und einem Schulungsvideo für die Medikationsanamnese unterstützen die Einführung des systematischen Medikationsabgleichs. Für die Patienten wurden ein Medikationsplan und ein Merkblatt verbreitet (Abb. 1).

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Abbildung 1: Patientenflyer.

Charta «Sichere Medikation an Schnittstellen»

Um den Medikationsabgleich in Schweizer Spitälern weiter zu verbreiten, ist von Seiten der Verantwortlichen aus den Gesundheitsinstitutionen, Verbänden und Politik ein klares Bekenntnis nötig. Daher lancierte Patientensicherheit Schweiz zusammen mit zentralen Stakeholdern – darunter die Haus- und Kinderärzte Schweiz mfe, die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin SGAIM, die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie SGP und das Kollegium für Hausarztmedizin KHM – am 31. Oktober 2017 zum ­Abschluss des Programms die Charta «Sichere Medi­kation an Schnittstellen», die auf den Erkenntnissen des Programms beruht. Die Charta deklariert den systematischen Medikationsabgleich als notwendigen Standard in Schweizer Spitälern und beschreibt wichtige Rahmenbedingungen für dessen Umsetzung (Abb. 2). Ziel ist, dass der Medikationsabgleich stärker auf die Tagesordnung jener Personen kommt, die im Gesundheitswesen eine Führungs- und Ausbildungsfunktion innehaben und auf Veränderungsprozesse zugunsten von mehr Patientensicherheit einwirken können.

Patientensicherheit Schweiz ruft Gesundheitsinstitutionen, Verbände sowie Einzelpersonen auf, sich der Charta für Sichere Medikation an Schnittstellen anzuschliessen.

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Abbildung 2: Titelblatt der Charta als Leporello mit ­Antwortkarte.

Die Charta und weitere Materialien stehen gratis zum Download bereit unter www.patientensicherheit.ch -> Themen -> Pilotprogramme progress! -> Sichere Medikation.

Redaktionelle
Verantwortung:
Bernadette Häfliger, SGAIM, und Sandra Hügli, mfe

Credits

© Patientensicherheit Schweiz, Sven ­Bachmann.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Liat Fishman
Programmleitung progress! Sichere Medikation an Schnittstellen
Patientensicherheit Schweiz
Stiftung für Patienten­sicherheit
Asylstrasse 77
CH-8032 Zürich
fishman[at]patientensicherheit.ch

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