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CIRS-Flash Nr. 11: Hyposensibilisierung – falsch verdünnt!

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2020.10180
Veröffentlichung: 05.02.2020
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2020;20(02):69

CIRS-Flash Nr. 11: Hyposensibilisierung – falsch verdünnt!

Pharmalgen® Bee Venom (Bienengift) muss als Pulver mit einer Albuminlösung aufgelöst werden, und zwar mit genau 1,2 ml Lösungsmittel für die Maximaldosierung. In der Lösungsmittelampulle befinden sich jedoch ca. 4 ml Lösungsmittel. Meine MPA haben immer die ganze Ampulle Lösungsmittel verwendet (wie das bei diversen anderen Trockensubstanzen in der Praxis üblich ist), obwohl im Beipackzettel und in der Anweisung des Allergologen klar stand, dass mit 1,2 ml verdünnt werden sollte. Der Fehler fand über Jahre statt, weil eine MPA es der jeweiligen Nachfolgerin so beibrachte. Nur per Zufall schaute ich einmal zu und bemerkte den Fehler.

Kommentar 1: Sollen MPA in Eigenverantwortung Desensibilisierungen durchführen? Zumindest sollte der verantwortliche Arzt sich periodisch vergewissern, dass die Applikation korrekt erfolgt. Da jede Desensibilisierung die Gefahr eines ernsthaften Zwischenfalls birgt – besonders, falls nicht korrekt durchgeführt – ist sorgfältig abzuwägen, wer die Spritze vorbereitet bzw. appliziert. Ich mache es ohne Ausnahme immer selbst.

Kommentar 2: Gemäss Mitteilung des Herstellers ALK-Abelló wird Pharmalgen® per 1. Januar 2020 eingestellt und die Umstellung auf Alutard SQ® Insektengifte empfohlen.

Kommentar 3: Wir benutzen für die Desensibilisierungen Allergovit® (Allergopharma), wodurch ein Mischen entfällt. Bei uns zieht die MPA die Dosis auf, und schreibt auf dem Laufblatt des Patienten das Datum, die aufgezogene Menge, Lösungsstärke (A oder B) und ihr Kürzel auf. Vor Verabreichung gilt es, durch uns Ärztinnen und Ärzte die Dosis zu überprüfen und mittels einer Unterschrift auf dem Laufzettel zu bestätigen. Das anschliessende Spritzen erfolgt ausschliesslich durch uns Ärztinnen und Ärzte.

Externer Kommentar (Prof. Barbara Ballmer-Weber, Allergologie, KSSG): Bei Pharmalgen® wird ein Lyophilisat von 120 µg mit 1,2 ml Lösungsmittel aufgelöst, so dass eine Konzentration von 100 µg/ml resultiert. Die MPA im CIRS-Fall haben die Bienengiftlösung lediglich auf 24 µg/ml verdünnt, damit wird dem Patienten nur ein Fünftel der nötigen Dosis verabreicht. Ein schützender Effekt der Immuntherapie ist somit nicht gewährleistet, und der Patient wird entsprechend bei einem nächsten Stich dem ­Risiko einer allergischen Reaktion ausgesetzt. Wird der Patient zum Beispiel an eine Allergieklinik oder einen anderen Hausarzt überwiesen mit der Vorgabe, dass ihm vorgängig 100 µg/ml Pharmalgen® regelmässig gespritzt worden sei, und es erfolgt am neuen Ort die Injektion mit der korrekten Dosierung, besteht die Gefahr eines schweren Zwischenfalls bei der spezifischen Immuntherapie (SIT).Wir empfehlen, dass die SIT in der Hausarztpraxis vom Arzt durchgeführt wird.

Ad Kommentar 2: Umstellungen sollen nur in Rücksprache mit dem verordnenden Allergologen erfolgen, da offenbar die Indikation für ein wässriges Gift bestanden hat, und nicht aufgrund der Firmenempfehlung a priori auf Alutard SQ®! Es besteht sonst ebenfalls die Gefahr eines schweren SIT-Zwischenfalls.

Ad Kommentar 3: Das Präparat Allergovit® steht nicht für Hymenopterengifte zur Verfügung.

Für Ihren nächsten Fall: www.forum-hausarztmedizin.ch.

Herzlichen Dank!

Das CIRS Team

Esther Henzi, Dominique Gut, Markus Gnädinger

Credits

Kopfbild: © Christoph Weihs | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Dr. med. Markus Gnädinger
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
Birkenweg 8
CH-9323 Steinach
markus.gnaedinger[at]hin.ch

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