Editorial

Der Abstimmungssonntag: JA

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2021.20060
Veröffentlichung: 03.11.2021
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2021;21(11):349-349

Luchsinger Philippe

Präsident mfe, Haus- und Kinderärzte Schweiz

Der Abstimmungssonntag gehört zum ureigensten Brauchtum der Schweiz. Mehrmals im Jahr werden die Stimmberechtigten (das Wort gilt erst seit 50 Jahren auch für Frauen) aufgefordert, ihre Meinung kundzutun und auf vorgedruckten Formularen eine Frage mit «Ja» oder «Nein» zu beantworten. Danach werden diese Ja- und Nein-Stimmen zusammengezählt, um zu ­ermitteln, wie die Frage beantwortet worden ist. Eine Besonderheit in der Schweiz stellt dar, dass es je nach Frage nicht nur die absolute Zahl ist, die entscheidet, ob eine Abstimmung angenommen oder abgelehnt ist. Die Zahl der Kantone, die zugestimmt haben, kann ­sogar wichtiger sein. Das ist das ominöse Ständemehr.

Der nächste Abstimmungssonntag ist der 28. November 2021. Drei eidgenössische Vorlagen kommen an diesem Datum zur Abstimmung: Die Justiz-Initiative, das Referendum zum COVID-19-Gesetz und die Pflegeinitiative. Die erste betrifft uns als Bürger:innen, aber nicht als Berufsverband, entsprechend wird mfe sich dazu nicht äussern. Das Referendum zu den Änderungen des COVID-19-Gesetzes hat schon eher mit unserem Bereich zu tun. Im Bestreben, die Bevölkerung zu schützen, und zwar nicht nur vor gesundheitlichen, sondern auch vor materiellen Schädigungen, wurde ein Gesetz ausgearbeitet und in Kraft gesetzt. Dieses Gesetz hat mitgeholfen, der Schweizer Bevölkerung mehr Sicherheit zu geben, in einer ausserordentlichen, bisher nie gekannten Situation. Dass dabei gewisse Abwägungen gemacht werden mussten, liegt in der Natur der Sache. Nur: Zu behaupten, dass die Schweiz mit diesem Gesetz zur Diktatur mutiert, ist schlicht Blödsinn. Das Zertifikat beispielsweise erlaubt uns, trotz seiner Einschränkungen, das kulturelle und soziale Leben wieder zu vereinfachen. Gerne können wir auf dieses Zertifikat verzichten, aber eben, dazu müsste, wie in Dänemark, mehr als 80% der Bevölkerung geimpft sein. Da fehlen noch ein paar …

Am Herzen liegt uns die Pflegeinitiative. Einen Berufsstand zu unterstützen, der so intensiv mit uns zusammenarbeitet, ist für mfe selbstverständlich. Schliesslich haben wir alle schon in unserer Assistent:innenzeit vom Wissen und Können der Pflegenden profitieren können, wir betreuen mit der Spitex gemeinsam dankbare Patient:innen, und haben gemeinsam die Plattform Interprofessionalität gegründet. Schon bei der ­Erarbeitung wurden wir von der damaligen Präsidentin Helena Zaugg angefragt, und konnten unsere Erfahrungen mit unserer Initiative «Ja zur Hausarztmedizin» einfliessen lassen. Schon bei der Hausarztinitiative wurden wir damit konfrontiert, dass Puristen des Verwaltungsrechts geschnödet haben, ein Beruf gehöre nicht in die Verfassung. Aber wenn die Bauern schon dürfen … Der Mangel an Pflegepersonal ist auf allen Stufen, in ­allen Bereichen, in allen Spezialisierungen nachgewiesen und eklatant. Wir kennen das von Ärzteseite her ja auch! Was haben wir gemacht? Wir haben geschaut, dass es mehr Ausbildungsplätze gibt, wir haben geschaut, dass es mehr Weiterbildungsplätze gibt, und wir haben geschaut, dass der Beruf Freude macht, und entsprechend entlöhnt wird. Genau das macht die Pflegeinitiative für die Fachpersonen der Pflege auch: Die Bildung soll gestärkt werden, und die Verweildauer im Beruf (die erschreckend kurz ist) soll durch verbesserte Attraktivität verlängert werden. Der Gegenvorschlag, der erarbeitet worden ist, verspricht raschere Lösungen und eine ansehnliche Finanzierung der Bildung, aber keine Massnahmen, um den Ausstieg aus dem Beruf zu verhindern. In unseren Augen macht es keinen Sinn, eine Ausbildungsoffensive zu starten, ohne die Menschen dann auch im Beruf halten zu wollen.

Die Pflege, unser Partner im Gesundheitswesen, die Fachpersonen der Pflege, unsere Partner:innen in der Arbeit mit unseren Patient:innen, verdienen unsere Unterstützung.

Diese Abstimmung: JA.

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Redaktionelle Verantwortung:

Sandra Hügli-Jost, mfe

Korrespondenzadresse

Sandra Hügli-Jost

Kommunikationsbeauftragte

mfe Haus- und Kinderärzte

Schweiz

Geschäftsstelle

Effingerstrasse 2

CH-3011 Bern

Sandra.Huegli[at]hausaerzteschweiz.ch

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