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Von der Praxisassistenz zum Curriculum

Tabelle 1: Zehn Gründe für ein Curriculum Hausarztmedizin:
 1Das Ziel Hausärztin wird durch eine attraktive, praxisnahe Weiterbildung bereits im Spital gefördert. Die Attraktivität 
des Faches Hausarztmedizin ist die beste Nachwuchsförderung.
 2Attraktiv für die Curricula sind Spezialkliniken, die bis anhin wenige Stellen für künftige Hausärztinnen angeboten ­haben, aber aufgrund ihres Faches sehr praxisrelevant sind.
 3In den Fächern Dermatologie, Hals-Nasen-Ohren, Orthopädie und Rheumatologie, Psychiatrie, Anästhesie, 
Notfallmedizin und Pädiatrie haben die Klinikleiter in Zusammenarbeit mit dem Institut spezifische, den Hausärztinnen angepasste Lernziele aufgestellt und dementsprechende Arbeitsplätze errichtet.
 4Die Lernziele sind ehrgeizig und gleichzeitig realistisch gesteckt. Es ist möglich, so die Weiterbildung zeitlich kompakt 
zu absolvieren und gut ausgebildet früh in die Praxis zu gehen.
 5Die Kliniken treffen auf Assistentinnen, die engagierte Allrounderinnen sind, die durch ihr breites Wissen die Kliniken 
ihrerseits wertvoll unterstützen. Dies bestätigen die Chefärzte in den ersten Rückmeldungen.
 6Das Institut organisiert regelmässige Treffen für Praxis- und Curriculum-Assistentinnen. Sie dienen nebst der ­gemeinsamen Fortbildung der Vernetzung unter den künftigen Hausärztinnen.
 7Die spätere Zusammenarbeit zwischen den Kliniken und den künftigen Hausärztinnen wird gefördert.
 8Die Curriculumstellen sind nur möglich, solange die Assistentinnen durch das Institut vermittelt und durch den 
Kanton substanziell mitfinanziert werden.
 9Die Curriculumassistentinnen verpflichten sich, sich später im Kanton Luzern als Hausärztinnen niederzulassen.
10Die Rückmeldungen der künftigen Hausärztinnen sowie die Planung von bereits über 40 Halbjahresstellen zeigen 
den Erfolg!
Weiterbildung in Hausarztmedizin im Kanton Luzern

Christian Studer, Christoph Merlo

DOI: 10.4414/phc-d.2017.01514
Veröffentlichung: 08.03.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(05):87-88

Das Institut für Hausarztmedizin & Community Care Luzern (www.iham-cc.ch) wurde im Februar 2014 gegründet mit dem Ziel, die Hausarztmedizin und den hausärztlichen Nachwuchs in der Region zu fördern. Von Anfang an bestand eine gute, inspirierende Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch die bisherigen Schweizer Institute für Hausarztmedizin und die Stiftung zur Förderung der Weiterbildung in Hausarztmedizin, so dass nicht in allen Belangen das Rad neu erfunden werden musste.

Im Juli 2015 übernahmen wir die Koordination des bereits seit 2011 bestehenden Praxisassistenzprogramms des Kantons Luzern. Dadurch lernten wir alle Dossiers der Assistentinnen und Assistenten kennen, sahen die meisten in persönlichen Gesprächen und berieten sie in ihrem Werdegang zum Hausarzt. Um die jungen Hausärztinnen auch in einer allfälligen Praxisgründung oder -übernahme zu coachen, bauten wir ein regionalspezifisches Mentoring auf.

Die Bilanz der 70 seit 2011 vom Kanton finanzierten Praxisassistenzen fiel positiv aus. Von den mittlerweile 38 Fachärztinnen (29 AIM und 9 KJM) praktizieren 24 als Hausärzte im Kanton und vier als Kinderärztinnen (Abb. 1), was einer Erfolgsquote von 74% entspricht.

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Abbildung 1: Tätigkeitsgebiet ehemaliger Praxisassistenten nach Abschluss der Facharzt-Ausbildung 2011–2016 
(Total = 38).

Allerdings standen in den letzten fünf Jahren den fast 60 Lehrärzten nur ca. 12 bis 13 Praxisassistentinnen pro Jahr gegenüber. Für die Assistenten war es somit ein leichtes, eine geeignete Lehrpraxis zu finden. Anders sah es in der klinikinternen Weiterbildung aus. Die jungen Kolleginnen in Weiterbildung berichteten uns, dass nebst der Praxisassistenz ein ebenso dringendes Bedürfnis bestehe, an den Kliniken vermehrt praxisspezifisches Wissen vermittelt zu bekommen.

Im Austausch mit den bestehenden Schweizer Instituten für Hausarztmedizin (IHAM) und nach Evaluation bestehender Curricula in anderen Kantonen haben wir somit in Ergänzung zur kantonalen Praxisassistenz das «Luzerner Curriculum Hausarztmedizin» geschaffen. Wir traten mit unseren Wünschen an die Chefärztin und Chefärzte des Luzerner Kantonsspitals, der Luzerner Psychiatrie und der Hirslanden ­Klinik St. Anna ­heran und fanden offene Türen vor. So entstand ein attraktives Angebot in Form von sechsmonatigen Rotationsstellen mit hausarztspezifischem Lernzielkatalog in folgenden Fächern:

– Dermatologie, Rheumatologie-Orthopädie, HNO, Anästhesie und interdisziplinärer Notfall im Luzerner Kantonsspital,

– Pädiatrie im Luzerner Kinderspital und in einer Kinderarztpraxis,

– Orthopädie in der Orthopädischen Klinik AG der Hirslanden Klinik sowie

– Psychiatrie stationär und ambulant inklusive Memory Clinic in der Luzerner Psychiatrie.

Ab Mitte 2017 wird neu eine Stelle in Schmerzmedizin am Schweizerischen Paraplegikerzentrum in Nottwil hinzukommen. Ein Curriculum Radiologie/Ultraschall ist langfristig geplant. In Zusammenarbeit mit dem ­Labor Bioanalytica AG Luzern werden auch Labornachmittage angeboten.

Die Finanzierung der Praxisassistenzen und Curricula erfolgt aktuell zur einen Hälfte durch den Kanton Luzern und zur anderen Hälfte durch die Kliniken bzw. Lehrärzte. Die Bedingung des Kantons, dass sich die Curriculumassistentinnen innert fünf Jahren nach Abschluss der Facharztausbildung in einer luzernischen Hausarztpraxis niederlassen müssten (mit Rückzahlungsandrohung bei Nichteinhalten) hatte keinen Einfluss auf die Nachfrage. Wir wurden geradezu mit Anfragen für die Curriculumstellen überrannt. Nach den bis anhin ca. fünfzig durchgeführten Bewerbungsgesprächen können wir eine ­eigentliche Aufbruchsstimmung im Kanton wahrnehmen. Viele engagierte und bestens qualifizierte junge Kollegen drängen in die Hausarztmedizin und damit in die Praxis. Es gilt nun, diesen Erfolg zu konsolidieren und eine vertiefte Evaluation durchzuführen, um den künftigen Anliegen unserer jungen Kolleginnen gerecht zu werden.

Für alle Praxis- und Curriculaassistenten führten wir zweimal jährlich in den Räumen des Instituts Fortbildungsnachmittage durch. Als Referenten werden jeweils gezielt die Chefärzte und Leiter der Curriculumstellen eingeladen. Durch den Zusammenzug der Jungärztinnen lernen sich alle untereinander auch ­näher kennen.

Dank einer Vereinbarung mit den Kantonen Uri und Obwalden (und bald auch Nidwalden) können auch ­Assistenzärztinnen aus diesen Kantonen am Luzerner Curriculum teilnehmen.

Im vergangenen Herbst trafen sich die Koordinatoren der Curricula-Praxisassistenzen bei uns in Luzern. Einmal mehr konnten wir als junges Institut von der reichen Lehrerfahrung der langjährigen Verantwortlichen anderer Kantone profitieren. Austausch, Know-how-Transfer und gegenseitiger Ansporn bereicherten das Treffen. Als wichtiges Thema wurde mitunter die Evaluation der Assistenzstellen im Rahmen der Weiter­bildung zum Facharzt Allgemeine Innere Medizin mit hausärztlicher Ausrichtung erkannt. Weiterhin erachtete man ein politisch geeintes Auftreten als wichtig und beschloss, gemeinsame Anliegen wie beispielsweise die Finanzierung einer Mindestanzahl von Praxis­assistenzen durch die Kantone an die schweizerische Gesundheitsdirektorenkonferenz zu richten. Fast in ­allen Kantonen braucht es offenbar besondere Anstrengungen, dass sich der Volkswille für die Hausarztmedizin auch im kantonalen Budget niederschlägt. Argumente hierfür kennen wir alle zur Genüge (Tab. 1).

Tabelle 1: Zehn Gründe für ein Curriculum Hausarztmedizin:
 1Das Ziel Hausärztin wird durch eine attraktive, praxisnahe Weiterbildung bereits im Spital gefördert. Die Attraktivität 
des Faches Hausarztmedizin ist die beste Nachwuchsförderung.
 2Attraktiv für die Curricula sind Spezialkliniken, die bis anhin wenige Stellen für künftige Hausärztinnen angeboten ­haben, aber aufgrund ihres Faches sehr praxisrelevant sind.
 3In den Fächern Dermatologie, Hals-Nasen-Ohren, Orthopädie und Rheumatologie, Psychiatrie, Anästhesie, 
Notfallmedizin und Pädiatrie haben die Klinikleiter in Zusammenarbeit mit dem Institut spezifische, den Hausärztinnen angepasste Lernziele aufgestellt und dementsprechende Arbeitsplätze errichtet.
 4Die Lernziele sind ehrgeizig und gleichzeitig realistisch gesteckt. Es ist möglich, so die Weiterbildung zeitlich kompakt 
zu absolvieren und gut ausgebildet früh in die Praxis zu gehen.
 5Die Kliniken treffen auf Assistentinnen, die engagierte Allrounderinnen sind, die durch ihr breites Wissen die Kliniken 
ihrerseits wertvoll unterstützen. Dies bestätigen die Chefärzte in den ersten Rückmeldungen.
 6Das Institut organisiert regelmässige Treffen für Praxis- und Curriculum-Assistentinnen. Sie dienen nebst der ­gemeinsamen Fortbildung der Vernetzung unter den künftigen Hausärztinnen.
 7Die spätere Zusammenarbeit zwischen den Kliniken und den künftigen Hausärztinnen wird gefördert.
 8Die Curriculumstellen sind nur möglich, solange die Assistentinnen durch das Institut vermittelt und durch den 
Kanton substanziell mitfinanziert werden.
 9Die Curriculumassistentinnen verpflichten sich, sich später im Kanton Luzern als Hausärztinnen niederzulassen.
10Die Rückmeldungen der künftigen Hausärztinnen sowie die Planung von bereits über 40 Halbjahresstellen zeigen 
den Erfolg!

Während des Treffens der SAFMED (Swiss Academy of Family Medicine – Vereinigung der Hausarztinstitute Schweiz) anfangs 2017 wurde ebenfalls das Ziel for­muliert, die Praxisassistenz- und Curriculumstellen schweizweit weiter zu fördern. Allenfalls könnten künftig die Treffen der kantonalen Koordinatoren über ­SAFMED koordiniert und organisiert werden, um so die Kräfte zu bündeln.

Mit dem Projekt eines Joint MasterHumanmedizin der Universität Luzern und Zürich eröffnet sich eine neue, vielversprechende Perspektive. Bereits im Herbst 2017 werden die ersten Bachelorstudenten des sogenannten «Luzerner Tracks» ihr Medizinstudium in Zürich aufnehmen. Im Jahre 2020 werden dann voraussichtlich die ersten 40 Masterstudenten nach Luzern wechseln. Das IHAM & CC wird dabei für den Aufbau eines attraktiven Ausbildungs-Curricula in Hausarztmedizin verantwortlich zeichnen, wiederum im stimulierenden Austausch mit den anderen Schweizer IHAM und in ­Kooperation mit den Partnerspitälern der Universität Luzern.

Eine praxis- und zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung in der Hausarztmedizin anzubieten, ist eine schöne Herausforderung, die wir gerne angenommen haben und auch künftig gerne annehmen werden.

Redaktionelle
Verantwortung:
Sandra Hügli, mfe

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Abbildung 1: Tätigkeitsgebiet ehemaliger Praxisassistenten nach Abschluss der Facharzt-Ausbildung 2011–2016 
(Total = 38).
Tabelle 1: Zehn Gründe für ein Curriculum Hausarztmedizin:
 1Das Ziel Hausärztin wird durch eine attraktive, praxisnahe Weiterbildung bereits im Spital gefördert. Die Attraktivität 
des Faches Hausarztmedizin ist die beste Nachwuchsförderung.
 2Attraktiv für die Curricula sind Spezialkliniken, die bis anhin wenige Stellen für künftige Hausärztinnen angeboten ­haben, aber aufgrund ihres Faches sehr praxisrelevant sind.
 3In den Fächern Dermatologie, Hals-Nasen-Ohren, Orthopädie und Rheumatologie, Psychiatrie, Anästhesie, 
Notfallmedizin und Pädiatrie haben die Klinikleiter in Zusammenarbeit mit dem Institut spezifische, den Hausärztinnen angepasste Lernziele aufgestellt und dementsprechende Arbeitsplätze errichtet.
 4Die Lernziele sind ehrgeizig und gleichzeitig realistisch gesteckt. Es ist möglich, so die Weiterbildung zeitlich kompakt 
zu absolvieren und gut ausgebildet früh in die Praxis zu gehen.
 5Die Kliniken treffen auf Assistentinnen, die engagierte Allrounderinnen sind, die durch ihr breites Wissen die Kliniken 
ihrerseits wertvoll unterstützen. Dies bestätigen die Chefärzte in den ersten Rückmeldungen.
 6Das Institut organisiert regelmässige Treffen für Praxis- und Curriculum-Assistentinnen. Sie dienen nebst der ­gemeinsamen Fortbildung der Vernetzung unter den künftigen Hausärztinnen.
 7Die spätere Zusammenarbeit zwischen den Kliniken und den künftigen Hausärztinnen wird gefördert.
 8Die Curriculumstellen sind nur möglich, solange die Assistentinnen durch das Institut vermittelt und durch den 
Kanton substanziell mitfinanziert werden.
 9Die Curriculumassistentinnen verpflichten sich, sich später im Kanton Luzern als Hausärztinnen niederzulassen.
10Die Rückmeldungen der künftigen Hausärztinnen sowie die Planung von bereits über 40 Halbjahresstellen zeigen 
den Erfolg!

Christian Studer, Christoph Merlo

Institut für Hausarztmedizin & Community Care Luzern

Korrespondenz:
Dr. med. Christian Studer
Institut für Hausarzt­medizin & Community Care Luzern
Schwanenplatz 7
6004 Luzern
christian.studer[at]
iham-cc.ch