Editorial

Zum Rücktritt von Ruedi Bienz als Geschäftsführer EMH

«Ruedi Bienz und ich durften ­gemeinsam reifen»

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2018.01786
Veröffentlichung: 27.06.2018
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2018;18(12):205

Marc Müller

Past-Präsident Berufsverband «mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz»

Zum ersten Mal habe ich Ruedi Bienz 1999 getroffen: Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin SGAM, die ich damals präsidieren durfte, hatte sich ­entschieden, ein eigenes Publikationsorgan heraus­zugeben, um, mit gewachsenem Selbstvertrauen nach innen, auch ihren Aussenauftritt zu professionalisieren. Wir hatten das Projekt ausgeschrieben, haben uns aber sehr rasch für EMH als Partner entschieden. Nicht nur die Konzeptidee und die Professionalität haben uns überzeugt, sondern auch das Team hinter der Offerte, das Team des EMH-Verlages. Schon am 8. Juni 2000 haben Werner Bauer als Präsident des KHM und ich den ersten Vertrag mit EMH unterschrieben, PrimaryCare war geboren.

Die Zeit war reif für unser Projekt, «KAIRÓS: der richtige Augenblick» war denn auch der Titel meines Editorials [1] in der Nullnummer unserer Zeitschrift, die wir am SGAM-Kongress in Montreux vorstellen durften. Dank der umsichtigen und professionellen Lenkung durch Ruedi Bienz entwickelte sich unsere ­Zeitschrift rasch zu einem wichtigen Sprachrohr der Haus- und Kinderärzte. Er behielt – manchmal fast unbemerkt im Hintergrund – die Übersicht, über den Unterschied von machbar und wünschbar, Traum und ­Realität. Fachgesellschaft, KHM und die hausärztliche Redaktion entwickelten manchmal hochtrabende Ideen – Ruedi Bienz blieb die oft mühsame Aufgabe, das notwendige Geld dafür aufzutreiben oder uns schonend zu bremsen, wenn wir zu überborden drohten. Dank seiner profunden Sachkenntnis als Eigentümer des Schwabe-Verlages und Geschäftsführer von EMH fand er immer die passende Lösung für auftretende Fragen. Als die Werbeeinnahmen bei Printmedien zurückzugehen begannen, bot er 2007 Hand, PrimaryCare in eine Verlagszeitschrift umzuwandeln und überzeugte den Verwaltungsrat von EMH, an PrimaryCare festzuhalten. Sein politischer Instinkt behielt recht: Nach der Berichterstattung über die erste Hausarztkundgebung auf dem Bundesplatz 2006 entwickelte sich PrimaryCare zu unserem wichtigsten Publikationsorgan in der Zeit der Hausarztinitiative und der Volksabstimmung zum Verfassungsartikel «Ja zur medizinischen Grundversorgung». In dieser Phase erlebten wir die grandiose Flexibilität des gesamten EMH-PrimaryCare-Teams um Ruedi Bienz und Natalie Marty: jederzeit war es möglich, ein Editorial auszuwechseln, einen zusätzlichen Artikel zu platzieren oder sogar einen ­Sonderdruck zu verschicken. Für diese Unterstützung können wir nicht genug danken! So war es selbst­verständlich, dass sich mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz sofort nach der Gründung des Berufsverbandes auch DER Hausärztezeitschrift angeschlossen hat.

PrimaryCare hat aber nicht nur die politische Emanzipation der Haus- und Kinderärzte begleitet, sondern auch den Prozess des Zusammenschlusses der Hausärzte der SGAM mit den Praxis- und Spitalinternisten der SGIM (Schweizerische Gesellschaft für Innere Medizin) abgebildet. Das gesamte «Ping-Pong» des Prozesses vom «Unwort» Tronc commun über einen gemein­samen Facharzttitel für Allgemeine Innere Medizin bis zur gemeinsamen Fachgesellschaft Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin SGAIM ist in ­unserer Zeitschrift ­abgebildet. Auch der Name zeugt jetzt von «unserer» Entwicklung: Aus PrimaryCare wurde Primary and Hospital Care.

Man könnte sagen, Ruedi und ich durften gemeinsam reifen, wenn ich die Bilder der Vertragsunterzeichnung im Jahr 2000 anschaue, auch gemeinsam ergrauen. Vor allem aber durften wir in all diesen Jahren Freunde werden. Ich bin sicher, wir werden es bleiben.

Unser «Kind», das Primary and Hospital Care, ist erwachsen geworden, meine standespolitische Laufbahn geht allmählich zu Ende. Eine meiner grösseren Sorgen ­dabei war, dass ich nicht so recht wusste, wie ich Dir, Ruedi beibringen könnte, dass ich mich auch aus dem Steuerungsausschuss von PHC zurückziehen würde. Nun wirst Du ebenfalls zurücktreten. Auch hier finde ich Ähnlichkeiten: Beide schlagen wir keine Türen zu, wir ziehen uns schrittweise zurück, beobachten aber aufmerksam, wie die Entwicklung weiter geht (das soll keine Drohung an die Adresse unserer Nachfolgerinnen und Nachfolger sein!).

Vor allem aber hoffe ich, dass Du und Deine Familie nun mehr Zeit und ­Musse für gemeinsame Entdeckungen und Ausflüge habt und wir uns trotzdem hie und da ­wiedersehen werden – sei es an einem Rampenfest bei Schwabe, bei einem Bier in Grindelwald, einem Stadtbummel in Ascona oder ­einem zufälligen Mittagessen am Lauenensee. Dazu alles Gute und vor allem die notwendige Gesundheit!

Korrespondenzadresse

Korrespondenz:
Dr. med. Marc Müller
Past-Präsident Berufs­verband  «Haus- und ­Kinderärzte Schweiz»
Facharzt für Allgemeine ­Innere Medizin FMH
Sportmedizin SGSM,
Manuelle Medizin SAMM
Spillstattstrasse 14
CH-3818 Grindelwald
marc.mueller[at]hin.ch

Literatur

1 M. Müller-Friedli. Kairós: der richtige Augenblick. PrimaryCare. 2000;0(00):3–4.

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