Themenschwerpunkt

Eine Notwendigkeit für die umfassende Patientenbetreuung

Der internistische Nachwuchs

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2020.10314
Veröffentlichung: 04.11.2020
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2020;20(11):342

Tobias Tritschlera,b, Caroline Rimensbergera,b, Tobias Anlikera,b

a Inselspital Bern, Oberärztin und Oberärzte der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin; b Präsidium und Vorstand Swiss Young Internists

Eine qualitativ hochstehende, kosteneffiziente Medizin für den ganzen Menschen anzubieten, ist eine Herausforderung – die Allgemeine Innere Medizin ist prädestiniert dafür, diese anzunehmen. Es gehört zum Alltag des Spitalinternisten, optimale, individuelle Lösungen im Spannungsfeld von komplexen, faszinierenden und seltenen Krankheitsbildern, Multimorbidität und ökonomischem Druck zu finden. Diese Herausforderungen sind interessant und mit einer grossen Verantwortung verbunden.

Die Stärkung der umfassenden Versorgung in spezialisierten Spitalstrukturen durch den Spitalinternisten wird nicht nur von Vertretern der Allgemeinen Inneren Medizin [1], sondern auch vom Bundesamt für Gesundheit, dem nationalen Spitalverband H+ und Vertretern der internistischen Subdisziplinen im Rahmen der Plattform «Zukunft ärztliche Bildung» unterstützt [2]. Eine Befragung von Geschäftsleitungen diverser Spitäler (Universitätsspitäler, Spitäler der Zentrums- und Grundversorgung, Psychiatrie und Rehabilitation) und Mitglieder der Schweizerischen Gesundheits­direktorenkonferenz sowie verschiedener Fachgesellschaften zeigte, dass die zunehmende Spezialisierung der Humanmedizin als problematisch erachtet wird [2]. Die Befragten begrüssen eine Stärkung des spital­internistischen Nachwuchses sowie die Schaffung von langfristigen, attraktiven Karriereperspektiven für ­Generalisten und erachten die Fallführung durch diese als wirksam und zielführend. Dabei ist anzumerken, dass nicht die Spezialisierung der Medizin, sondern insbesondere die Fragmentierung der Patientenversorgung problematisch ist [3]. Nichtsdestotrotz bleibt aus unserer Sicht der Lösungsansatz der gleiche: die Stärkung des internistischen Nachwuchses.

Neben der klinischen und sozioökonomischen Relevanz ist der Beruf des Spitalinternisten insbesondere aufgrund der medizinischen Komplexität attraktiv. Das Arbeitsumfeld im Spital ermöglicht Teamarbeit, vielfältigen und täglichen Austausch mit Arbeitskollegen sowie eine stete hochstehende Fortbildung im Arbeitsalltag. Speziell die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit verschiedensten Krankheitsbildern bietet Abwechslung und fordert eine kontinuierliche Fortbildung eines breiten medizinischen Wissens. Ein begeistertes Vermitteln von evidenzbasierter Medizin wie auch ­einer strukturierten Fallführung im komplexen Spitalumfeld ist essentiell bei der Förderung von interni­stischem Nachwuchs, vorgelebt durch überzeugte Generalisten in Kaderfunktion. Als Spitalinternist kann man sich nicht auf einige wenige Differentialdiagnosen konzentrieren, sondern muss alle möglichen diagnostischen und therapeutischen Massnahmen im Gesamtkontext evaluieren und sinnvoll umsetzen. Ein breites Wissen wird auch im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen der Subdisziplinen ­gefordert, insbesondere bei einer patienten-zentrierten Umsetzung von Empfehlungen im Kontext von komplexen, multimorbiden Patientinnen und Patienten. Dieser Austausch ist sehr stimulierend, gleichzeitig bleibt es attraktiv, die Entscheidungskompetenz als fallführender Internist zu behalten. Die Annahme dieser grossen Herausforderung ist keine Bürde, sondern ein Privileg und garantiert einen langfristig attraktiven Arbeitsalltag.

Eine starke Allgemeine Innere Medizin ist unverzichtbar im Krankenhaus und die Förderung vom internistischen Nachwuchs essenziell für eine qualitativ hochstehende und kosteneffiziente Medizin in der Zukunft [1]. Die Swiss Young Internists unterstützen Studierende und junge Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg zur Spitalinternistin und zum Spitalinternisten, befürworten die Stärkung der umfassenden Versorgung von hospitalisierten Patienten durch die Spitalinternistin und setzen sich für attraktive klinische und akademische Karriere­perspektiven für den Nachwuchs ein.

Redaktionelle ­Verantwortung:
Lasse Marck, SYI

Credits

Kopfbild: © Shannon Fagan | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Dr. med. Tobias Tritschler, MSc
Inselspital Bern
Universitätsklinik für ­Allgemeine Innere Medizin
Freiburgstrasse
CH-3010 Bern
tobias.tritschler[at]insel.ch

Literatur

1 Aujesky D, Bassetti S, Battegay E, Cornuz J, Hesse C, Leuppi JD, Müller B, Reny JL, Rodondi N, Vollenweider P, Waeber G, Gaspoz JM. Aktionsplan für die Universitäre Allgemeine Innere Medizin. Schweizerische Ärztezeitung. 2018;99(38):1262–5.

2 van der Heiden N und Winkler J. Realitätscheck «Zunehmende Spezialisierung in der Humanmedizin aus Sicht der Spitalorganisation». Bundesamt für Gesundheit 2017. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/berufe-im-gesundheitswesen/medizinalberufe/plattform-zukunft-aerztliche-bildung/zunehmende-spez-humanmed-spitalorganisation.html.

3 Bauer W. Spezialisierung und Fragmentierung sind zweierlei. Schweizerische Ärztezeitung. 2015;96(50–51):1833.

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