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SwissFamilyDocs Conference 2016, Congrès du CMPR 2016, Jahreskongress der SAPPM 2016 vom 8. und 9. September 2016, Montreux

Damit «Zusammen» kein leeres Schlagwort bleibt

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2016.01357
Veröffentlichung: 31.08.2016
Prim Hosp Care (de). 2016;16(16):292-293

François-Gérard Héritier, Johanna Maria Sommer, Pierre Klauser, Alexander Minzer

Für das Tagungskomitee

In rund einer Woche öffnet das direkt am Ufer des Genfersees gelegene Montreux Music & Convention Centre (2m2c) seine Tore für einen bisher so nicht dagewesenen Dreifach-Kongress: Die SwissFamilyDocs Conference findet dieses Jahr zusammen mit der Fortbildungstagung des Collège de Médecine de Premier Recours (CMPR) und der Jahrestagung der Schweizerischen Akademie für Psychosomatische und Psycho­soziale Medizin (SAPPM) statt. «Zusammen» ist überhaupt ein wichtiges Stichwort, denn es ist das Tagungsmotto der Fortbildungsveranstaltung des Jahres 2016 für alle allgemeininternistisch, pädiatrisch und psychosomatisch tätigen Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz.

Gastgeber der von SGAIM, KHM/CMPR, SAPPM und den fünf universitären Zentren für Hausarztmedizin co-organisierten «SwissFamilyDocs Conference plus» ist turnusgemäss die Unité des internistes généralistes et pédiatres (UIGP) der Universität Genf. Gastgesellschaften sind die Association Romande des Assistantes Médicales (ARAM), die Jungen Hausärztinnen und -ärzte Schweiz (JHaS), die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (SGP), der Schweizerische Verband Medizinischer ­Praxisassistentinnen (SVA) und die beiden Berufsverbände Kinderärzte Schweiz und Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe).

Entsprechend vielfältig ist das Programm des zweisprachigen Fortbildungskongresses, das ganz auf die hausärztliche, kinderärztliche und psychosomatische Patientenversorgung ausgerichtet und wie immer hochgradig praxisorientiert und interaktiv gestaltet ist. Es umfasst unter anderem fünf simultan­verdolmetschte Keynote Lectures, 46 Seminare (30 SGAIM/CMPR/SGP, 9 SAPPM, 3 ARAM, 3 JHaS, 1 SVA), neun Skill-Lab-Sessions zu drei verschiedenen Themen, einen Workshop «Supervision und Feedback, Mini-CEX und DOPS während der Praxisassistenz» und eine halbtägige Moderatoren-Tagung für (angehende) Leiter von Qualitäts­zirkeln. Die fast ausschliesslich durch Zweierteams (je ein Spezialist und ein Grundversorger) geleiteten Fortbildungsformate werden durch eine «Faculty» aus 109 ­renommierten Referenten und Chairs aus dem In- und Ausland getragen und ausgefüllt.

Neben einem breiten Angebot an diagnose- und therapieorientierten Themen aus praktisch allen grossen Krankheitsgebieten einschliesslich der Psychosomatik liefert das Tagungsmotto «Zusammen» bzw. «Ensemble» eine Vielzahl an relevanten Fragestellungen rund um die medizinische Grundversorgung in einem sich verändernden Gesundheitswesen. Diese reichen von der interprofessionellen Kooperation über interdisziplinäre Behandlungskonzepte bis hin zum Teamwork in der Patientenbetreuung. Eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen aller an der Grundversorgung ­beteiligten «Healthcare Professionals» wird angesichts der zunehmenden Multimorbidität der Patienten und dem Mangel an Fachkräften (vor allem an Hausärzten) vielerorts immer wichtiger, da sie mit ­einer Vielzahl an Aufgaben konfrontiert werden, die sie nicht oder kaum mehr im Alleingang bewältigen können; oder die sie angesichts des sich vollziehenden Systemwandels auch gar nicht mehr allein bewältigen sollen. Auch der immer stärker werdende Einfluss von wirtschaftlichen Überlegungen in der Medizin stellt alle Beteiligten vor enorme Herausforderungen.

Während sich vier der fünf Keynote Lectures entweder mit einem neuen evidenzbasierten Approach der ­Interprofessionalität in der Hausarztpraxis, mit transkulturellen Aspekten, Interprofessionalität im ­Bereich Chronic Care oder Biobanken- und Big-Data-Wissen für Generalisten befassen, präsentiert die fünfte Hauptvorlesung «Perlen aus den Forschungsarbeiten Hausarztmedizin». In dieser werden Klaus Bally und ­Stéphanie Giezendanner, die Träger des diesjährigen KHM-Forschungspreises Hausarztmedizin, in der ersten Hälfte ihre Forschungsarbeit zur Palliative-Care-Kompetenz im Detail vorstellen. Anschliessend wird Lilli Herzig vom Institut für Hausarztmedizin der Univer­sität Lausanne erste eigene Forschungsresultate zur ­Bedeutung der interprofessionellen Zusammenarbeit angesichts der demografischen Alterung der Gesellschaft und der damit einhergehenden Multimorbidität im hausärztlichen Alltag präsentieren.

Fächerübergreifende Zusammenarbeit 
in der Psychotherapie

In den von der SAPPM organisierten Seminaren geht es unter anderem um die Notwendigkeit zur Kooperation bei der Wahl einer entsprechenden Psychotherapie-Form, um das Erkennen und Behandeln posttraumatischer Störungen und um die «Do’s and Dont’s» bei ­chronischen Schmerzen aus dem Blickwinkel der psychosomatischen Medizin. Im letzteren Fall wird die Verschreibung von Opioiden, die in letzter Zeit massiv zugenommen hat, kritisch hinterfragt und Lösungsansätze erläutert.

Kollaboration an der Schnittstelle ­
Spital–Arztpraxis

In Diagnostik und Therapie im Bereich der Grund­versorgung sind immer häufiger mehrere Fachspezialisten aus dem ambulanten und stationären Bereich ­involviert. Anhand von Beispielen werden Christian Häuptle und Adrian Göldlin in ihrem Seminar den Teilnehmenden die Tücken des interdisziplinären Handelns an der Schnittstelle von Spital und hausärztlicher Betreuung erläutern und über verschiedene Wege einer patientenzentrierten Kooperation debattieren. Gerade in Bezug auf die Medikation ist der Informationsfluss zwischen den beiden Parteien extrem wichtig. Weil diese auch noch unterschiedliche Wirtschaftlichkeitsvorgaben zu erfüllen haben, ist bei der Therapiewahl gegenseitiges Verständnis und eine gewisse Sensibilisierung gefragt. Vermutlich ist das einfacher gesagt als getan – wir dürfen also gespannt sein.

Die sichere Gestaltung der Medikation an der Schnittstelle zwischen Spital und Arztpraxis ist das Ziel des ­Pilotprogramms «progress! Sichere Medikation an Schnittstellen». Liat Fishmann und Marianne Jossen werden hierzu in ihrem Seminar Erfahrungen und ­Gegebenheiten aus der Praxis mit dem Publikum besprechen.

Interprofessionelle Zusammenarbeit 
und Ausbildung

Nicht fehlen darf an einem Grundversorgerkongress unter Federführung der Schweizer Hausärzte die ­gesundheitspolitische Diskussion. Die traditionelle «Political Arena» steht in diesem Jahr im Zeichen der «Möglichkeiten für interprofessionelle Zusammen­arbeit und Ausbildung in der Schweiz». Über Fragen wie die, obsich der steigende Druck zur interprofessionellen Zusammenarbeit belastend auf die Grundversorger auswirkt oder welche Rolle die Hausarztmedizin in diesem Kontext einnehmen und wie sich unsere Disziplin besser auf die neuen Kooperationen einstellen kann, diskutieren unter Leitung von mfe-Präsident Marc Müller die Direktorin Ausbildung des College of Family Physicians of Canada, Ivy Oandasan, Nathalie Scherz, Vorstands­mitglied der JHaS, Andrea Petrig, Präsidentin des Ethik- und Beschwerderates des Ergothera­peutinnen-Verbands Schweiz, Elisabeth Van Gessel ­Projektleiterin des Centre interprofessionnel de simulation und ­Fabian Vaucher, Präsident von pharmaSuisse.

Abgerundet wird das Programm durch den Eröffnungsvortrag des Evolutionsbiologen und Experten für soziale Insekten, Laurent Keller, und den Schlussvortrag von Bertrand Kiefer zum Thema Menschlichkeit in der Medizin. Der Arzt, Ethiker und Chefredaktor der Revue Médicale Suisse ist nicht nur kritischer ­Hinterfrager der Wirtschaftlichkeit in der Medizin, sondern auch von interprofessioneller Zusammen­arbeit, bei welcher der Patientennutzen für einmal nicht im Vordergrund steht.

Wir freuen uns, Sie möglichst zahlreich in Montreux begrüssen zu dürfen und sind gespannt auf angeregte Diskussionen und viele neue Einsichten. Denkanstösse bietet die gemeinsame Veranstaltung von SFD, CMPR und SAPPM mit ihren vielen Gastgesellschaften wie der Praxisassistentinnen-Vereinigung zuhauf. Da Kommunikation (für die wir Grundversorger prädestiniert sind) ganz allgemein eine gute Voraussetzung für gute Kooperationen ist, die durch das Ambiente im ­legendären 2m2c und das eine oder andere Gläschen Rotwein zusätzlich angeregt werden dürfte, sind wir äusserst optimistisch, dass wir die Herausforderungen der Zukunft bewältigen – aber wie gesagt nur zusammen und hochgradig (inter)professionell!

Redaktionelle
Verantwortung:
SGAIM, KHM und SAPPM

Korrespondenzadresse

Dr. med.
François-Gérard Héritier
Co-Präsident SGAIM
Präsident des ­Tagungskomitees
SFD Conference 2016
heritier.vf[at]vtxnet.ch

Prof. Dr. med.
Johanna Sommer
Verantwortliche des UIGP
(Unité des internistes
généralistes et pédiatres),
Präsidentin des
Tagungskomitees
SFD Conference 2016
johanna.sommer[at]
unige.ch

Dr. med. Pierre Klauser
Präsident CMPR
Präsident des
Tagungskomitees CMPR
pierre.f.klauser[at]
bluewin.ch

Dr. med. Alexander Minzer
Präsident SAPPM
Präsident des
Tagungskomitees SAPPM
alexander.minzer[at]hin.ch

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