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Neugründung der Swiss Young Internists

Lust auf die AIM vermitteln und Perspektiven aufzeigen

Bruno Schmucki

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2017.01666
Veröffentlichung: 08.11.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(21):405-406

Die neu lancierte Vereinigung Swiss Young Internists (SYI) möchte einerseits die angehenden und jungen Allgemeininternist(inn)en besser vernetzen und vertreten. Andererseits soll auch der Austausch und die Diskussion mit den künftigen Berufskollegen und insbesondere mit den Chefärztinnen und -ärzten intensiviert werden. Einen konkreten Anfang dazu machen Pascale Vogt (Vorstandsmitglied SYI) und Christoph Knoblauch (Vorstandsmitglied der Chefärztevereinigung ICKS) im untenstehenden Interview.

Pascale Vogt, Sie engagieren sich im neuen Vorstand der SYI. Weshalb ist es für Sie wichtig, ein solches Netzwerk zu haben?

PV: Für viele Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung stellt sich die Frage, welche Fachrichtung sie wählen sollen. Deshalb ist der persönliche und berufliche Austausch mit Kollegen/-innen, die sich ebenfalls in Weiterbildung befinden, besonders wichtig. Durch SYI schaffen wir eine Plattform, um Fragestellungen auf dem Weg zum Facharzt und in der Karriereplanung zu diskutieren. Dabei richten wir uns besonders an junge Internist/-innen, die im Spital praktizieren möchten. Gerade diese Gruppe bewegt sich in einem Umfeld, wo die Innere Medizin in den vergangenen Jahrzehnten durch die vielen Spezialisierungsmöglichkeiten an ­Bedeutung und Attraktivität verloren hat. Das verun­sichert viele.

Als Chefarzt haben Sie, Christoph Knoblauch, ein direktes Interesse daran, dass sich junge, gut qualifizierte Ärzt/-innen für die Fachrichtung Allgemeine Innere Medizin (AIM) entscheiden. Was machen Sie, damit es attraktiv ist, in die AIM einzusteigen?

CK: Angehende Kandidierende für den Facharzttitel AIM sollten in erster Linie Freude an ihrem gewählten Beruf haben. Das tönt simpel, ist es aber nicht! Diese Freude entsteht durch eine interessante fachliche Tätigkeit, ein unterstützendes Umfeld, gute Arbeitsbedingungen, eine individuelle Betreuung und vieles mehr.

Es reicht nicht mehr, einzig die Differentialdiagnose nach Siegenthaler auswendig zu wissen. Die Patienten müssen in ihrem Umfeld erfasst und die Erkrankung interdisziplinär, unter Berücksichtigung der individuellen Möglichkeiten, behandelt werden.

Entsprechend repräsentiert unser Kader ein Team von Subspezialist/-innen, die gerne die Übersicht behalten möchten und dadurch die Fahne der AIM hochhalten. Dazu gehört selbstverständlich auch die aktive Teilnahme am Dienstbetrieb.

Was ist spannend am Berufsbild der AIM. Was hat Sie selbst motiviert, diese Fachrichtung zu wählen?

PV: Meiner Auffassung nach stellt die internistische Weiterbildung das Fundament der medizinischen Ausbildung dar. Sie ist für mich die Grundlage für ­weitere Fachspezialisierungen und ermöglicht die ganzheitliche Betrachtung komplexer medizinischer ­Sachverhalte. Ich möchte das Krankheitsbild eines ­Patienten umfassender verstehen, was oftmals über ein Spezialgebiet hinausgeht. Zudem fasziniert mich an der Allgemeinen Inneren Medizin die Vielfältigkeit auf fachlicher wie auch persönlicher Ebene. Sie ist abwechslungsreich, spannend und fordert einen täglich intellektuell heraus.

CK: Wie Pascale Vogt das schon suggeriert, kann die AIM durchaus als eine Art Königsdisziplin der Medizin betrachtet werden. Als Gastroenterologe interessiere ich mich für eine Subspezialität und bin gleichzeitig bestrebt, den Überblick nicht zu verlieren. Der heutige, vielfach polymorbide Patient ist darauf angewiesen, dass neben dem Hausarzt auch im Spital jemand integrativ arbeitet. Diese edle Aufgabe im Sinn von Choosing Wisely oder optimize to the Maxx ist gefragter denn je. Sonst droht die Gefahr, dass hochspezialisierte Betrachtungsweisen verschiedenster Akteure zu ungewollten Kollisionen führen (medikamentöse Interaktionen etc.).

Welche Voraussetzungen und Eigenschaften sollte jemand mitbringen, der als Allgemeininternist/-in im Spital oder in der Forschung arbeiten möchte?

CK: Es geht letztlich darum, die Verantwortung zu übernehmen und ein Puzzle geschickt und intelligent zusammenzuführen. Heute sind die für den Genesungsprozess der Patienten wichtigen Prozesse häufig komplex. Diese anspruchsvolle Arbeit führt nicht selten zu Konflikten mit vorgegebenen Guidelines. Diese können nicht kritiklos angewandt werden, weil sie der individuellen Geschichte des Patienten nur selten genügen. Es geht also darum, die Vorschläge der Spezialisten, falls möglich, mit dem Patienten im Dialog zu erörtern, um den Königsweg begehen zu können.

Was den Forschungsaspekt betrifft, müssen sich die Vertreter/-innen der AIM an den Universitäten wieder viel deutlicher und prononcierter zu Wort melden. Akademische Karrieren waren zu lange den Sub­spezialist/-innen vorbehalten. Die AIM und die Subspezialitäten müssen ein ausgewogeneres Machtverhältnis anstreben, weil die Forschung im klinischen und gesundheitsökonomischen Bereich viele offene Fragen zu beantworten hat. Dafür müssen selbstverständlich auch die nötigen Mittel gesprochen werden.

Was erwarten Sie von Chefärzt/-innen und Vorgesetzten während der Weiterbildung zur Fachärzt/-in AIM?

PV: Für mich ist es wichtig, dass Vorgesetzte wie Chefärzte nicht nur die Rolle als Autoritätspersonen einnehmen, sondern ebenso zur beruflichen Entwicklung und Karriereplanung der Assistent/-innen beitragen. Die Vorgesetzten sollen sowohl als berufliche Vorbilder dienen als auch als Mentoren einen unterstützen können. In der beruflichen Ausbildung einer angehenden Fachärztin sind regelmässige persönliche Ge­spräche, konstruktives Feedback, Beantwortung von Weiterbildungsfragen sowie Unterstützung bezüglich Karriereplanung von zentraler Bedeutung.

Und was sind oder waren für Sie die grössten ­Hindernisse auf diesem Weg?

PV: Für mich war es eine grosse Herausforderung, nach dem Studium die Wahl für die richtige Fachdisziplin zu treffen. Die Allgemeine Innere Medizin reizte mich aufgrund ihrer Bedeutung im Gesamtverständnis ­medizinischer Sachverhalte sehr, jedoch war ich mir über Karrierechancen und Einsatzmöglichkeiten im Un­klaren. Die SYI bietet hier allen Interessierten die Möglichkeit, den Facharzt Allgemeine Innere Medizin näher kennenzulernen, und zeigt die diversen Optionen auf.

Welche Rolle spielen eigentlich Netzwerke wie die SYI, die ICKS oder die SGAIM?

PV: Wie bereits erwähnt bietet SYI eine Plattform für angehende Spitalinternist/-innen an. Das Netzwerk ­engagiert sich für eine attraktive zukunftsgerichtete Medizin und setzt sich für eine Verbesserung der ärztlichen Lehre ein. Als Weiteres möchte SYI neben der klinischen Tätigkeit auch die Forschung und akademische Laufbahn jungen Ärztinnen und Ärzten näherbringen. Das ist Motivation und Unterstützung.

Die enge Zusammenarbeit und Vernetzung mit den anderen Organisation wie SGAIM, JHaS und ICKS hilft uns, diese Aufgabe besser wahrzunehmen.

Zu den interviewten Personen:

Pascale Vogt (29) arbeitet zur Zeit als Assistenzärztin der Inneren Medizin am Stadtspital Waid in Zürich. Nach ihrem Studium ­sammelte sie Berufserfahrung am Kantonspital Nidwalden auf der ­Inneren Medizin sowie in einer Hausarztpraxis in Luzern. Seit 2016 ist sie Mitglied der SYI.

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Pascale Vogt

Christoph Knoblauch (54) ist Chefarzt am Kantonsspital Nid­walden in Stans und führt ein Team von neun Kader- und elf Assistenzärzt/-innen. Christoph Knoblauch sammelte seine Berufserfahrung in Zürich, Bern, Luzern und leitete während knapp vier Jahren ein Distrikt-Spital in Malawi. Er ist Kassier der Schweizerischen Gesellschaft Internistischer Chef- und Kaderärzte (ICKS), Mitglied der Weiterbildungskommission der SGAIM und engagiert sich in seiner Freizeit für das erwähnte Distrikt-Spital Phalombe.

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Christoph Knoblauch

Wer sind die Swiss Young Internists (SYI)?

Die Swiss Young Internists (SYI) haben sich im Jahr 2014 als lose Interessensgemeinschaft von angehenden und jungen Internistinnen und Internisten der Schweiz formiert. Sie organisieren seither die SYI-Days an den Frühjahrskongressen der SGAIM und unterhalten eine Facebookgruppe.

Die Swiss Young Internists (SYI) sind junge Allgemeininternist/-innen aus der ganzen Schweiz, die hauptsächlich im Spital oder in der Wissenschaft tätig sind. Sie wollen eine Plattform für interessierte Medizinstudierende, Assistenzärzt/-innen und junge Fachärzt/-innen der Allgemeinen Inneren Medizin schaffen.

Mit der Gründung eines Vereins, der bereits rund 60 Mitglieder zählt, übernehmen die SYI nun auch juristisch und politisch die verbindliche Interessensvertretung der angehenden und jungen Allgemeininternist/-innen im stationären Bereich.

Mehr Informationen über die SYI auf der neu lancierten Website www.swissyounginternists.ch

Redaktionelle
Verantwortung:
Bernadette Häfliger, SGAIM

Interview: Bruno Schmucki

Verantwortlicher Kommunikation SGAIM

Kopfbild: © Daniel Hurst | dreamstime.com

Korrespondenz:
Bruno Schmucki
Kommunikation, SGAIM
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