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CIRS-Flash Nr. 10: Inhalation mit leerem Turbuhaler®

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10136
Veröffentlichung: 02.10.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;19(10):

CIRS-Flash Nr. 10: Inhalation mit leerem Turbuhaler®

Eine 84-jährige Patientin mit kognitiver Einschränkung muss wegen Invalidität des Ehemanns in ein Betagtenheim eintreten (er auf die Pflegestation, sie in das betreute Wohnen). Die Patientin wird von der Tochter besucht, diese stellt fest, dass die Pa­tientin starke Beschwerden eines langjährig bekannten Asthmas hat. Es stellt sich heraus, dass im Heim unter Aufsicht mit einem leeren Symbicort® (Budesonid und Formoterol) inhaliert worden war.

Kommentar 1: Der Fall stimmt nachdenklich bezüglich Kompetenz der Pflegefachpersonen im Heim:

A) Kompetenz in der Handhabung von Inhalations-Devices.

Die Pflege lässt die kognitiv beeinträchtige Patientin unter Kontrolle inhalieren, ohne den Turbuhaler® auf verbleibende Dosen zu prüfen. Da muss man den Satz des amerikanischen Chirurgen General C. Everett Koop «drugs don’t work in patients who don’t take them» umformulieren in «Drugs don’t work in patients who don’t get them».

B) Kompetenz in der klinischen Einschätzung/Wahrnehmung.

Erst die Tochter bemerkt, dass die Patientin starke Asthma-Beschwerden hat, das heisst die Pflegenden haben das zu wenig oder gar nicht beachtet.

Gerade bei Heimeintritten sollte den neu eingetretenen Patient/​-innen und deren Medikation besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da ein Übertritt anfällig auf Medikationsfehler oder «Stress»-bedingte Zustandsverschlechterungen ist (Demenz, Asthma, Blutdruck etc.).

Kommentar 2: Die richtige Art, mit dem Turbuhaler® zu inhalieren, wird in einem Schulungsvideo von «Lunge Zürich» demon­striert: www.lunge-zuerich.ch/de/lunge-luft/lunge/asthma/inhalation/?oid=130&lang=de.

Nicht genannt wird dort das Problem des leeren Inhalators. Wenn ich einen Patienten instruiere, sage ich ihm, er soll darauf achten, wann er erstmals einen roten Streifen im Display sieht, dann mit einer Strichliste 20× abzählen und anschliessend das Device ersetzen. In unserem Fall des Pflegeheims ist das schwieriger, weil die ­Patientin kognitiv eingeschränkt ist und das Personal dauernd wechselt. Aus diesem Grund ist es bei regel­mässiger Anwendung des Geräts dort besser, auszurechnen, bis wann der Inhalator ausreicht und dann in der Agenda einzutragen, wann das Gerät ersetzt werden muss.

Für Ihren nächsten Fall: www.forum-hausarztmedizin.ch.

Herzlichen Dank!

Das CIRS Team

Esther Henzi, Markus Gnädinger

Credits

Kopfbild: © Christoph Weihs | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Dr. med. Markus Gnädinger
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
Birkenweg 8
CH-9323 Steinach
markus.gnaedinger[at]hin.ch

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