Aktuelles

Facharztprüfung Allgemeine Innere Medizin

Gefragt wird weiterhin auch ­helvetisch

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2021.10376
Veröffentlichung: 31.03.2021
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2021;21(04):114-115

Ulrich Stoller

Präsident Facharztprüfungskommission SGAIM

Seit 2018 beinhaltet die Facharztprüfung Allgemeine Innere Medizin nicht mehr nur amerikanische Fragen, sondern auch eigens für die Facharztprüfung erarbeitete, nicht öffentlich zugängliche, helvetische Fragen. Der erfolgreiche, mehrjährige Pilotversuch hat den Vorstand der SGAIM bewogen, an diesem bewährten Prinzip auch für die Zukunft festzuhalten. Die helvetischen Fragen stellen ein wesentliches Element der Qualitätssicherung dar, indem sie gewährleisten, das «echte» Basisfachwissen der Allgemeinen Inneren Medizin und nicht die Fähigkeit des Auswendiglernens zu prüfen.

Bis 2017 basierten die 120 schriftlichen Multiple-Choice-Facharztprüfungsfragen der Allgemeinen ­Inneren Medizin einzig auf dem amerikanischen Selbstlernprogramm MKSAP® (Medical Knowledge Self-Assessment Program) des American College of Physicians. Ende 2016 ist die Facharztprüfungskommission erstmals an den Vorstand der SGAIM herangetreten mit dem Vorschlag, eigene helvetische Fragen zu ­erarbeiten. Die Sorge war gross, weil sich das Facharztexamen zunehmend zur Prüfung des Auswendiglernvermögens und nicht des allgemein internistischen Wissens und theoretischen Könnens hin entwickelt hat. Dies war weder im Sinn der Facharztprüfungskommission noch mit den ­Weiterbildungs- und Prüfungszielen der grössten ­medizinischen Fachgesellschaft in der Schweiz vereinbar. Der Vorstand war nach sorgfältigen Abklärungen und reiflichen Überlegungen schliesslich bereit, einem Pilotversuch für helvetische Fragen an der Facharztprüfung Allgemeine Innere Medizin zuzustimmen.

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Mehraufwand, der sich lohnt

Die Facharztprüfungskommission sammelt seit 2017 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Lehre der Universität Bern (IML) von Kaderärztinnen und -ärzten der Schweizer Weiterbildungsstätten Allgemeine Innere Medizin der Kategorie A sowie der ­Institute für Hausarztmedizin formulierte Fragen. Erfreulicherweise ist das Interesse der Autorinnen und Autoren gross, eigene Fragen einzureichen. An dieser Stelle sei ihnen sowie den Leitungen ihrer Betriebe herzlich gedankt für das wertvolle Engagement.

Im Rahmen der Facharztprüfungskommissionssitzungen beschliesst die Kommission nach eingehender Diskussion der eingereichten helvetischen Fragen jeweils über den definitiven Einsatz von Prüfungsfragen. Bei den Prüfungen kommen neben neuen Fragen auch gelegentlich früher verwendete Fragen zum Einsatz. Die helvetischen Fragen aus älteren Prüfungen sind nicht öffentlich zugänglich.

Wieso braucht es helvetische Fragen?

Die helvetischen Fragen sind bisher an sechs Facharztprüfungen in den Jahren 2018 bis 2020 als Ergänzung zu den Fragen aus dem MKSAP eingesetzt worden. Die Analysen dieser Facharztprüfungen durch das IML bestätigen, dass die Schweizer Fragen im Vergleich zu kaum mehr auswendig lernbaren MKSAP-Fragen aus älteren MKSAP-Katalogen eine identische Qualität zur Differenzierung zwischen kompetenten und weniger kompetenten Kandidatinnen und Kandidaten ermöglichen. Wirklich gute Kandidatinnen und Kandidaten beantworten Fragen aus älteren MKSAP-Katalogen und Schweizer Fragen in einem hohen Prozentsatz richtig, während schwächere bei nicht auswendig lernbaren Fragen deutlich schlechter abschneiden.

Auch in Zukunft helvetische Fragen

Aufgrund des eindeutig erfolgreichen Pilotversuchs hat der Vorstand der SGAIM entschieden, das bisherige Pilotprojekt in den ordentlichen Prozess der Facharztprüfungen zu überführen. Somit kommen auch in den folgenden Jahren neben den amerikanischen MKSAP-Fragen 35 bis 45 Prozent helvetische Fragen an den Facharztprüfungen zum Einsatz. Die Prüfungen ­finden auch unverändert in englischer Sprache statt. Mündliche Prüfungen sind weiterhin nicht vorge­sehen.

Mitglieder der ­Facharztprüfungskommission

Dr. med. Ulrich Stoller, Präsident

Prof. Dr. med. Hans-Jürg Beer 

Dr. med. Anne Ehle Roussy

Prof. Dr. med. Luca Gabutti

Dr. med. Thomas Hugentobler

Dr. med. Franco Muggli 

Dr. med. Simon Ritter 

Dr. med. Alexandre Ronga

Dr. med. Andreas Rothenbühler 

Dr. med. Monique Savopol 

Dr. med. Hansueli Späth

Mehr zur Facharztprüfung

Eine Publikation zu den helvetischen Fragen erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Facharztprüfung: www.sgaim.ch/egim

MKSAP: https://www.sgaim.ch/de/weiterbildung/mksap.html

Beitrag im Online-Magazin von Primary and ­Hospital Care: ­Geschichte der Facharztprüfung (nur auf ­Französisch): https://primary-hospital-care.ch/online-magazine/post/histoire-de-lexamen-de-specialiste-en-medecine-de-famille-medecine-interne-generale

Verdankung

Frau Ursula Käser, Verantwortliche Qualität, Weiter- und Fortbildung der SGAIM, sei an dieser Stelle für die wesentliche Mitarbeit an diesem Manuskript herzlich gedankt.

Korrespondenzadresse

Claudia Schade
Kommunikationsverantwortliche und stellvertretende Generalsekretärin Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM)
Monbijoustrasse 43
Postfach
CH-3001 Bern
claudia.schade[at]sgaim.ch

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