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Immer wieder: Anamnese!

Susanne Müller Senn

DOI: 10.4414/phc-d.2017.01528
Veröffentlichung: 10.05.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(09):186

Wieder einmal: Anamnese!

Ein 29-jähriger Patient erscheint mehrmals und immer frühmorgens in der Praxis mit heftiger Übelkeit und Erbrechen. Nach peroralen oder parenteralen Anti­emetika geht es ihm nach einigen Stunden wieder ­besser, er muss jedoch an solchen Tagen der Arbeit als Pfleger im Altersheim fernbleiben.

Die Endoskopie beim Gastroenterologen ist unauf­fällig. Dieser stellt zum Glück die richtige und zielführende Frage. Welche?

Lösung: Konsumieren Sie Drogen? Der Patient raucht täglich abends einen «Joint». Es handelt sich bei seiner Symptomatik um das 2004 in Australien erstmals beschriebene Phänomen des Cannabis-Hyperemesis-Syndrom (CHS). Cannabis, das eigentlich antiemetisch wirkt, kann bei einzelnen Personen die gegenteilige Wirkung haben (Mechanismus unklar). Es wurde beobachtet, dass Duschen oder Baden mit heissem Wasser die Symptome – neben Emesis auch Bauchschmerzen – lindert.

Unser Patient hat seinen Cannabis-Konsum sofort sistiert und die Symptome sind seither nicht wieder aufgetreten.

Susanne Müller Senn, Oberdorf BL