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Standespolitisches Seminar SGAIM/mfe anlässlich des Frühjahrskongresses der SGAIM

Wie bekommen wir die besten Medizinstudierenden?

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2018.01787
Veröffentlichung: 27.06.2018
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2018;18(12):206-207

Bernadette Häfliger Berger

Generalsekretärin SGAIM

Die Nachwuchsförderung war das Leitthema des 3. Frühjahrskongresses der SGAIM in Basel. An einem standespolitischen Seminar stellte sich ein breit zusammengesetztes Podium unter der Leitung von Philippe Luchsinger (Präsident mfe) und Jean-Michel Gaspoz (Co-Präsident SGAIM) der Frage, durch welches Auswahlverfahren die Schweiz zu den besten Medizinstudierenden kommt.

Der Ausgangspunkt für die Podiumsdiskussion war eine Maturarbeit, die Victor Staartjes 2015 verfasst hatte. Staartjes, der heute an der Universität Zürich Medizin studiert und selbst am Podium im Basel teilnahm, zweifelt darin an, dass mit dem Auswahlsystem im Rahmen des Numerus Clausus die richtige Selektion für angehende Mediziner/-innen vorgenommen wird.

Die Fachrichtung in der Ausbildung besser verankern

Einig waren sich alle Podiumsteilnehmenden darin, dass es wohl keinen Selektionsmechanismus gibt, der garantiert, dass mehr Medizinstudierende Allgemein-internist/-innen werden bzw. in eine Hausarztpraxis gehen. Um dieses Ziel zu erreichen, brauche es vielmehr Änderungen in der Ausbildung. Henri Bounameaux, Dekan der medizinischen Fakultät Genf, wies auf das Problem hin, dass im heutigen Medizinstudium praktisch nur noch (Sub-) Spezialist/-innen in der Lehre tätig seien und so die Inhalte entsprechend prägten. Er vertrat die Meinung, dass die Visibilität des Generalismus im Studium wieder erhöht werden müsse und es dazu einen roten Faden durch das ganze Studium brauche. Zudem sollten schon sehr früh im Studium konsequent Praktika in Hausarztpraxen vorgesehen werden. Er propagierte auch eine Stärkung der generalistischen Forschung und vermutete, dass es dafür eine gewisse Regulierung brauche.

Auch Victor Staartjes zeigte sich überzeugt, dass die Integration der Hausarztmedizin ins Studium und mehr Praxistage in Hausarztpraxen entscheidende Faktoren seien. So könnten mehr Medizinstudierende für die Allgemeine Innere Medizin (AIM) begeistert werden. Susanne Hochuli, Präsidentin der Schweizerischen Stiftung für Patientenschutz, erzählte, dass sich ihre medizinstudierende Tochter nach den Praxistagen in der Hausarztmedizin nun ebenfalls überlege, Hausärztin zu werden. Ihrer Meinung nach werde in der Hausarztmedizin der Mensch ins Zentrum gestellt, was auch für junge Medizinstudierende attraktiv sei. Sie vertrat zudem die Ansicht, dass nicht die Intelligenz alleine das entscheidende Auswahlkriterium für das Medizinstudium sein könne. Vielmehr brauche es Persönlichkeiten, die kompetent mit Menschen umgehen könnten. Aus diesem Grund erachtet Susanne Hochuli den Numerus Clausus als falsches Auswahlinstrument.

Breite Karrieremöglichkeit in der AIM

Jean-Michel Gaspoz warnte davor, ein zu einseitiges Bild von der AIM zu zeichnen. Vielmehr vertrat er die Meinung, dass es wichtig sei, bereits im Studium und danach in der Weiterbildung die ganz unterschiedlichen Karrieremöglichkeiten von Allgemeininternist/-innen aufzuzeigen. Dabei sei insbesondere auch zu betonen, dass die AIM ein akademisches Fach sei und viele Forschungsmöglichkeiten biete. Das grosse Spektrum in der AIM – vom Landarzt über die ambulant tätige Ärztin in einer städtischen Gruppenpraxis bis hin zum Spitalinternisten und zur international tätigen Forscherin – sei den Medizinstudierenden immer wieder aufzuzeigen.

Auch Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich, betonte, dass die Reputation eines Fachs die Berufswahl entscheidend beeinflusse. Er plädierte für einen mit einem Interview ergänzten Numerus Clausus, da damit auch die Kommunikationsfähigkeit von Kandidat/-innen überprüft werden könne. Philippe Luchsinger machte darauf aufmerksam, dass die meisten Ärzt/-innen sich erst im Laufe der Weiterbildung für einen Facharzttitel entscheiden, weshalb es wichtig sei, dass die Hausarztmedizin sowohl im Studium als auch in der Weiterbildung dauernd präsent sei. Zudem betonte er, dass auch die Hausarztmedizin eine Akademisierung brauche.

Richtiger Mix für die Zukunft

Einen interessanten Input zum Thema lieferte zudem der amerikanische Professor Richard Schwartzstein in seinem Referat am Vortag der Podiumsdiskussion. In der Raths-Steiger Lecture unter dem Titel «Getting the right medical students» zeigte er auf, dass aufgrund der dauernd steigenden Anforderungen an Ärzt/-innen auch der Druck zunehme, von Anfang an die richtigen Kandidat/-innen für das Medizinstudium auszuwählen. Es stelle sich dabei allerdings die Grundfrage, welche intellektuellen und persönliche Voraussetzungen die Kandidat/-innen mitbringen müssten. Schwartzstein definierte dies als richtigen Mix zwischen persönlichen (Charakter-) Merkmalen, einer hohen Intelligenz und spezifischen Fähigkeiten, welche «die Ärztin/den Arzt des 21. Jahrhunderts» auszeichneten.

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Angeregte Diskussion auf dem standespolitischen Podium über Selektion und Förderung der Allgemeinen Inneren Medizin in der Ausbildung von angehenden Ärzt/-innen. vlnr: Jean-Michel Gaspoz, Victor Staartjes, Michael Hengartner, Susanne Hochuli, Henri Bounameaux, Philippe Luchsinger. Foto: © Adrian Moser.

Delegiertenversammlung der SGAIM: Neuwahlen der regionalen Delegierten 2018

Gemäss den Statuten der SGAIM werden die Delegierten für die Delegiertenversammlung der SGAIM alle drei Jahre neu bestimmt (Art. 20). Für die 26 regionalen Delegierten sind Wahlen vorgesehen.

An der letzten Delegiertenversammlung vom 26. April 2018 wurden die bisherigen Statuten angepasst und das Verfahren für die Wahlen der regionalen Delegierten für die nächste Legislatur (2019–2021) vereinfacht.

Dieses Verfahren ist wie bisher zweistufig:

1. Anmeldung und Nomination

Regionale Delegierte – auch die bisherigen – die sich für eine dreijährige Legislatur zur Verfügung stellen, müssen ihre Kandidatur bis spätestens am Montag, 20. August 2018 der Geschäftsstelle der SGAIM melden. Dies geschieht mittels einem Online-Formular unter www.sgaim.ch/wahlen2018 oder per Post.

Gleichzeitig mit der Anmeldung müssen die Kandidat/-innen eine Liste mit zehn Unterschriften von SGAIM-Mitgliedern einreichen, die in der entsprechenden Wahl-Region tätig sind und die Nomination unterstützen.

Eine Vorlage der Unterschriftenliste kann unter www.sgaim.ch/wahlen2018 heruntergeladen werden.

2. Wahlen

Wenn sich in einer Region nicht mehr Kandidierende als Sitze zur Verfügung stellen, erfolgt eine stille Wahl.

Wenn mehr Kandidierende als Sitze zur Verfügung stehen, erfolgt die Wahl der Delegierten im Rahmen einer (ausserordentlichen) Generalversammlung am 20. September 2018 anlässlich des Herbstkongresses der SGAIM in Montreux.

Für weitere Auskünfte steht die Geschäftsstelle der SGAIM gerne zur Verfügung.

Redaktionelle ­Verantwortung:
Bruno Schmucki, SGAIM

Credits

Kopfbild: © Adrian Moser

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