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Interview mit Donato Tronnolone, Präsident Fortbildungskommission und Vorstandsmitglied SGAIM

Fortbildung in der Allgemeinen ­Inneren Medizin – mehr als nur Wissensvermittlung

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2021.10431
Veröffentlichung: 04.08.2021
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2021;21(08):243-244

Das Interview führte: Ursula Käser

Verantwortliche Bereich Qualität, Weiter- und Fortbildung, SGAIM

Der ärztlichen Fortbildung kommt in Zeiten mit erhöhtem Bedürfnis nach qualitativ hoher Patientenbehandlung ein noch höherer Stellenwert zu. Was das Fortbildungsprogramm der Allgemeinen Inneren Medizin (AIM) auszeichnet, wie sich die Fortbildungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) engagiert und wie ein Blick in die Zukunft aussieht, erläutert Kommissionspräsident, SGAIM-Vorstandsmitglied und Hausarzt Dr. med. Donato Tronnolone.

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Zur Person

Donato Tronnolone, Dr. med., ist Präsident der SGAIM-Fortbildungskommission, Hausarzt in Rothrist und seit 2016 Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine ­Innere Medizin (SGAIM).

Warum ist die Fortbildung nach erfolgter ­Weiterbildung wichtig?

Die ärztliche Fortbildung in der Schweiz dient nicht nur dazu, die in der Aus- und Weiterbildung erworbenen ärztlichen Kompetenzen zu erhalten und aufgrund der Entwicklungen der Medizin zu aktualisieren, um die Gesundheit der Patientinnen und Patienten und der Bevölkerung zu fördern und zu erhalten. Sie soll insbesondere auch das Interesse an Forschung, Lehre und Qualitätsförderung begünstigen. Nicht zuletzt verfolgt die ärztliche Fortbildung aber auch das Ziel, das Beziehungsnetz und die Zusammenarbeit aller am Gesundheitswesen Beteiligten zu fördern und zu verbessern.

Was sind die Fundamente und wichtigen Ziel­setzungen des Fortbildungsprogramms der SGAIM?

Die Fortbildungskommission und der Vorstand der SGAIM setzen sich seit Jahren dafür ein, dass den Mitgliedern möglichst viele unterschiedliche Arten von Fortbildungsaktivitäten zur Verfügung stehen. Dabei ist es zentral, das Beziehungsnetz und die Zusammenarbeit aller am Gesundheitswesen Beteiligten zu fördern und zu verbessern. Erfahrungen haben gezeigt, dass die hohen Erwartungen an die elektronischen Fortbildungen vielfach nicht erfüllt werden konnten und die persönliche und interaktive Vernetzung zu kurz kommt.

Um aber auch eine weitere Optimierung der fachlichen Diversifikation zu erreichen, hat die SGAIM gemäss den Vorgaben des SIWF die maximale Höhe von anrechenbaren Fortbildungsarten im Fortbildungsprogramm festgelegt (sogenannte Limitationen). Dies soll keinesfalls als eine Art Bestrafung oder Einengung verstanden werden, sondern als zusätzliche Massnahme zur Steigerung der Qualität. Es braucht eine richtige Balance. Nicht zu vergessen ist, dass bei Limitationen alle Credits angerechnet werden können (Credits, die über Limitation hinausgehen, können als erweiterte Fortbildung angerechnet werden).

Muss es so kompliziert sein, Credits zu sammeln?

Grundsätzlich hat die SGAIM bei der Ausgestaltung des Fortbildungsprogramms nur einen beschränkten Spielraum, weil zahlreiche Vorgaben des SIWF eingehalten werden müssen.

Neben Fortbildungsveranstaltungen gibt es zahlreiche andere einfache Fortbildungsmöglichkeiten. Ich denke da an Qualitätszirkel, klinisch-praktische Fortbildung mittels Teilnahme an Visiten in einem Spital, strukturierte Audits, Inter- oder Supervision, Posterpräsen­tationen, Vortrags- bzw. Lehrtätigkeit für die allgemeininternistische Aus-, Weiter- und Fortbildung, Peer-Reviewing für Fachzeitschriften oder Fortbildungen zur Rezertifizierung von Fähigkeitsausweisen.

Fortbildungskommission SGAIM

Die Fortbildungskommission der SGAIM bearbeitet das Thema Fortbildung in der AIM und berät den Vorstand der SGAIM in den entsprechenden Fragen. Sie ist für die Gestaltung und ­Weiterentwicklung des Fortbildungsprogramms sowie dessen Kontrolle und Umsetzung zuständig.

Folgende SGAIM-Mitglieder aus dem Spital und der Praxis ­setzen sich in der Fortbildungskommission aktiv und intensiv mit dem Thema Fortbildung auseinander:

– Dr. med. Monika Büttiker

Hausärztin, Praxis Olten (SO)

– Dr. med. Alberto Chiesa

Hausarzt, Praxis Lugano (TI)

– Dr. med. Priska Grünig
 Vertretung Vereinigung der Internistischen Chef- und Kaderärzte/-innen ICKS; Chefärztin Spital, Gesundheitszentrum Fricktal (AG)

– Prof. Dr. med. Jörg Leuppi
 Leitung Medizinische Universitätsklinik, Kantonsspital Baselland; Chefarzt Universitätsklinik (BL)

– Dr. med. Myriam Oberle

Hausärztin, Praxis Jenaz (GR)

– Dr. med. Romeo Providoli
 Stv. Präsident Fortbildungskommission und Mitglied ­Vorstand SGAIM; Hausarzt, Praxis Sierre (VS)

– Dr. med. Donato Tronnolone
 Präsident Fortbildungskommission und Mitglied Vorstand SGAIM; Hausarzt Rothrist (AG)

Wie sieht die Zukunft aus?

Der Druck durch Behörden und Politik in Sachen Nachweis von Qualität steigt auch auf dem Gebiet der ärztlichen Fortbildung. Es ist eine zunehmende Fremd­bestimmung und ein Wunsch nach Kontrolle zu beobachten. Es waren gar Stimmen zu hören, dass sich durch eine periodische Wiederholung der Facharztprüfung alle fünf bis zehn Jahre die medizinische Qualität verbessern würde.

Sowohl die Fortbildungskommission als auch der Vorstand der SGAIM setzen alles daran, gute Lösungen zu finden, um nicht weitere unnötige bürokratische Hürden aufzubauen, die schliesslich das Endziel einer Qualitätsverbesserung in der Fortbildung verfehlen und somit kontraproduktiv sind. Im Wissen, dass gewisse Vorgaben unabdingbar sind, hat die SGAIM proaktiv ein Regelwerk geschaffen, um die Wahrscheinlichkeit nichtärztlicher Einflussnahmen zu minimieren. Die Gestaltung der Fortbildungen und des Fortbildungsprogrammes muss in der Hand der Fachgesellschaft bleiben. Es ist Aufgabe der Fortbildungskommission der SGAIM, fortlaufend geeignete Verbesserungsmassnahmen zu ergreifen. Als Beispiele seien hier genannt:

– Strukturiertes und ausbaufähiges Fortbildungs-Portefeuille auf der SGAIM-Website (Empfehlungen für Rezertifizierungs-Fortbildungen für ausgewählte Fähigkeitsausweise)

– Durchführung von Stichproben bei den Antragstellenden von Fortbildungsdiplomen AIM

– Förderung von Fortbildungsformen, die das Beziehungsnetz und die Zusammenarbeit aller am Gesundheitswesen Beteiligten auf dem Gebiet der AIM verbessern

Fortbildung in den Pandemiejahren 2020/2021

Auf Antrag der SGAIM hat das SIWF auch für 2021 eine «COVID-19-Gutschrift» beschlossen. Für 2020 und 2021 erhalten alle Benutzerinnen und Benutzer der SIWF-Fortbildungsplattform automatisch 25 (für 2021) und 35 Credits (für 2020) in ihrem Fortbildungsprotokoll gutgeschrieben («Gutschrift COVID-19»). Diese kann auch als Kernfortbildung AIM eingesetzt werden.

Die SGAIM anerkennt 2020 und 2021 Live-Stream-Fortbildungsveranstaltungen vollumfänglich als Kernfortbildung, sofern die Kriterien des Fortbildungsprogramms AIM erfüllt sind (ohne ­Limitationen).

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

1. Fortbildungsprogramm AIM: www.sgaim.ch/de/fortbildung/fortbildungsprogramm.html

2. Empfehlungen für Fortbildungen zur Rezertifizierungen von Fähigkeitsausweisen­: www.sgaim.ch/fortbildung_faehigkeitsausweise

Redaktionelle ­Verantwortung:
Lea Muntwyler , SGAIM

Korrespondenzadresse

Lea Muntwyler
Verantwortliche Kommunikation/Marketing
Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere ­Medizin (SGAIM)
Monbijoustrasse 43
Postfach
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