Forschung

Vorstellung der Projekte des Nationalen Forschungsprogramms 74 «Smarter Health Care»

Richten wir den Fokus auf chronische Krankheiten – gerade heute

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2020.10271
Veröffentlichung: 02.09.2020
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2020;20(09):276-277

Milo Puhan

Professor für Epidemiologie und Public Health, Universität Zürich, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 74

Während der COVID-19-Pandemie wurde unser Gesundheitswesen verstärkt auf die Akutversorgung ausgerichtet: Die Zahl der Betten in den Intensivstationen wurde massiv erhöht; gleichzeitig wurden nicht dringende Operationen wie auch Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen verschoben. Diese Fokussierung soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht die akuten, sondern die chronischen Krankheiten die grösste Herausforderung für unser Gesundheitswesen darstellen: Mit 50 Milliarden Franken pro Jahr verursachen sie 80% der Gesundheitskosten in der Schweiz. Das nationale Forschungsprogramm 74 «Smarter Health Care» sucht nach Antworten auf die Herausforderungen, die sich hier stellen. Die ersten Erkenntnisse liegen nun vor. Sie werden in einer Artikelreihe in dieser Zeitschrift vorgestellt.

Wenn in der letzten Zeit irgendwo von «Gesundheit» die Rede war, ging es praktisch immer und ausschliesslich um die Pandemie, die vom neuen Corona-Virus SARS-CoV-2 ausgelöst wurde. Wochen-, monatelang drehte sich alles um Notfallszenarien, um genügend Betten für akut erkrankte ­Patientinnen und Patienten, um möglichst rasche und richtige Reaktionen auf plötzlich auftretende alarmierende Situationen.

Der Kampf gegen SARS-CoV-2 machte ­jedoch deutlich, wie wichtig das Denken und Handeln über die Aktualität hinaus, das Planen der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, das Zusammenspiel verschiedenster Institutionen der Akutmedizin und Langzeitversorgung, die Prävention und Behandlung von chronischen Krankheiten und nicht zuletzt die Verfügbarkeit von aussagekräftigen Gesundheitsdaten sind. Es gilt, die Forschung in diesen Bereichen voranzutreiben.

Genau dies tut das Nationale Forschungsprogramm NFP 74 «Smarter Health Care», das 2016 gestartet wurde. Die ersten der insgesamt 34 geförderten Forschungsprojekte sind abgeschlossen, und ihre Erkenntnisse liegen vor. Das Programm geht damit von der Forschungsphase über in die Hauptphase des Wissenstransfers. Der Wissens­transfer ist eine wesentliche Aufgabe des NFP 74. Er soll dazu beitragen, den Austausch zwischen Forschung, Praxis und ­Politik zu fördern. Zu diesem Zweck präsentieren wir Ihnen in dieser Ausgabe von «Primary and Hospital Care» eine Studie zur ­Optimierung der Antibiotikaabgabe. Weitere Beiträge zu ausgewählten Forschungsprojekten des Programms werden folgen.

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Milo Puhan, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 74 des Schweizerischen Nationalfonds.

Derzeit beginnt das Leitungsgremium des NFP 74 mit der Erarbeitung einer Programmsynthese. Diese fasst die Forschungsresultate entlang von ausgewählten Themenschwerpunkten zusammen und formuliert Empfehlungen zuhanden der Praxis und Politik. Zu den Themen zählen die Qualität der Gesundheitsversorgung, der Einbezug der Patienten/-innen in die Entscheidungsfindung, die Koordination in der Versorgung sowie die unterschiedlichen Versorgungsmodelle, die Gesundheitskosten und Vergütungsmodelle sowie die Gesundheitsdaten.

Ein wichtiges Thema ist weiter die Zukunft der ­Versorgungsforschung: Wie stellen wir sicher, dass die Entscheidungsträger/-innen in der Schweiz fundierte, evidenzbasierte Antworten auf zentrale Fragen der Gesundheitsversorgung erhalten? Das NFP 74 fördert deshalb explizit die Jungforschenden in der Schweiz, damit sie die zukünftigen Entscheidungsträger/-innen im Gesundheitswesen kompetent und gestützt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beraten können.

Das Schlussprodukt des NFP 74 wird nebst den wissenschaftlichen Publikationen und einem intensiven Dialog mit den Stakeholdern der Gesundheitsversorgung ein «Weissbuch» sein, das die zentralen Erkenntnisse aus dem Programm und die daraus abgeleiteten Empfehlungen zuhanden der Verantwortlichen im Gesundheitssektor zusammenfasst.

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Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Milo Puhan
Universität Zürich
Präsident der Leitungsgruppe des NFP 74
Hirschengraben 84
CH-8001 Zürich
miloalan.puhan[at]uzh.ch

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