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Geben Sie den Anliegen der medizinischen Grundversorger eine Stimme im Bundeshaus!

Wahlen 2019: Medizin und Politik

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10144
Veröffentlichung: 02.10.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;19(10):296-303

Sandra Hügli-Jost

Kommunikationsverantwortliche mfe

Die Wahlen zum eidgenössischen Parlament finden am 20. Oktober 2019 statt. Dabei werden die 200 Mitglieder des Nationalrates sowie 45 der 46 Mitglieder des Ständerates neu gewählt. Die neue Legislaturperiode dauert vier Jahre, bis 2023. Als politischer Berufsverband der Haus- und Kinderärzte beschäftigen uns diese Wahlen stark, denn das neue Parlament wird wichtige gesundheitspolitische Weichen ­stellen müssen. Wir stellen Ihnen deshalb mit Kurzinterviews «unsere» Kandidatinnen und Kandidaten aus der Ärzteschaft vor. Damit verbunden ist auch eine konkrete Wahlempfehlung unseres Verbandes. Wir Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte brauchen engagierte Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Bund und in den Kantonen. Unterstützen Sie deshalb unsere Kandidatinnen und Kandidaten. Wir wünschen allen politisch engagierten Hausärztinnen und Hausärzten viel Erfolg!

Angelo Barrile, SP, Kanton Zürich, Hausarzt, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin

Ich bin 43 Jahre alt, in Winterthur geboren und in Pfungen als Sohn einer ­sizilianischen Arbeiter/-innenfamilie aufgewachsen. Medizin habe ich an der Uni Zürich studiert und habe als Assistenzarzt in der Medizin, Chirurgie und langjährig in der Psychiatrie ge­arbeitet. Nun bin ich seit 2012 in der hausärztlichen Praxis als Grundversorger tätig. Ich bin schon seit dem Studium auch politisch aktiv in der SP, die ich 2010–2015 im Zürcher Kantonsrat vertreten durfte. Seit 2015 bin ich Nationalrat und sehe mich im Bundesparlament als Stimme für das Gesundheitspersonal sowie die Anliegen der Patient/-innen. Neben dem Nationalratsmandat engagiere ich mich zudem unter anderem als Vizepräsident des VSAO Schweiz, im Vorstand der Kinderspitex Zürich, als Präsident des Vereins Sexuelle Gesundheit Zürich (ehemals Zürcher Aids-Hilfe) sowie als Präsident der NAS-CPA, der Nationalen Arbeitsgemeinschaft Suchtpolitik. Ich lebe in eingetragener Partnerschaft, und in meiner Freizeit erhole ich mich in der Familie, mit Freund/-innen, lese gerne oder geniesse die Natur.

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Für welche politischen Schwerpunkte wollen Sie sich generell einsetzen?

Als Hausarzt bin ich nicht nur mit den Sorgen der Patient/-innen, sondern auch mit der Situation der Gesundheitsberufe vertraut. Beide Gruppen finden in Bundesbern immer noch zu wenig Gehör. Ich setze mich dafür ein, dass bei Entscheidungen nicht die Interessen der finanzstarken Lobbys, sondern die Patient/-innen und das Gesundheitspersonal im Zentrum stehen. Die medizinische Versorgung soll auch in Zukunft in der Schweiz für alle zugänglich und ­qualitativ gut bleiben. Und sie darf auch ­etwas kosten. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass die Krankenkassenprämien für die Haushalte sinken, beispielsweise als Mitglied des Initiativkomitees der Prämien­entlastungsinitiative der SP. Niemand soll mehr als 10% des Einkommens für Krankenkassenprämien bezahlen müssen.

Zudem setze ich mich für die Chancengleichheit aller Mitglieder unserer Gesellschaft ein – unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Lebensweise. Ich fordere Gleichstellung für alle Geschlechter. Diskriminierungen wegen Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Geschlechts­identität sowie Hass und Hetze gegen Minderheiten haben in unserer Gesellschaft nichts verloren – und müssen verschwinden. Deshalb kämpfe ich an vorderster Front für die Erweiterung der Anti-Rassismus-Strafnorm, für ein Verbot von Nazi-Symbolen und für die Zivil-Ehe für alle. Wer hier geboren und aufgewachsen ist, respektive hier lebt, ist hier zu Hause und soll auch mitbestimmen können. Ich setze mich dafür ein, dass das Einbürgerungsverfahren grundsätzlich erleichtert wird und Menschen der zweiten Generation automatisch das Schweizer Bürgerrecht erhalten. Als Secondo kenne ich die Anliegen jenes Viertels der Bevölkerung, das hier nicht stimmberechtigt ist. Auch sie will ich weiterhin in Bundesbern vertreten und ihnen eine Stimme verleihen.

Welches politische Thema erhält Ihrer Meinung nach im Parlament nicht die nötige Aufmerksamkeit?

Da gibt es einige. Aber wenn wir bei der Gesundheitspolitik bleiben, wird zu häufig über die Kosten und Sparmassnahmen diskutiert. Meiner Meinung nach haben wir in der Schweiz ein qualitativ hochstehendes Gesundheitswesen, das für alle zugänglich ist. Wir dürften in der Politik wieder häufiger äussern, dass wir das schätzen und es uns auch etwas kosten darf. Geld wäre genug vorhanden, die Prioritäten müssten aber anders gesetzt werden. Denn in der ganzen Diskussion um die Gesundheitskosten wird etwas vergessen: Die meisten der bisher diskutierten Massnahmen zur Senkung der Gesundheitskosten lassen sich nicht durchsetzen, ohne dass es eine Verschlechterung für die Hauptbetroffenen gibt. Entweder leidet die Qualität der medizinischen Leistungen, das Gesundheitspersonal, oder die Wartezeiten für die Patient/-innen verlängern sich. Das sollte in den Diskussionen ebenfalls mitberücksichtigt werden.

Die medizinische Grundversorgung – was bedeutet sie Ihnen und wie sehen Sie die Zukunft der Grundversorger in der Schweiz?

Den Unkenrufen zum Trotz wird unsere Arbeit nie von einem Roboter oder Algorithmus erledigt werden können. In der Hausarztmedizin – und das gefällt mir so gut an unserem Beruf – ist das Zwischenmenschliche und Persönliche zentral. Denn nur wir kennen unsere Patient/-innen gut genug und können die wichtige Gate­keeper-Funktion übernehmen. Die medizinische Grundversorgung wird auch in Zukunft zentral sein, wenn wir eine qualitativ hochstehende Medizin möglichst kostengünstig gewährleisten wollen. Meiner Meinung nach muss aber für die Grundversorgung die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefördert und honoriert werden, was heute kaum der Fall ist.

mfe engagiert sich für die Anliegen der Haus- und Kinderärzte. Wo sehen Sie für den Verband die berufspolitischen Schwerpunkte der nächsten fünf Jahre?

mfe wird weiterhin die berufspolitischen Interessen von uns Grundversorger/-innen vertreten und dafür kämpfen, dass wir ­wieder mehr Zeit für die direkte Betreuung der Patient/-innen und die notwendigen Leistungen in Abwesenheit zur Verfügung haben. Zudem soll sich mfe auch dafür einsetzen, dass die interdisziplinäre Arbeit, wie wir sie täglich leben, auch finanziell ­honoriert wird. Gewisse Leistungen, welche die MPAs schon lange so gut wie wir Ärzt/­-innen durchführen, sollen auch entsprechend entschädigt werden.

Zudem muss als weiterer Schwerpunkt die Attraktivität der medizinischen Grundversorgung möglichst hoch bleiben. Nur so können wir sicherstellen, dass die Praxisnachfolge für die älteren Kolleg/-innen gewährleistet bleibt und die jüngeren nicht aus dem Beruf aussteigen.

Wie sieht Ihr persönliches «Rezept für eine gesunde Schweiz» aus?

Es gibt leider kein Rezept, das in richtiger Dosierung die Schweiz gesund macht. Auf jeden Fall aber müssen Gesundheitsper­sonal und Patient/-innen wieder mehr in der politischen Entscheidungsfindung mitreden können, sodass mehrheitsfähige Lösungen gefunden werden.

Und eins wissen wir: Jeder Franken, der in die Bildung und Prävention gesteckt wird, macht die Menschen gesünder und spart spätere Kosten. Also braucht es dafür in ­Zukunft die notwendigen finanziellen ­Ressourcen, denn mir ist es am liebsten, wenn die Menschen schon gar nicht krank werden …

Fredi Bärtschi, EVP, Kanton Aargau, Hausarzt, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin

Seit 2010 arbeite ich in ­einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis mit zwei weiteren Ärzten. Meiner Erstausbildung als Chemielaborant folgte die Erwachsenenmatur und das Medizinstudium an der Universität Zürich. Ich habe drei Kinder und engagiere ich mich bereits seit vielen Jahren politisch. Unter anderem als Alt-Einwohnerrat in Baden (fünf Jahre) und heute noch als Mitglied der Sozialkommission der Stadt Baden. Die EVP Regionalpartei Baden führte ich als Präsident, und seit 2019 bin ich Vorstandsmitglied der EVP Bezirkspartei Brugg.

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In meiner Freizeit bin ich seit 1990 im aktiven Feuerwehrdienst und seit 2010 Vorstandsmitglied (Kassier) in der Feuerwehrvereinigung Windisch-Habsburg-Hausen. Zudem leitete ich 2010 bis 2018 einen Qualitätszirkel. Tennis, Tanzen und Modellbau sind Hobbys, die ich aktiv geniesse.

Für welche politischen Schwerpunkte wollen Sie sich generell einsetzen?

Meine Schwerpunkte liegen klar bei Fragen der Sozial- und Gesundheitspolitik.

Welches politische Thema erhält Ihrer Meinung nach im Parlament nicht die nötige Aufmerksamkeit?

Die Anerkennung der Grundversorger Haus- und Kinderärzte ist weiterhin ungenügend und wird zu wenig thematisiert. Bei gesundheitsmedizinischen Fragen geht es leider immer noch zu oft darum, dass die Ärzteschaft zu hohe Löhne erhalten würde und die medizinischen Leistungen zu teuer seien. Aus der eigenen Arbeit sehe ich aber, dass die Grundversorger (Ausnahmen gibt es immer) verantwortungsvoll mit den ­finanziellen und medizinischen Ressourcen umgehen.

Die medizinische Grundversorgung – was bedeutet sie Ihnen und wie sehen Sie die Zukunft der Grundversorger in der Schweiz?

In den Arztpraxen wird eine sehr gute medizinische Grundversorgung angeboten, ein Blick über die Landesgrenzen bestätigt dies immer wieder. In meinem Umfeld sehe ich, dass sich wieder vermehrt junge Ärztinnen und Ärzte für die Hausarztmedizin interessieren und sich überzeugt dafür entscheiden. Durch die vermehrt auf­tretenden Gruppenpraxen können sehr viele Synergien genutzt und eine wertvolle «Work-Life-Balance» erreicht werden.

mfe engagiert sich für die Anliegen der Haus- und Kinderärzte. Wo sehen Sie für den Verband die berufspolitischen Schwerpunkte der nächsten fünf Jahre?

Klar weiter in der Stärkung der Haus- und Kinderärzteschaft. Wir müssen weiter vermehrt geschlossen auftreten. Unterstützung erhalten wir durch sehr viele Patientinnen und Patienten, die eine enge und langjährige Beziehung zu ihren Ärztinnen und Ärzten wünschen.

Wie sieht Ihr persönliches «Rezept für eine gesunde Schweiz» aus?

Ich bin der Meinung, dass wir nach wie vor in einem reichen Land leben, die Ressourcen aber ungerecht verteilt sind. Das bis­herige wirtschaftliche Wachstum mit gewinnmaximierenden Prozessen lässt sich meiner Meinung nach nicht mehr weiter auf Kosten Schwächerer erreichen. Wir müssen Grosskonzerne vermehrt in die Verantwortung nehmen.

Marina Carobbio Guscetti, SP, Nationalratspräsidentin, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin

Ich heisse Marina Carobbio und bin 1966 in Lumino/Tessin geboren. Ich bin verheiratet mit Marco Guscetti und Mutter zweier Kinder: Matteo (1996) und Laura (2004). Seit 2007 bin ich Nationalrätin und derzeit Mitglied der Kommission des Nationalrats für soziale Sicherheit und Gesundheit. Für den Zeitraum 2018–2019 bin ich Präsidentin des Schweizer Nationalrats. Ich engagiere mich in mehreren Zusammenschlüssen und Verbänden in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Umwelt und Humanitäres (siehe www.marinacarobbio.ch).

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Für welche politischen Schwerpunkte wollen Sie sich generell einsetzen?

Ich setze mich ein für:

– die Senkung der Krankenkassenprämien und die Sicherung eines Gesundheitssystems, das auch in Zukunft hochwertig und für jede und jeden zugänglich ist,

– eine mehrsprachige Schweiz, die achtsam mit Minderheiten umgeht,

– würdige Arbeitslöhne und -bedingungen,

– eine bessere Lebensqualität und konsequenten Umweltschutz,

– eine echte Gleichstellung der Geschlechter.

Welches politische Thema erhält nach Ihrer Meinung im Parlament nicht die nötige Aufmerksamkeit?

Der kontinuierliche Anstieg der Krankenkassenprämien und der Gesundheitskosten steht mit Sicherheit im Mittelpunkt der ­politischen Debatte, allerdings werden keine passenden Antworten gefunden, auch aufgrund der oftmals gegensätzlichen Interessen. In 20 Jahren haben sich die Prämien mehr als verdoppelt, während die Löhne und Renten nur begrenzt gestiegen sind. Immer höhere Prämien, von der ob­ligatorischen Krankenversicherung nicht übernommene Behandlungskosten, Franchise und Kostenbeteiligung: Ausgaben, die sich schwerwiegend auf das Haushaltsbudget auswirken, vor allem in jenen Haushalten, die lediglich einen minimalen ­Beitrag zur Verbilligung der Kranken­kassenprämie erhalten oder zur mittleren Einkommenskategorie zählen und darum gar keinen Anspruch auf Prämienverbilligung haben. Wenn wir nicht gegensteuern, besteht die Gefahr eines Gesundheitssystems der zwei Geschwindigkeiten: Auf der einen Seite jene, die sich jede Ausgabe leisten können, auf der anderen Seite jene, die auf eine Behandlung verzichten oder das Risiko einer sehr hohen Franchise eingehen. Wir müssen den Anstieg der Gesundheitskosten bremsen und dadurch auch die Krankenkassenprämien senken. Gleich­zeitig muss die Qualität der Versorgung ­sichergestellt sein. Einerseits dürfen die Krankenkassenprämien nicht mehr als 10% des verfügbaren Haushaltseinkommens ausmachen. Andererseits müssen wir die Ausgaben für nicht notwendige Leistungen verringern, die Medikamentenkosten senken sowie neue Modelle der interdisziplinären Versorgung fördern und dabei Hausarztmedizin und Pflegedienstleistungen aufwerten.

Die medizinische Grundversorgung – was bedeutet sie Ihnen und wie sehen Sie die Zukunft der Grundversorger in der Schweiz?

Die Zunahme chronischer Krankheiten und die Notwendigkeit, älteren Patientinnen und Patienten, Personen mit langwierigen Krankheiten und Palliativpatientinnen und -patienten eine spitalexterne Pflege zu garantieren, erfordern die Stärkung der Hausarztmedizin und der Interprofessionalität. Im Oktober 2018 fand in Astana (Kasachstan) die Globale Konferenz über primäre ­Gesundheitsversorgung statt mit dem Ziel, eine allgemeine Gesundheitsversorgung und die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu verwirklichen. Mit Recht haben die Teilnehmenden an der Konferenz die Debatte über die Notwendigkeit von Investitionen in die Grundversorgung vorangetrieben. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist natürlich ein ernstes Problem in den besonders benachteiligten Ländern, gleichzeitig müssen wir uns auch in der Schweiz damit befassen. Das Recht auf Gesundheit für alle Menschen setzt in der Tat eine Stärkung der Grundversorgung voraus, und zwar aufgrund der essenziellen Rolle, welche die Hausärztinnen und Hausärzte bei der ­Prävention, Behandlung und Betreuung in enger Zusammenarbeit mit den Pflege­fachpersonen spielen.

mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz engagiert sich für die Anliegen der Haus- und Kinderärzte. Wo sehen Sie für den Verband die berufspolitischen Schwerpunkte der nächsten 5 Jahre?

Wir müssen den jungen Ärztinnen und Ärzten weiterhin die Bedeutung und Relevanz der Hausarztmedizin nahebringen. Dar­über hinaus müssen wir die Interprofessionalität und Koordination in der Grundversorgung weiterentwickeln, um chronisch Kranke bestmöglich betreuen zu können. Ich bin zudem davon überzeugt, dass dem Verband der Hausärztinnen und Hausärzte eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung unnötiger Behandlungen zukommen kann und muss («Smart Medicine»).

Wie sieht Ihr persönliches «Rezept für eine gesunde Schweiz» aus?

Die Zukunft unseres Landes hängt davon ab, dass wir mit jenen Menschen solidarisch sind, die Probleme haben, und dass wir die Schwächsten nicht zurücklassen. Sie hängt aber auch davon ab, dass wir all den Einzelteilen, die das Land ausmachen, einen angemessenen Raum geben: Frauen und Männern vielfältiger Herkunft und Kultur und mit unterschiedlichen Berufen. Das Rezept heisst Solidarität, und dies gilt auch für unser Gesundheitssystem, das hochwertige Behandlungen und den allgemeinen Zugang zur Gesundheitsversorgung auch in Zukunft sicherstellen muss. Dazu benötigen wir Lösungen auf möglichst breiter Basis..

Pierre-Alain Fridez, SP, Kanton Jura, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin 

Hausarzt in Fontenais.

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Verheiratet, vier Kinder, zwei Enkel.

Ehemaliger Gemeindepräsident von Fontenais, ehemaliger Abgeordneter im Parlament des Kantons Jura.

Mitglied des Nationalrats seit 2011 (Sozialdemokratische Partei).

Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, Vizepräsident des Migrationsausschusses.

Präsident der CORAASP, Mitglied der mfe-Kommission für Gesundheitspolitik.

Für welche politischen Schwerpunkte wollen Sie sich generell einsetzen?

Stärkung des Sozialsystems, hochwertige Gesundheitsversorgung, die für die Menschen ohne unverhältnismässige Kosten ­zugänglich ist (Reform des Vergütungs­systems auf Grundlage des verfügbaren Einkommens der Versicherten: Initiative der SP – Begrenzung der Prämienhöhe auf höchstens 10% des Einkommens, Umweltschutz, Stärkung der AHV.

Welches politische Thema erhält Ihrer Meinung nach im Parlament nicht die nötige Aufmerksamkeit?

Die Organisation unseres Versicherungssystems. Da zahlreiche Abgeordnete mit den Krankenkassen verbunden sind, werden in diesem Bereich keine Fortschritte erzielt. Ich bin zum Beispiel für eine Einheitskasse und für ein spürbares Mehr an Prävention durch eine Stärkung der Grundversorgung.

Die medizinische Grundversorgung – was bedeutet sie Ihnen und wie sehen Sie die Zukunft der Grundversorger in der Schweiz?

Die breite Bevölkerung braucht die Grundversorgung, zudem sind pädagogische und Präventionsmassnahmen nötig. Die grosse Herausforderung ist die Bevölkerungsalterung und die Sicherstellung der Grundversorgung in allen Regionen des Landes …

mfe engagiert sich für die Anliegen der Haus- und Kinderärzte. Wo sehen Sie für den Verband die berufspolitischen Schwerpunkte der nächsten fünf Jahre?

Gewährleistung der Nachfolge der All­gemeinmedizinerinnen und -mediziner, deren Durchschnittsalter zunehmend besorgniserregend ist. Ausbildung von mehr Fachärztinnen und Fachärzten für Allgemeinmedizin (Bravo Uni Freiburg!) sowie Verbesserung ihres Status und ihrer An­erkennung.

Wie sieht Ihr persönliches «Rezept für eine gesunde Schweiz» aus?

Glückliche Menschen machen dieses Land aus, sie führen ein harmonischen Privat- und Berufsleben, sorgen sich um Prävention, essen gesund, bewegen sich und rauchen nicht … In einem Land und einer Welt, wo man sich endlich dazu entschlossen hat, den Problemen der Klimaerwärmung zu begegnen …

Yvonne Gilli, Grüne, Kanton St.Gallen, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin und Mitglied des Zentralvorstands der FMH 

Im Erstberuf Pflegefachfrau. Maturität auf dem zweiten Bildungsweg und Studium der Medizin an der Universität Zürich. Seit 1996 Tätigkeit als Haus­ärztin in eigener Gruppenpraxis. Neben dem Facharzttitel in Allgemeiner Innerer Medizin diverse Weiterbildungen: Traditionelle Chinesische Medizin ASA, klassische Homöopathie SVHA, Körperpsychotherapie IBP.

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Mein politischer Weg führte mich von der Mitgliedschaft im VSAO über das Gemeinde- und Kantons­parlament in den Nationalrat (2007–2015) und seit 2016 in den Zentralvorstand der FMH (verantwortlich für das Departement Digitalisierung/eHealth). Privat bin ich Mutter von drei erwachsenen Söhnen.

Seit Jahren engagiere ich mich im Rahmen der UNO-Entwicklungsziele für die sexuelle und reproduktive Gesundheit der Frauen, über sechs Jahre auf internationaler Ebene im Vorstand des europäischen Parlamentarierforums in Brüssel (EPF), heute noch als Stiftungsratspräsidentin von Sexuelle Gesundheit Schweiz.

Erholung und Ausgleich finde ich in der täglichen Meditation, in der Natur und im Kreis meiner Familie, Freunde und Freundinnen.

Für welche politischen Schwerpunkte wollen Sie sich generell einsetzen?

Als alt-Nationalrätin der Grünen und Ärztin liegt mein Fokus klar auf der Umwelt- und Gesundheitspolitik. Beide Gebiete stellen uns vor enorme gesellschaftliche Herausforderungen, denen ich mich auch aus einem humanistischen Verständnis stellen möchte.

Welches politische Thema erhält Ihrer Meinung nach im Parlament nicht die nötige Aufmerksamkeit?

Die Gesundheitspolitik bekommt zwar viel Aufmerksamkeit, aber mit viel zu wenig Expertise der Gesundheitsfachpersonen, die im direkten Patientenkontakt auch die Konsequenzen von Rahmenbedingungen erfahren. Es beginnt bei einfachen Forderungen nach einem Kostendach und endet mit der Digitalisierung – Schlagworte für die Zukunft dazu wären Zweiklassenmedizin und unverhältnismässig wachsender Administrativaufwand.

Die medizinische Grundversorgung – was bedeutet sie Ihnen und wie sehen Sie die Zukunft der Grundversorger in der Schweiz?

Die medizinische Grundversorgung ist das Herzstück jeder Gesundheitsversorgung. Auch in Zukunft wird ihr Platz im Gesundheitssystem nicht gesichert sein. Nicht zuletzt mit Hilfe neuer Technologien, aber auch unter dem dauerndem Kostendruck läuft die Grundversorgung Gefahr, dem Kommerz geopfert zu werden.

In der politischen Verantwortung verstehe ich mich als Platzhalterin einer qualita­tiven hohen medizinischen Grundversorgung. Attraktive Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, betriebswirtschaftlich gerechnete Tarife und Behandlungsfreiheit gehören dazu. Um auch hier ein Schlagwort zu wählen: Ich engagiere mich für mehr Anreize für die Berufe in der Grundversorgung und für weniger Zwangsregulierung.

mfe engagiert sich für die Anliegen der Haus- und Kinderärzte. Wo sehen Sie für den Verband die berufspolitischen Schwerpunkte der nächsten fünf Jahre?

– Eine kontinuierliche und enge Zusammenarbeit mit den gewählten Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz;

– Die Stärkung des interprofessionellen Zusammenhaltes aller Gesundheitsberufe, die in der Grundversorgung tätig sind;

– Sensibilisierung von Politik und Öffentlichkeit für haus- und kinderärztliche Anliegen, weil deren Betroffenheit von politischen Regulierungen (z.B. Globalbudgets) sich unmittelbar auf die Betreuung der Patientinnen und Patienten auswirkt.

Gemeinsam ist diesen Massnahmen das Ziel, das politische Gewicht gegenüber den Entscheidungsträgern zu erhöhen Richtung Sumoringer.

Wie sieht Ihr persönliches «Rezept für eine gesunde Schweiz» aus?

Mehr Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte für die Schweiz!

Blaise Vionnet, Grünliberale, Kanton Waadt, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin 
und Tropen- und Reisemedizin

Ich bin 1956 in Neuchâtel geboren und habe meinen FMH-Titel 1980 erlangt. Meine Laufbahn führte mich nach Liverpool und später nach Kamerun, 1994 habe ich mich in Echallens niedergelassen, zunächst allein und später in einer Gruppenpraxis.

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Ich bin verheiratet und habe drei erwachsene ­Kinder sowie drei Enkel.

Ich sorge mich um unsere Umwelt und das Erbe, das wir unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen. Die Grünliberale Partei Schweiz legt das Hauptaugenmerk auf die Zukunft unseres Planeten und die Innovation und ist jene Partei, mit der ich mich am meisten identifizieren kann. Seit 2010 ­engagiere ich mich für die Grünliberalen. Im Jahr 2015 habe ich für den Nationalrat kandidiert, in diesem Jahr habe ich mich zu einer erneuten Kandidatur entschlossen. Zudem bin ich Mitglied der Delegiertenversammlung der Grünliberalen sowie des Gemeinderats.

Für welche politischen Schwerpunkte wollen Sie sich generell einsetzen?

Unser Zuhause brennt und wir schauen weg …

Dieser Satz stammt von Jacques Chirac, der ihn 2002 auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung aussprach. Was haben wir in diesen 17 Jahren getan? Wir müssen den Lauf der Geschichte unbedingt ändern. Bei den Grünliberalen ist Ökologie mehr als ein politischer Slogan, sie ist eine Geisteshaltung. Mit ihrer Strategie «Cool down 2040» schlagen die Grünliberalen Massnahmen vor, durch die die Schweiz das Ziel null Treibhausgasemissionen bis 2040 erreichen soll. Wenn ich gewählt werde, engagiere ich mich dafür, dass ­unser Planet zum Wohle künftiger Generationen bewahrt wird.

Ich setze mich für die Nachhaltigkeit unseres Gesundheitssystems ein und schlage die Aufwertung und Stärkung der Hausarztmedizin vor. Sie bildet die Grundlage unseres Gesundheitssystems, durch sie können die meisten Gesundheitsprobleme gelöst und dabei die Kosten stabil gehalten werden. Das Projekt «Smarter Medicine» unterstütze ich ohne Vorbehalt. Die Patientenverfügung möchte ich weiterentwickeln, um sie einfacher zugänglich zu machen. Überdies engagiere ich mich für die Förderung der Interdisziplinarität.

Ich engagiere mich für eine Verkehrspolitik, welche die Umwelt respektiert und sanfte Mobilität fördert. Darum denke ich nicht, dass es sinnvoll ist, unsere Autobahnen weiter auszubauen.

Ich setze mich für eine Öffnung gegenüber Europa ein. Wir brauchen bilaterale Be­ziehungen. Sie sind für die Wettbewerbs­fähigkeit und das Überleben unserer Unternehmen unabdingbar und fördern den wissenschaftlichen Austausch.

Welches politische Thema erhält Ihrer Meinung nach im Parlament nicht die nötige Aufmerksamkeit?

Angesichts der aktuellen Mehrheitsverhältnisse im Parlament können Ökolgieprojekte nur äusserst schwer beschlossen werden. Es ist jedoch dringend geboten, Massnahmen zur Begrenzung unserer Treibhausgasemissionen zu ergreifen.

Alle Akteure des Gesundheitssystems spielen sich den Ball gegenseitig zu und verlangen, dass zuerst die anderen einen Beitrag leisten. Wir müssen uns dringend an einen Tisch setzen und Lösungen finden. Der jährliche Anstieg unserer Prämien ist nicht weiter hinnehmbar.

Unser Rentensystem ist dringend reformbedürftig. Die Anhebung des Rentenalters ist eine Notwendigkeit, um das System nachhaltig zu sichern, wird aber als alleinige Massnahme nicht ausreichen.

Unsere Wirtschaft gibt 1 von 2 Franken in den anderen europäischen Ländern aus, und unsere KMU benötigen enge Beziehungen mit Europa. Wir müssen unbedingt das Rahmenabkommen unterzeichnen, um unseren Unternehmen Stabilität zu bieten.

Die medizinische Grundversorgung – was bedeutet sie Ihnen und wie sehen Sie die Zukunft der Grundversorger in der Schweiz?

Medizinische Primärversorgung bedeutet Grundversorgung, die für alle mit akzeptablen Wartezeiten zugänglich und mit vernünftigen Kosten verbunden ist. Dafür ­zuständig sind die in der medizinischen Grundversorgung tätigen Ärztinnen und Ärzte, aber auch andere Berufsgruppen wie Apothekerinnen und Apotheker, Pflegefachpersonen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Spitex-Organisationen. Dies erfordert eine vorbildliche Ko­ordination und die Anerkennung der Tat­sache, dass sich alle Akteure gegenseitig ergänzen. Die medizinische Primärver­sorgung verpflichtet uns dazu, über die ­verfügbaren Ressourcen und ihre gerechte Verteilung an die gesamte Bevölkerung nachzudenken.

mfe engagiert sich für die Anliegen der Haus- und Kinderärzte. Wo sehen Sie für den Verband die berufspolitischen Schwerpunkte der nächsten fünf Jahre?

Mit Blick auf unsere Zukunft müssen wir die Ausbildung der medizinischen Grundversorgerinnen und -versorger weiter fördern und aufwerten, sowohl im Hinblick auf die Studien- und Praktikumsplätze als auch in finanzieller Hinsicht. Um eine nachhaltige Kostenentwicklung zu erreichen, muss das Verhältnis zwischen Fachärztinnen und -ärzten sowie Grundver­sorgerinnen und -versorgern umgekehrt werden.

In den kommenden Jahren wird die Interdisziplinarität zu einer Voraussetzung, um den Anstieg der Gesundheitskosten zu bremsen.

Die Entwicklung der «Smarter Medicine» ist ein wichtiger Faktor für unsere Zukunft. Dieser Ansatz soll zu einer Kostenstabilisierung beitragen.

Das Notfallmanagement wird in den kommenden Jahren ebenfalls ein zentrales Thema sein.

Die Kantone müssen ihren tatsächlichen Bedarf an Ärztinnen und Ärzten definieren und die Zahl neuer Niederlassungen fest­legen, die sie wirklich benötigen.

Die Entwicklung von der stationären Behandlung hin zum ambulanten Bereich ist nötig, erfordert aber die einheitliche Finanzierung der ambulanten und stationären Leistungen, um den erneuten Anstieg der Beiträge in der Grundversicherung zu vermeiden.

Der Bundesrat möchte Pilotprojekte fördern, die auf die Senkung der Gesundheitskosten abzielen. Das in der Romandie ­unterstützte Projekt der öffentlichen Kran­kenkasse könnte Teil eines solchen Projekts sein.

Um die Gesundheitsversorgung besser ­koordinieren zu können, ist es nunmehr dringend notwendig, dass in der gesamten Schweiz das elektronische Patientendossier zur Verfügung steht.

Wie sieht Ihr persönliches «Rezept für eine gesunde Schweiz» aus?

Eine starke Hausarztmedizin.

Eine grössere Transparenz der Versicherer und Leistungserbringer.

Die Zusammenarbeit der diversen Akteure des Gesundheitssystems anstelle von Misstrauen.

Eine Reflexion in Politik und Bevölkerung über die Nachhaltigkeit unseres Gesundheitssystems und seine Kosten.

Josef Widler, CVP, Kanton Zürich, Hausarzt, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin

Im Friesenbergquartier am Fusse des Üetliberg bin ich aufgewachsen. Nach der Matura in Engelberg habe ich in Zürich studiert, zusammen mit meiner Frau eine Familie gegründet, drei Kinder gross gezogen und bin jetzt stolzer Grossvater von drei Enkelkindern. Meine Hausarztpraxis in Zürich Altstetten habe ich nach 30 Jahren meiner Tochter übergeben. Ich betreue noch etwa 100 Pflegeheimpatient/-innen und halte an einem Tag pro Woche Sprechstunde. Als Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft AGZ und als Kantonsrat setzte ich mich für die Interessen unserer Patientinnen und Patienten ein.

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Für welche politischen Schwerpunkte wollen Sie sich generell einsetzen?

Im Bundeshaus werde ich mich dafür engagieren, dass die medizinische Versorgung aller kranken und betagten Menschen in diesem Lande auch in Zukunft finanzierbar und gesichert bleibt. Dazu gehört auch, dass in der Schweiz genügend junge Menschen zu kompetenten Ärztinnen und Ärzten ausgebildet werden, und dass sie den Beruf mit Freude bis ins Pensionsalter ausüben! Im Kanton werde ich mich dafür einsetzen, dass eine zu erwartende Steuerung der ambulanten Versorgung nur mit dem Einbezug der Ärzteschaft erfolgen wird.

Welches politische Thema erhält Ihrer Meinung nach im Parlament nicht die nötige Aufmerksamkeit?

Ich habe den Eindruck, dass das Parlament derart von der Kostenthematik getrieben wird, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung und die Rahmenbedingungen für eine gute Versorgung keinen Platz in der gesundheitspolitischen Diskussion haben. Es braucht einen echten gesundheitspolitischen Dialog der nationalen und kantonalen Akteure, zuerst über Versorgungsziele und erst danach darüber, wie die Ver­sorgung bereitgestellt und finanziert wird. Der Mensch muss wieder im Vordergrund stehen und nicht der Franken!

Die medizinische Grundversorgung – was bedeutet sie Ihnen und wie sehen Sie die Zukunft der Grundversorger in der Schweiz?

Eine gute Grundversorgung ist für mich die Grundbedingung für eine qualitativ hochstehende, wirksame und kostengünstige Gesundheitsversorgung. Die Schweiz braucht in der Zukunft mehr denn je gut ausgebildete Hausärztinnen und Hausärzte. Denn nicht nur alte, sondern auch junge Menschen brauchen in einer Zeit, in der es ein Übermass von Informationen und eine Fülle von Behandlungsmöglichkeiten gibt, kompetente erste Anlaufstellen, die sie kennen und denen sie vertrauen können. Und wer die Kosten eindämmen will, kann das nur mit einer Stärkung der Grundversorgung erreichen.

mfe engagiert sich für die Anliegen der Haus- und Kinderärzte. Wo sehen Sie für den Verband die berufspolitischen Schwerpunkte der nächsten fünf Jahre?

1. In der Förderung der Ausbildung: Engagement dafür, dass genügend attraktive Ausbildungsplätze für angehende Hausärztinnen und Pädiaterinnen geschaffen werden.

2. In der Förderung der Qualität der Ausbildung: Die angehenden Hausärzte müssen breit ausgebildet sein, kleine chirurgische Eingriffe muss jeder Hausarzt beherrschen, die Kompetenz bei rheumatischen Erkrankungen wird immer wichtiger.

3. In der Förderung von Praxisplätzen: Es ist schön, dass junge Hausärztinnen keine Scheu mehr vor einer Landpraxis haben. Wir müssen daran arbeiten, mehr Anreize für Praxen ausserhalb der Städte und ­Agglomerationen zu setzen.

Wie sieht Ihr persönliches «Rezept für eine gesunde Schweiz» aus?

Selbstverantwortung und Solidarität sind jene Qualitäten, die für eine «gesunde» Schweiz unabdingbar sind.

www.josef-widler.ch

Markus Scheuring, IP, Kanton Zürich, Hausarzt, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, ­Psychosomatik

Für welche politischen Schwerpunkte wollen Sie sich generell einsetzen?

Ich bin 1950 in Zürich geboren – meine Heimatstadt, die ich liebe. Hier bin ich aufgewachsen. Mit meiner Frau Norma habe ich zwei Kinder und eine Enkelin. Seit meiner Jugend liegen mir die Menschenwürde, das Befinden der Tiere und die Gerechtigkeit in der Gesellschaft sehr am Herzen – ich setze mich dafür ein. Die Schweiz mit der direkten Demokratie und die Integrale Politik (IP) gibt mir dazu die richtige Plattform. Nach einer Berufslehre konnte ich über den zweiten Bildungsweg die ­Matura erwerben. Meinen Wunsch, Arzt zu werden, konnte ich erfüllen. Nach dem Erlangen des Facharzttitels wurde ich Hausarzt im Säuliamt. Die ­Psychosomatik wurde zur Basis für eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen mit den Aspekten Körper – Seele – Geist.

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Nach Aufgabe der Allgemeinpraxis praktiziere ich heute in Zürich psychotherapeutisch in der «Arztpraxis Psychosomatik».Das Drogenelend in Zürich hatte mich betroffen gemacht. Ein Grund, mich jahrelang für die Substitutionstherapie von Drogenabhängigen als Präsident der ARUD zu engagieren. Die Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin unterstützte ich während Jahren als Präsident.

Mit meinem Einsatz für die Tier- und Genschutz­initiativen war ich politisch aktiv.

Wichtig ist mir die Mitgliedschaft in der Akademie Menschenmedizin, dort als Beirat und Tutor von Medizinstudent/-innen. Ich unterstütze die Bemühungen, unser Gesundheitswesen menschen­gerecht und bezahlbar zu machen. Dazu gehört die Entkoppelung von der Gewinnorientierung, Stärkung der Gesundheit und Anregung zur Eigenverantwortung.

Die ethischen Fragen im Medizinbereich sind ­äusserst relevant und eine grosse Herausforderung für die Zukunft.

Im Vordergrund steht der Einsatz für eine enkeltaugliche Zukunft, eine Welt, in der sich menschenwürdig leben lässt.

Im Gesundheitsbereich sind die Entkoppelung von der Gewinnorientierung, An­regung zur Eigenverantwortung und Vorbeugung wichtige Themen.

Wichtig sind auch die ethischen Heraus­forderungen, die sich in Anbetracht der grossen neuen technischen Möglichkeiten stellen.

Welches politische Thema erhält nach Ihrer Meinung im Parlament nicht die nötige Aufmerksamkeit?

Die Energiewende soll ein wichtiges Thema sein und bleiben. Prophylaxe im weiten Sinn soll vermehrt thematisiert werden betreffend Sucht, Gewalt, soziale Ungerechtigkeit und Traumata im Allgemeinen. Der Staat soll für die Bürger da sein, nicht ­umgekehrt.

Die medizinische Grundversorgung – was bedeutet sie Ihnen und wie sehen Sie die Zukunft der Grundversorger in der Schweiz?

Die Grundversorgung ist bedroht. Für eine gesunde Bevölkerung und ein effektives Gesundheitswesen ist diese absolut prioritär und braucht starke politische Unter­stützung. Gute Ausbildungsmöglichkeiten, optimale Vernetzung mit Fachärzt/-innen und stationären Institutionen und adäquate Bezahlung sind grundlegend. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Grundversorgung kann so erhöht werden.

mfe engagiert sich für die Anliegen der Haus- und Kinderärzte. Wo sehen Sie für den Verband die berufspolitischen Schwerpunkte der nächsten fünf Jahre?

Einflussnahme im Ausbildungsbereich. Die Tätigkeit in der Grundversorgung ist eine der schönsten und sehr befriedigend: Dies sollte vermehrt vermittelt werden. Das Einkommen soll der herausfordernden Tätigkeit entsprechen.

Wie sieht Ihr persönliches «Rezept für eine gesunde Schweiz» aus?

Grundlegend ist das gute Einvernehmen zwischen Ärzt/-innen und Bürger/-innen. Das Vertrauen soll gestärkt werden – damit ist es auch möglich, die Menschen zu vermehrter Eigenverantwortung zu bringen. Das Gesundheitssystem soll bezahlbar werden durch klugen Einsatz der technischen Möglichkeiten und Beschränkung übertriebener Gewinne.

Weitere Kandidatinnen und Kandidaten aus der Allgemeinen Inneren Medizin:

Katharina Eva Wachter-Renfer

EVP, Kanton Zürich, Haus- und Schulärztin, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin.

Dr. med. Bernhard Sorg

SVP, Kanton Zürich, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, Hausarzt Zürich.

Redaktionelle
Verantwortung:
Sandra Hügli mfe

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ID 78769376 © Andrianocz | Dreamstime.com

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Sandra Hügli-Jost
Kommunikationsbeauftragte
mfe Haus- und
Kinderärzte Schweiz
Geschäftsstelle
Effingerstrasse 2
CH-3011 Bern
Sandra.Huegli[at]hausaerzteschweiz.ch

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