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Eine neue, innovative Ausbildungsstätte

Besuch des Interprofessionellen Simulationszentrums Genf

Katrina Riva

DOI: https://doi.emh.ch/10.4414/phc-d.2017.01650
Veröffentlichung: 11.10.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(19):359

Interprofessionalität ist eine der strategischen Prioritäten, auf die mfe – Haus- und Kinderärzte Schweiz setzt. Da die Delegiertenversammlung im vergangenen Mai in der Nähe von Genf stattfand, bot sich die Gelegenheit, das dortige Interprofessionelle Simulationszentrum (CIS), eine innovative Ausbildungsstätte, zu besichtigen.

Gemeinsam mit einigen Delegierten und Geschäftsstellenmitgliedern besuchte der Vorstand von mfe das CIS, das sich im neuen Gebäude des Universitätszentrums für Medizin befindet. Nachdem wir von der Direktorin, Elisabeth van Gessel, und ihrer Stellvertreterin, Patricia Picchiottino, empfangen wurden, durften wir das Konzept und die moderne Hightech-Ausstattung des Zentrums kennenlernen.

Das im Jahre 2013 eröffnete CIS ermöglicht es den ­Studierenden der Medizin und der Hochschulen für ­Gesundheit, mithilfe von Simulationen (mit Schauspielpatienten und Simulationspuppen) die inter­professionelle Zusammenarbeit und Kommunikation zu trainieren. Im Anschluss an jedes Simulations­training findet jeweils ein Debriefing statt. Grundlage für dieses Projekt war die enge Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Gesundheit Genf und der medizinischen Fakultät der Universität Genf; in der Folge schlossen sich das Universitätsspital Genf (HUG) und die Genfer Institution für häusliche Pflege dem Projekt an. Künftige Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, Hebammen, Physiotherapeut/-innen, Fachpersonen für medizinisch-technische Radiologie, Ernährungsberater/-innen und Pharmazeut/-innen trainieren gemeinsam Szenarien, die zur Problemlösung die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen oder den Erwerb besonderer Praxiskompetenzen (Reanimation, Geburt usw.) erfordern. Derzeit werden am CIS 2000 Studierende ausgebildet. Künftig wird das Zentrum bereits Berufstätigen auch Weiter- und Fortbildungen anbieten.

Die Simulation ist eine Methode, die bereits seit Langem in der Luftfahrt, der Nukleartechnik und der Industrie angewandt wird; im Gesundheitswesen können sich die Studierenden dadurch Wissen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen aneignen, welche die Patientenbetreuung und -sicherheit verbessern können. Diese in der Schweiz neuartigen technischen Kompetenzen bieten nicht nur die Möglichkeit, Erfahrung in einem sicheren Umfeld zu sammeln, sondern auch die Rollen und Zuständigkeiten jeder an der patientenzentrierten Pflege beteiligten Berufsgruppe besser zu verstehen.

Die Übungszimmer erinnern an den Vernehmungsraum einer Krimiserie: Jeder Raum ist mit mehreren Kameras ausgestattet, mit denen die Situationen gefilmt werden. Die Ausbildenden beobachten die Studierenden von ausserhalb und können eingreifen, z. B. durch Änderung der Werte und des klinischen Zustands der Simulationspuppe.

Im Verlauf unseres Besuchs wohnten wir einer Geburt bei. François Héritier stellte sich für eine Simulation zur Verfügung und half einer Puppe, «ihr Kind» zur Welt zu bringen. Die Puppe kann so programmiert werden, dass verschiedene klinische Situationen simuliert werden. Alle haben wir über die wirklichkeitsnahe Animation der Puppe gestaunt: Die «werdende Mutter» zeigte Kontraktionen, die man auf ihrem Bauch beobachten konnte, und äusserte sogar Schmerzlaute. Am Ende der Geburt und dank der professionellen Arbeit François Héritiers kam das Kind wohlauf zur Welt.

Das Zentrum ist ein wahres Schmuckstück der Technologie, die innovative und inspirierende Ausbildung ­bietet den Studierenden ein erstklassiges Umfeld, um die nötigen Handgriffe zu trainieren und interprofessionell zusammenzuarbeiten; der Kulturwandel ist ohne Zweifel im Gang!

Bereits seit mehreren Jahren engagiert sich mfe für die Interprofessionalität. Dies ist eine der Schlüsselmassnahmen, um dem prognostizierten Mangel an Haus- und Kinderärzt/-innen zu begegnen, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Unser Verband hat die Initiative ergriffen und mehrere Projekte ins Leben gerufen, darunter die Plattform Interprofessionalität im Jahr 2013 und den Swiss-ehpic-Kurs zur interprofessionellen Ausbildung im Jahr 2017 (in Zusammenarbeit mit dem CIS).

Redaktionelle
Verantwortung:
Sandra Hügli, mfe

Katrina Riva

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Geschäftsstelle mfe

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Korrespondenz:
Sandra Hügli-Jost
Kommunikationsbeauftragte mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz
­Geschäftsstelle
Effingerstrasse 2
CH-3011 Bern
Sandra.huegli[at]hausaerzteschweiz.ch