Editorial

Nicht Fiction, sondern Fact

2020 – Odyssee ­Gesundheits­politik

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2020.10184
Veröffentlichung: 08.01.2020
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2020;20(01):3

Philippe Luchsinger

Präsident mfe, Haus- und Kinderärzte Schweiz

Es gibt Filme, die wir immer wieder sehen wollen, aus Nostalgie. Oder weil wir die Schauspieler (oder Schauspielerinnen) toll finden. Oder weil sie einfach Meisterwerke sind. Und dann gibt es Filme, die beängstigend aktuell bleiben, über Jahrzehnte. «2001: A Space Odyssey» ist einer dieser Filme. 1968 hat Stanley Kubrick diesen Science-Fiction-Film gedreht, eine Reise zum ­Jupiter, die mit dem Fund eines mysteriösen Objekts zusammenhängt. Die Menschheit ist bedroht und sucht Lösungen.

Ganz so utopisch und gefährdend ist die Situation im Schweizer Gesundheitswesen nicht. Wir haben ein ­System, das die Einwohner unseres Landes in ihren ­gesundheitlichen Problemen mit grosser Sicherheit unterstützt. Die Qualität der Behandlungen wird sowohl von der Bevölkerung wie von den Hausärztinnen und Hausärzten als sehr gut eingeschätzt, über alles gesehen, auch wenn Verbesserungen sicherlich ­möglich und auch nötig sind. Die Untersuchungen der ­amerikanischen Stiftung Commonwealth Fund ­(commonwealthfund.org/) bestätigen das auch in der neuesten Befragung. Sie zeigt aber auch auf, wo wir im Vergleich zu anderen Ländern noch Defizite haben, wie beispielsweise in der Implementierung der elektronischen Krankengeschichte. Dass die Systeme mit hoher Abdeckung allesamt staatliche ­Gesundheitswesen sind, die Hard- und Software ­jedem Arzt zur Verfügung stellen, wird häufig von Politik und Verwaltung ausser Acht gelassen. Und es stört auch niemanden im BAG, wenn ich für meine Praxis zur Erneuerung und Anpassung meiner elektronischen Krankengeschichte so rasch 40 000 Franken hinblättere, wie gerade geschehen. Dass ich meine Infrastruktur à jour halte, um arbeiten zu können, ist einleuchtend, dass diese Infrastruktur aber auch mithilft, an Forschungsprojekten mitzuarbeiten oder in Zukunft das elektronische Patientendossier zu bedienen, ist nicht selbstverständlich. Unterstützung kann ich in der Schweiz dafür aber nicht erwarten. Andere Player wie Swisscom, Post, Google und Amazon wollen mit diesen Gesundheitsdaten Geld, sehr viel Geld verdienen. Das hingegen stört in der Politik niemanden.

Die hohe Qualität unserer Arbeit sichtbar zu machen wird ein Ziel sein, das uns 2020 vermehrt beschäftigen wird. Der neue Qualitätsartikel im KVG macht es nötig, klare Vereinbarungen zu treffen. Im Hinblick auf diese politische Arbeit hat mfe an der letzten Delegiertenversammlung beschlossen, die Qualitätsdelegation zu etablieren. Mitglieder dieser Gruppe werden die Qualitätsverantwortlichen unserer Mitgliederverbände SGAIM, SGP, KHM und JHaS sein. Geeint und gemeinsam wollen wir zeigen, wie die Qualitätsarbeit in der Grundversorgung zur Verbesserung der Betreuung und Sicherheit unserer Patienten beiträgt. Nicht als Fiction, sondern als Fact.

HAL9000 heisst der neurotische Computer im Raumschiff zum Jupiter. Er schaltet fast die gesamte Mannschaft aus, um sein Ziel zu erreichen, bevor er selbst abgeschaltet wird vom letzten Überlebenden der Mission. Nach den eidgenössischen Wahlen durften wir die Hoffnung hegen, dass die Mission «Ärzte in die ­Gesundheitskommission» erfolgreich sein könnte. Aber offensichtlich sind den Parteien Vertreter von ­Gewerkschaften, Krankenkassen oder deren Verbände lieber. Niemanden in den Kommissionen zu wollen, der den medizinischen Alltag aus eigener ­Erfahrung kennt, ist zumindest etwas speziell. Hoffen wir, dass diese Kommissionen sich nicht wie HAL ­verhalten, und die Gesundheitspolitik sich nicht als Odyssee ­entpuppt.

Redaktionelle ­Verantwortung:
Sandra Hügli, mfe

Credits

Kopfbild: © Elen33 | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Sandra Hügli-Jost 
Kommunikations­beauftragte mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz
Geschäftsstelle
Effingerstrasse 2
CH-3011 Bern
Sandra.Huegli[at]hausaerzteschweiz.ch

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