Arbeitsalltag

Lessons learned aus der Corona-Pandemie

Aktuelle Herausforderungen für die stationäre Langzeitpflege

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2023.10660
Veröffentlichung: 08.03.2023

Dr. med. Gabriela Bieria, Dr. med. Thomas Häslib, Prof. Dr. med. Dr. phil. Sven Streitc, PD Dr. med. Klaus Ballyd

a Pflegezentren der Stadt Zürich; b Age Medical-Zentrum Gesundheit im Alter, Zürich; c Berner Institut für Hausarztmedizin, Universität Bern; d Universitäres Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel

Aktuell leben in der Schweiz über 150 000 Menschen in einem Alters- oder Pflegeheim. Betagte Menschen treten tendenziell später, kränker und gebrechlicher in diese Institutionen ein als noch vor wenigen Jahren, was die Betreuung zunehmend komplexer und anspruchsvoller gestaltet.

Hauptaufgabe der Heime ist es nach wie vor, älteren, unterstützungsbedürftigen Menschen einen ihren Bedürfnissen entsprechenden Wohn- und Lebensort mit einem möglichst persönlichen Umfeld anzubieten. Darüber hinaus sind Alters- und Pflegeheime heute aber zunehmend Institutionen der medizinischen Grund- und auch der spezialisierten Versorgung, in denen hochbetagte Menschen mit Mehrfacherkrankungen sowie beträchtlichen physischen und psychosozialen Beeinträchtigungen behandelt, gepflegt und begleitet werden.

Während der Pandemie kamen zahlreiche Institutionen bei der Erarbeitung von Schutzkonzepten, Isolations- und Kohortierungs-Massnahmen aus personellen, fachlichen und räumlichen Gründen rasch an ihre Grenzen. Sie erhielten wenig Unterstützung von den Gemeinden und Kantonen. Die ärztliche Behandlung von Bewohnerinnen und Bewohnern konnte in vielen Institutionen nur ungenügend sichergestellt werden.

Die Swiss National Covid-19 Science Task Force wurde im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit für die Behörden auf die Probleme in den Alters- und Pflegeheimen aufmerksam und hat angeregt, eine Grobanalyse der im Rahmen der Corona-Pandemie erkannten Herausforderungen für die stationäre Langzeitpflege vorzunehmen.

Ein nationales Komitee bestehend aus 40 Fachpersonen hat fünf Problemfelder erkannt und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Die Mehrheit der erkannten Probleme sind nicht pandemiespezifisch und den direkt Involvierten schon seit Jahren bekannt:

1. Die Rolle von Alters- und Pflegeheimen nicht nur als Wohn- und Lebensort betagter Menschen, sondern auch als Institutionen mit einem Behandlungsauftrag für Bewohnende mit komplexen Erkrankungen und somit als Glied der medizinischen Versorgungskette muss von Politik und Behörden anerkannt werden.

2. Es sind verbindliche Reglungen für die ärztliche Betreuung der Bewohnenden zu schaffen, und die Verantwortung insbesondere für übergeordnete medizinische Fragestellungen in Alters- und Pflegeheimen muss definiert werden.

3. Anzahl wie auch Qualifikation der in den Alters- und Pflegeheimen tätigen Pflegefachpersonen müssen den Bedürfnissen der Bewohnenden und den Ansprüchen an eine professionelle, multidimensionale Behandlung und Betreuung angepasst werden.

4. Eine Expertise für Fragestellungen der Epidemiologie, der Infektionsprävention und -kontrolle, aber auch der Ethik, der Gesundheitlichen Vorausplanung, der Geriatrie, der Gerontopsychiatrie, der Pharmazie/Pharmakologie und der Palliative Care muss in den Institutionen zur Verfügung stehen.

5. Eine effiziente interprofessionelle und interinstitutionelle Kommunikation zwischen medizinischen Fachpersonen in Praxen und Spitälern sowie den Alters- und Pflegeheimen muss mit einer zeitgemässen Kommunikationstechnologie gewährleistet werden.

Diese vom Expertinnen- und Expertenkomitee formulierten Empfehlungen sind abrufbar über die Website der Schweizerischen Gesellschaft für Bioethik SGBE:

Deutsch: https://www.bioethics.ch/sgbe/artikel

Französisch: http://www.bioethics.ch/fr/sgbe/articles

Das Einmaleins der Pflegeheim-Medizin – Fokus Geriatrie und Palliative Care – Intensivfortbildungskurs im Oktober und November 2023

Nach erfolgreicher erstmaliger Durchführung des Intensivfortbildungskurses «Das Einmaleins der Pflegeheim-Medizin», umfassend zwei Module à zwei Tage mit den Schwerpunkten Geriatrie sowie Palliative Care im Herbst 2022, wurde beschlossen, diesen Intensivfortbildungskurs für Heim- und Hausärztinnen und -ärzte auch im Jahr 2023 wieder anzubieten. Das Vertiefungsmodul Geriatrie wird am 26. und 27.10.2023 in Zürich stattfinden, das Vertiefungsmodul Palliative Care am 16. und 17.11.2023 in Münchenstein bei Basel. Detailinformationen zu Kursinhalten und Anmeldung entnehmen Sie bitte der Homepage von palliative.ch: https://www.palliative.ch > Was wir tun > Weiterbildung > Fortbildung: das Einmaleins der Pflegeheimmedizin

Korrespondenzadresse

PD Dr. med. Klaus BallyFacharzt für Allgemeine Medizin FMHUniversitäres Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel | uniham-bbKantonsspital Baselland, Rheinstrasse 26

CH-4410 Liestal

klaus.bally[at]unibas.ch

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