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Leserbriefe

Anspruchsvollster Bereich der Medizin mit der am wenigsten anspruchsvollen Ausbildung?

Monika Diethelm-Knoepfel

DOI: 10.4414/phc-d.2017.01509
Veröffentlichung: 08.03.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(05):92

Anspruchsvollster Bereich der Medizin mit der am wenigsten 
anspruchsvollen Ausbildung?

Auch wenn ich nicht Hausärztin bin, glaube ich, nach mehr als 20 Jahren enger Zusammenarbeit mit einem Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis, mit Grundversorgern in einem interdisziplinären Managed-Care-­Modell und als Leiterin von Balintgruppen mit Hausärzten sagen zu können, dass das von Herrn Kollege Marko empfohlene Modell nicht-akademischer Allgemeinpraktikerinnen und Allgemeinpraktiker nicht funktionieren wird. Warum soll ausgerechnet der ­anspruchsvollste Bereich der Medizin die am wenigsten anspruchsvolle Ausbildung brauchen? Und wenn Kollege Marko der Ansicht ist, dieser Bereich würde sich vor allem für Frauen eignen, dann erinnert mich das unangenehm an gewisse Chefärzte von vorgestern, die Ärztinnen nicht für voll genommen haben. Ausserdem wäre die fehlende akademische Ausbildung ein gutes Argument für die Krankenkassen, die Leistungen der Allgemeinpraktiker schlechter zu honorieren. Nötig ist vielmehr, dass die Gesellschaft endlich aufhört, die Verantwortung für Haus- und ­Familienarbeit einseitig den Frauen zuzuschieben.

Monika Diethelm-Knoepfel, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Uzwil

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