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mfe nimmt zu hausärztlich relevanten Themen Stellung. Die ersten fünf Positionspapiere dazu werden wir Ihnen in einer PHC-Reihe ­vorstellen. Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

Welche Position vertritt mfe im Bereich der Interprofessionalität?

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2021.10380
Veröffentlichung: 31.03.2021
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2021;21(04):111-112

Brigitte Zirbs Savignya, Sébastien Jotterandb, Katrina Rivac

a Vize-Präsidentin mfe

b Vorstandsmitglied mfe

c Geschäftsstelle mfe

In seinem Positionspapier zur Interprofessionalität, das auf der Website von mfe verfügbar ist, stellt der Verband einerseits die Herausforderungen dieses Versorgungsmodells dar, bei dem die verschiedenen Berufsgruppen im Team bei einer Patientin oder einem Patienten arbeiten, um eine bessere Betreuung zu gewährleisten, und erläutert andererseits sein wegweisendes Engagement bei der Entwicklung und Förderung dieses Modells in der Schweiz.

Interprofessionalität als Antwort auf die Herausforderungen im ­Gesundheitswesen

Die Komplexität der Versorgung durch die Zunahme chronischer Erkrankungen und multimorbider Patientinnen und Patienten, die Alterung der Bevölkerung und der prognostizierte Fachkräftemangel im Gesundheitswesen sind erhebliche Herausforderungen, welche die Entwicklung neuer Versorgungsmodelle erfordern. Diese Modelle sollten den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten, der Kontinuität der Versorgung, der Stärkung der Qualität und Sicherheit der Versorgung und den Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit gerecht werden.

Interprofessionelle Ausbildung als ­Grundlage

Die interprofessionelle Zusammenarbeit muss gelebt und gelernt werden. Seit vielen Jahren fordert mfe, dass die Interprofessionalität in alle Phasen der Aus-, Fort- und Weiterbildung der verschiedenen Gesundheits- und Pflegeberufe integriert wird, was noch viel zu wenig der Fall ist. Damit interprofessionelle Teams zusammenarbeiten können, ist es erforderlich, dass die verschiedenen Gesundheitsfachpersonen die Rolle und Kompetenzen jedes Berufs verstehen – dass sie voneinander und miteinander lernen.

In diesem Zusammenhang unterstützt mfe besonders das Erlernen der interprofessionellen Zusammenarbeit bei Gesundheitsfachpersonen im ambulanten ­Bereich, deren Ausbildung noch nicht das interprofessionelle Modell beinhaltet. So wurde der SwissIPE – Swiss InterProfessional Education Course – entwickelt und gefördert. SwissIPE bietet eine Ausbildung zu interprofessioneller Zusammenarbeit und Teamführung.

Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit als Notwendigkeit

Zur Etablierung und Weiterentwicklung der interprofessionellen Zusammenarbeit leistet mfe einen zentralen Beitrag, wobei sich dieses Engagement in verschiedenen Formen zeigt.

Die Plattform Interprofessionalität wurde 2013 auf ­Anregung von mfe ins Leben gerufen und hat sich als wichtiges Instrument zur Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Schweiz erwiesen. Sie zielt darauf ab, die Akteure der ambulanten Grundversorgung zu vernetzen und auf politischer Ebene die Schaffung von Rahmenbedingungen zu fördern, die ihre Entwicklung begünstigen.

Ein wichtiger Punkt ist die angemessene Entlöhnung der interprofessionellen Tätigkeit jedes Berufsstandes. Der Verband mfe setzt sich dafür ein, dass den Gesundheitsfachpersonen die interprofessionelle Zusammenarbeit angemessen vergütet wird. Ebenso aktiv beteiligt sich mfe an Projekten wie der Expertengruppe von «Swiss Cancer Screening», die ein Projekt zur Frü­erkennung von Dickdarmkrebs in der Schweiz aus­gearbeitet hat.

Definition von Rollen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten als Erfolgsfaktor

Für jede Berufsgruppe sowie für das interprofessionelle Team, das eine Patientin oder einen Patienten ­behandelt, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Rollen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der Gesundheitsfachpersonen festgelegt sind. Ist dies klar geregelt, sind die Möglichkeiten und Grenzen dieses Versorgungsmodells in jedem Fall besser erkennbar. Diesen Prozess unterstützt mfe, indem sich der Verband für eine Ausbildung einsetzt, die das Erlernen der Verteilung von Rollen und Verantwortlichkeiten im ­interprofessionellen Team fördert. Die von Zusammenarbeit geprägte Versorgung im interprofessionellen Team ist eine Chance, denn sie ermöglicht es jeder ­Gesundheitsfachperson, ihre Fachkompetenz unter ­eigener Verantwortung anzuwenden. Das bedeutet auch einen Kulturwandel, der die Versorgungspersonen vom bisher vorherrschenden Silodenken befreit. Die Haus- und Kinderärzte begrüssen diesen Paradigmenwechsel.

Haus- und Kinderärzte als Schlüssel­akteure bei der Entwicklung neuer interprofessioneller Versorgungsmodelle

Den Haus- und Kinderärztinnen und -ärzten sind die Notwendigkeit und der Mehrwert der Arbeit im interprofessionellen Team bewusst, auf der Grundlage ­eines auf Gleichwertigkeit beruhenden Beziehungsmodells und unter Wahrung der gemeinsamen Werte und Ziele.

Die Haus- und Kinderärzte sind heute die ersten Ansprechpartner der Patientinnen und Patienten und verfügen über eine umfassende Sichtweise, die für die ganzheitliche Versorgung unverzichtbar ist. Sie sind derzeit der Eckpfeiler des Gesundheitssystems. Diese Organisation wird sich möglicherweise verändern durch das Auftreten von Versorgungsakteuren, deren Aufgaben sich in einem interprofessionellen Modell mit den Patientinnen und Patienten als Akteuren und ihren Angehörigen, die einen Ansprechpartner frei wählen können, neu verteilen. Diese neue Art des Kompetenzmanagements muss unter Mitwirkung der Haus- und Kinderärzte erarbeitet werden.

Schlüsselbotschaften

– Interprofessionalität ist ein Lösungsansatz für die Herausforderungen im Gesundheitswesen.

– mfe ist ein Schlüsselakteur bei den Überlegungen zu neuen Versorgungsmodellen und deren Umsetzung.

– Interprofessionalität muss in alle Phasen der Aus-, Fort- und Weiterbildung der verschiedenen Gesundheits- und Pflegeberufe integriert werden.

– Zur Etablierung und Weiterentwicklung der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Schweiz leistet mfe einen zentralen Beitrag.

– mfe setzt sich für die Schaffung von Rahmenbedingungen ein, welche die interprofessionelle Zusammenarbeit fördern, insbesondere für eine angemessene Entlöhnung.

– Die Rollen und Verantwortlichkeiten der Gesundheitsfachpersonen müssen geklärt sein.

Redaktionelle ­Verantwortung:
Sandra Hügli-Jost, mfe

Korrespondenzadresse

Responsabilité ­rédactionnelle:
Sandra Hügli-Jost, mfe

Sandra Hügli-Jost 
Kommunikations­beauftragte mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz
Geschäftsstelle
Effingerstrasse 2
CH-3011 Bern
Sandra.Huegli[at]hausaerzteschweiz.ch

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