Editorial

Zunehmendes Interesse an der Hausarztmedizin

Der Nachwuchs ist da – und ist gefragter denn je!

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2022.10566
Veröffentlichung: 02.11.2022

Regula Friedli-Kronenberg

Präsidentin JHaS

Als Verein JHaS stehen wir für die nächste Generation der Haus- und Kinderarztmedizin – und diese erfreut sich stetigem Zuwachs! Eine Befragung der Schweizer Medizinstudierenden konnte bereits 2017 das zunehmende Interesse an der Hausarztmedizin beziffern: 20% waren damals entschlossen, in die Hausarztmedizin zu gehen. Für weitere 40% war es eine ernsthafte Option [1]. Der Zuwachs unseres Vereins sowie der Blick in mein persönliches Umfeld zeigen nach wie vor, dass dieser Weg grosse Attraktivität geniesst. Noch 2005 konnte sich nur eine Minderheit vorstellen, später in die Hausarztmedizin zu gehen [2]. Heute sehen die jungen Kolleginnen und Kollegen im Haus- wie auch Kinderarztberuf jedoch eine spannende, vielfältige und herausfordernde Tätigkeit. Sie schätzen unter anderem die Beziehung zu den Patientinnen und Patienten, deren langfristige und kontinuierliche Betreuung, die interprofessionelle Arbeit, die grosse Autonomie in der Arbeitsgestaltung und nicht zuletzt die Vereinbarkeit mit Familie oder generell dem Privatleben.

Der Attraktivität der Haus- und Kinderarztmedizin bei der jungen Generation gegenüber steht der immense Bedarf in den Praxen. Der Nachwuchs vermag die Lücke, die durch die Pensionierten entsteht, noch nicht zu schliessen. Gemäss Workforce-Studie des universitären Zentrums für Hausarztmedizin beider Basel verschärft sich die Situation bis 2030 weiter mit voraussichtlicher Entschärfung der Problematik bis 2040 [3]. Für die jungen Kolleginnen und Kollegen bedeutet dies das Privileg, aus einem riesigen Angebot die für sie passendste Praxis auswählen zu können. Spätestens danach spüren jedoch auch sie den Mangel von der negativen Seite. Denn Verstärkung für die Praxis zu finden, fällt ihnen in der aktuellen Situation genauso schwer wie die Suche nach einer Nachfolge für pensionierte Kolleginnen und Kollegen.

Soll das Licht am Ende des Tunnels heller und grösser werden, müssen also die vielen Massnahmen fortgeführt und intensiviert werden, die in den letzten 15 Jahren von verschiedensten Akteuren aufgegleist und vollzogen wurden, um die Attraktivität des Haus- und Kinderarztberufs zu steigern. Damit die Interessierten schlussendlich wirklich in die Haus- und Kinderarztpraxen gehen und im Beruf bleiben, braucht es uns alle! Ob in der Aus- oder Weiterbildung, an den Hausarztinstituten, in den Verbänden und Kommissionen, in der Politik, an der Front in der Praxis oder bei uns JHaS: Danke für euren Einsatz!

Redaktionelle Verantwortung: Manuel Schaub, JHaS

Korrespondenzadresse

Tom Berger Geschäftsführer JHaS Effingerstrasse 2 CH-3011 Bern tom.berger[at]jhas.ch

Literatur

1 Diallo B, Rozsnyai Z, Bachofner M, Maisonneuve H, Moser-Bucher C, Mueller YK, et al. Wer strebt am Ende des Medizinstudiums eine Hausärztekarriere an? Umfrage unter Schweizer Studierenden. Praxis (Bern 1994). 2019 Sep;108(12):779–86. German. doi: 10.1024/1661-8157/a003300.

2 Halter U, Tschudi P, Bally K, Isler R. Berufsziel von Medizinstudierenden. PrimaryCare. 2005;5(20):468–72.

3 Zeller A, Giezendanner S. Resultate der 4. Workforce Studie. Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2020;20(11):325–8.

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