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Die saisonale Grippe

Solidarität als Schlüssel 
zum Erfolg?

Fabian Egli

DOI: 10.4414/phc-d.2017.01599
Veröffentlichung: 14.06.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(11):208-209

In diesem Artikel möchte ich den seit Jahren vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) verwendeten Leitsatz «Schützen wir uns und die anderen» etwas genauer beleuchten.

Wenn wir uns gegen die saisonale Grippe impfen und uns zudem an die wichtigsten Hygienemassnahmen (vor allem regelmässige Händedesinfektion) halten, dann haben wir eine relativ gute Chance, den Winter ohne grössere gesundheitliche Komplikationen zu überstehen.

Aber was heisst genau «wir»?

Gemeint sind gesunde, junge Erwachsene mit einem guten Immunsystem. Wenn der jeweilige Grippeimpfstoff die zirkulierenden Grippeviren gut abdeckt (das heisst optimales «matching»), dann sind diese Personen bestens geschützt und für den Winter gut gerüstet.

Und wer ist mit «wir» nicht gemeint?

Zum Beispiel ich selber. Ich bin zwar noch jung, jedoch Diabetiker Typ 1.

Trotz alljährlicher Grippeimpfung muss ich aufgrund meines Immunsystems und gefährdetem Metabolismus darauf hoffen, dass ich von den Grippeviren verschont bleibe bzw. darauf vertrauen, dass sich auch mein Umfeld gegen die Grippe impft. Aber ob das wirklich so ist?

Jedenfalls sind in der Schweiz jedes Jahr einige 100 000 Personen (unter anderem Senioren, chronisch kranke Personen und Frühgeborene) potenziell gefährdet, auch trotz eigener Impfung (!), an der Grippe zu erkranken. Einer der Gründe hierfür kann ein geschwächtes Immunsystem sein.

Was könn(t)en wir alle tun?

Ein Laie würde jetzt möglicherweise argumentieren, dass sich einfach alle Risikopersonen impfen sollen, und dann wäre das Problem ja gelöst. Nur leider wäre das viel zu kurz gegriffen und letztlich auch gänzlich falsch.

Vielmehr sollten wir das Thema Grippe nicht als Problem «der Anderen» betrachten, sondern uns bewusst werden, dass wir hier alle zusammen am gleichen Strang ziehen müssen. Ein Team ist ja bekanntlich nur so gut wie sein schwächstes Glied; dieser Gedanke kann – und sollte auch – auf eine gesamte Gesellschaft übertragen werden. Dies würde dann bedeuten, dass wir Sorge zu unseren älteren und schwächeren Mitmenschen tragen müssen, damit wir als Gesellschaft weiter kommen können. Gefragt ist simpel und einfach «Solidarität».

In der heutigen Zeit, wo bei vielen Menschen (ob gewollt oder unbewusst) der Leitsatz «Schneller, höher, weiter» gilt, ist es nicht immer einfach, ein solches «Gemeinschaftsdenken» herbeizuführen bzw. zu entwickeln. Doch wenn das Solidaritätsprinzip in der Sprechstunde (und auch sonst) immer wieder angesprochen wird, dann wäre damit ein wichtiger (und möglicherweise entscheidender) Schritt in diese Richtung getan.

Die Wichtigkeit des Umfeldes (von Risikopersonen) hat auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erkannt, das in diesem Jahr erstmals eine eigene Informationsbroschüre für die Kontaktpersonen veröffentlichen wird. Doch mit dieser guten Broschüre alleine wird das Ziel für die Durchimpfraten in der Bevölkerung wohl nicht erreicht werden können.

Deshalb sind wir dringend auf Sie als Hausärztinnen und Kinderärzte angewiesen. Nutzen Sie doch beispielsweise den Nationalen Grippeimpftag (dieses Jahr am 3. November 2017) als Aufhänger, um wieder einmal mit ihren Patienten über die Grippeimpfung/Grippeprävention zu sprechen. Es bestehen leider immer noch zuviele Unwahrheiten und Unsicherheiten in den Köpfen der Menschen, die nur durch korrekte Information vermieden bzw. aus der Welt geschafft werden können.

Also: lassen Sie uns alle am gleichen Strang ziehen und der Grippe solidarisch den Kampf ansagen. Solidarität ist mehr als nur ein Wort, es ist eine Grundhaltung und für mich schliesslich auch der Schlüssel zum Erfolg.

Redaktionelle
Verantwortung:
Pierre Klauser, KHM

Fabian Egli

Projektleiter «Nationaler Grippeimpftag», Kollegium für Hausarztmedizin KHM, Fribourg

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