Editorial

Einen starken Nachwuchs

Was wir uns zu Weihnachten wünschen

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10167
Veröffentlichung: 04.12.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;19(12):364

Drahomir Aujesky, Regula Capaul

Co-Präsidium SGAIM

Als aller erstes wünschen wir unseren Mitgliedern gute Gesundheit und viel Erfolg im neuen Jahr. Allen, die ihre Gesundheit verloren haben, wünschen wir einen gut ausgebildeten Generalisten, der sie in Praxis und Spital auf ihrem Krankheitsweg begleitet und menschlich und effizient durch das immer grössere Gesundheitsangebot steuert, vorbei an den Klippen der Unter-, Über- und Fehlversorgung. Unserem Land und seinen Entscheidungsträger/-innen in Politik und ­Gesundheit, einschliesslich Spitaldirektionen und ­Ver­waltungsräten, wünschen wir, dass sie den medizinischen und ökonomischen Mehrwert einer «generalistischen» Versorgung erkennen. Während sich die Hausarztmedizin politisch und gesellschaftlich als «Label» besser etablieren konnte, ist im Spital die tariflich oft attraktivere Spezialmedizin der Standard und hat die Generalist/-innen, in lokal sehr unterschiedlichem Ausmass, in eine Nebenrolle als Hilfs- und Supportdienstleister verdrängt. So werden mittlerweile nicht nur in Zentrumsspitälern tagsüber einfache Fälle der stationären Grundversorgung (z.B. Pneumonien) auf Spezialabteilungen behandelt, wobei im Nachtdienst jeweils der Internist die Betreuung übernehmen «darf». In Deutschland, wo dank zehnjährigem DRG-­Vorsprung viele allgemeininternistische Spitalabteilungen aus tariflichen Gründen eingegangen sind, spricht man vom «fatalen Sterben der Inneren». Die Konsequenzen sind ein Aufstau von finanziell «ungünstigen» multimorbiden Patient/-innen auf den Notfallstationen und Qualitätseinbussen in deren Ver­sorgung. Als Mediziner, Steuerzahlerin, Angehöriger und wohl auch künftige Patientin wünscht man sich, dass unsere Entscheidungsträger/-innen für einmal kritisch nach Norden blicken, um ähnliche Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Unserem Fach wünschen wir einen starken Nachwuchs. Heisst die Maxime der Immobilienwertung «Lage, Lage, Lage», so ist der Schlüssel zur erfolgreichen Entwicklung unseres Fachs «Nachwuchs, Nachwuchs, Nachwuchs». Nach der ersten erfolgreichen Nachwuchskampagne muss nun das Weiterbildungsprogramm für Allgemeine Innere Medizin (AIM) ­modernisiert werden und es müssen attraktive Berufsprofile für Allgemeininternist/-innen entstehen. Insbesondere sollen stringentere Kriterien gelten, damit primär nicht allgemeininternistisch tätige Ärzte nicht als Leiter einer Weiterbildungsstätte der Kategorie A-C anerkannt werden können.

Forschung, Entwicklung und Innovation sind nebst (Tarif-)Strukturen und einem qualitativ hochstehenden Nachwuchs die wichtigsten Zukunftsgaranten für ein Fachgebiet. Der allgemeininternistische akade­mische Nachwuchs an den Universitätsspitälern und Hausarztinstituten ist insgesamt leider dünn gesät. Die AIM braucht eine eigenständige und kompetitive klinische Forschung, die auf ihre Patient/-innen und ihre häufigen Krankheiten zentriert ist. Umgekehrt sind die Zeiten, wo der Allgemeininternist in der Grundlagenforschung brilliert hat, wohl vorbei. An ­einigen unserer Universitäten existieren heute in der AIM strukturierte Programme für klinische Forschung und akademisches Karrierementoring. Wir wünschen uns, dass sich unser talentierter und ehrgeiziger Nachwuchs wieder vermehrt der Herausforderung einer akademischen Karriere stellt und so zur Fachentwicklung beiträgt.

Das Engagement unserer Mitglieder ist ein weiterer Kernfaktor für das Fortbestehen unseres Fachs. Unsere fast 8000 Mitglieder verfügen über ein unglaub­liches Wissens- und Vernetzungsspektrum. Wir wünschen uns, dass sich unsere Mitglieder im Sinne des gutschweizerischen Milizgedankens zahlreich für die Kommissionen und Vernehmlassungen der SGAIM zur Verfügung stellen. Denn in diesen Kommissionen werden oft zukunftsweisende Entwicklungen unseres Fachs mitgestaltet.

Als Co-Präsidium der SGAIM versichern wir Ihnen, dass wir mit diesem Editorial nicht nur ein paar fromme Wünsche «an die da oben» schicken, sondern diese Wünsche «hier auf Erden» pointiert mit kon­kreten Massnahmen zu unterstützen gedenken. Fröhliche Weihnachten!

Redaktionelle ­Verantwortung:
Claudia Schade, SGAIM

Credits

Kopfbild: © Tabitazn | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Claudia Schade
Schweizerische Gesellschaft
für Allgemeine Innere
Medizin
Monbijoustrasse 43
Postfach
CH-3001 Bern
claudia.schade[at]sgaim.ch

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