Lehre

Interview mit Andreas Zeller, Leiter des uniham–bb

«Fortbildung ist das A und O für die hausärztliche Tätigkeit»

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10123
Veröffentlichung: 02.10.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;19(10):308-309

Interview: Nadja Pecinska

Mitglied der Redaktion, Managing Editorin

Andreas Zeller, Sie leiten das Institut für Hausarztmedizin beider Basel uniham-bb nun schon seit fünf Jahren. Was hat sich in der Zeit getan?

Ich bin überzeugt, wir konnten in den letzten Jahren ­einen wertvollen Beitrag zur Stärkung einer modernen Hausarztmedizin leisten. Dies im Bereich der Forschung wie auch in der Lehre. Wir konnten zum ­Beispiel einen sehr modernes interprofessionelles Lehrgefäss etablieren, welches Medizin- und Pharmaziesudenten an einen Tisch bringt. Dabei werden Fälle besprochen, welche die Schnittstelle Hausarzt/Apotheke beleuchtet und diskutiert. Auf dem Gebiet der Forschung konnten wir mehrere Projekte entwickeln und erfolgreich publizieren. Im Weiteren ist für uns auch die Nachwuchsförderung von essenzieller Bedeutung. Wir bieten ein Coaching-Programm mit persönlichen Beratungs­gesprächen an und versuchen alles, jungen Kolleginnen und Kollegen eine optimale Weiterbildung zum Hausarzt/zur Hausärztin zu ermöglichen.

Was sind die aktuellen Forschungsprojekte, die am Laufen sind?

Das momentan grösste Projekt ist eine Studie zum post-infektiösen Husten. Dabei handelt es sich um eine ­randomisierte, doppelblinde Studie, die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt wird. Wir untersuchen, ob mit einer kurzzeitigen Therapie mit ­oralen Steroiden Patientinnen und Patienten mit persistierendem Reizhusten bis maximal acht Wochen nach einem viralen Infekt der oberen Luftwege früher vom Husten befreit werden als Patient/-innen unter Placebo. Letztes Jahr konnten wir nämlich in einer Metaanalyse zeigen, dass keine Evidenz-basierte Therapie mit eindeutigem Benefit für den Patienten bei diesem lästigen Husten verfügbar ist. Daneben untersucht ein Mitarbeiter im Institut, welche klinischen Zeichen bei Streptokokken-negativen Tonsillitiden für die Indikation einer antibiotischen Therapie sprechen. Ein weiteres Projekt ist herauszufinden, was die Bevölkerung erwartet, wenn sie sich beim Hausarzt für eine Check-up-Untersuchung anmeldet.

Nun planen Sie am 7. November 2019 zum ersten Mal ein ganztägiges Symposium, bei dem der Schweizerische Ärzteverlag EMH als Kooperationspartner fungiert. In Primary and Hospital Care werden Artikel mit Zusammenfassungen einzelner Referate erscheinen. Weshalb ist es für das Hausarztinstitut Basel wichtig, eine solche Veranstaltung durchzuführen?

Eine regelmässige Fortbildung ist das A und O für eine kompetente hausärztliche Tätigkeit auf hohem Niveau. Unser Ziel ist, den hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen zu verschiedensten Themen Informationen zu vermitteln, die sie bereits am nächsten Tag in ihrer Sprechstunde anwenden können. Die Informationsflut in der Medizin ist gewaltig, man kann neue Aspekte und Forschungsergebnisse nicht am Abend nach einem anstrengenden Praxistag durchlesen. Deswegen sind solche Fortbildungen für die Hausärzteschaft enorm wichtig.

Worauf dürften sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des «Hausarzt Update Basel» freuen?

Wie bereits erwähnt ist entscheidend, dass die Inhalte der Präsentationen wie auch der Workshops bereits am folgenden Tag in der hausärztlichen Sprechstunde umgesetzt werden können. Wichtig ist uns eine möglichst praxisnahe Vermittlung von medizinischem Wissen. Bei der Planung war uns auch eine breite Auswahl aus verschiedenen Disziplinen wichtig. Somit sollte für jeden und jede etwas Interessantes dabei sein.

Wie kann man sich anmelden?

Da auch Workshops mit begrenzter Teilnehmerzahl auf dem Programm stehen, haben wir uns für eine ­Online-Anmeldung entschieden. Diese kann unter www.hausarztupdate.ch erfolgen.

Andreas Zeller, vielen Dank für dieses Gespräch.

Zur Person

Anreas Zeller ist seit 2010 als Hausarzt in der Praxis Hammer in Basel tätig und seit 2014 Leiter des Universitären Zentrums für Hausarztmedizin an der Universität Basel (uniham–bb).

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Credits

Kopfbild: © Photographerlondon | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Andreas Zeller
Kantonsspital Baselland, Rheinstrasse 26,
CH-4410 Liestal
andreas.zeller[at]unibas.ch

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