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Editorial

Nachwuchsförderung in der Allgemeinen Inneren Medizin

Wie machen wir unseren Beruf für die kommende Generation ­attraktiv?

Ewelina Biskup, Jerôme Gauthey

DOI: https://doi.emh.ch/10.4414/phc-d.2017.01667
Veröffentlichung: 08.11.2017
Prim Hosp Care (de). 2017;17(21):399

Diese Frage – auch wenn sie sehr in Mode gekommen ist – ist gar nicht so neu und existiert auch nicht nur für Medizinerinnen und Mediziner.

Immer schon hat der leidenschaftliche Handwerker sich diese Frage gestellt und darum war für ihn die Ausbildung seiner Lehrlinge auch so wichtig.

Die Nachwuchsförderung heute steht aber vor verschiedenen sozioökonomischen Herausforderungen, welche die Sache komplizierter machen: Kostendruck, der Wunsch nach Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben oder die Schwierigkeit, reduzierte Pensen zu ermöglichen. Die Berufsmodelle von gestern entsprechen nicht mehr den Vorstellungen von jungen Ärztinnen und Ärzten. Und die Generation der Baby-Boomer wird in den nächsten 15 Jahren die Pensionierung ­antreten und eine grosse Lücke hinterlassen. Dadurch wird eine noch nie dagewesene Konkurrenz der ­Weiterbildungsstätten und Fachrichtungen um Nachwuchs entstehen. Umso bedeutender ist es, der jungen Generation qualitativ hochstehende Weiterbildung und attraktive Karrieren anbieten zu können.

Es ist offensichtlich, dass sich die Erwartungen der jungen Mediziner und Medizinerinnen von jenen ihrer Vorgänger abheben. Diese Erwartungen sind nicht zuletzt das Ergebnis von Erfolgen und Enttäuschungen der Lebensmodelle ihrer Eltern. Die Evolution der Familienmodelle erfordert ein neues Gleichgewicht von Beruflichem und Privatem. So wie auch die Feminisierung des ärztlichen Berufs eine Herausforderung der Vorgängergenerationen war. Dennoch sind die Unterschiede der Generationen weniger ausgeprägt, als es den Anschein hat. Es reicht, sich an den Einfluss eines wichtigen Mentors zu erinnern: Sein Geschick, Inhalte zu vermitteln, zu führen, Konflikte zu schlichten, sein Wissen und seine Ausstrahlung. Letztlich war es doch der Wunsch nach Identifikation mit einem bewundernswerten Vorbild, der jeder Generation die Energie brachte, ihre Ziele zu verfolgen.

Aber unser Fach ist komplex, deshalb ist es nötig, auch die Führungskräfte entsprechend komplex auszubilden und so die vielseitigen Anforderungen an den ambulanten und stationären Bereich zu erfüllen.

Ebenso wichtig ist es, unsere Assistenzärztinnen und -ärzte in ihrer «Globalität» wahrzunehmen, wie wir es auch mit unseren Patienten tun. Die Förderung der physischen und psychischen Gesundheit, der persön­liche und berufliche Erfolg – diesen Dingen sollten wir unsere Aufmerksamkeit widmen. Der Mentor spielt dabei eine entscheidende Rolle, er unterstützt seine künftigen Kolleg/-innen in ihrer Karriere und ver­hindert, dass sie den oft fordernden Beruf frühzeitig abbrechen.

Die evidenzbasierte Medizin erfordert eine strukturiertere Weiterbildung. Die neuen Generationen brauchen konstruktive Kritik und erwarten solche strukturierten und multidisziplinären Rückmeldungen auch. Diese helfen ihnen, breite Kompetenzen zu ent­wickeln, die für die Arbeit in einem Team notwendig sind, das Patientenrückmeldungen ebenfalls aufnehmen muss. Unsere Arbeit als Generalist/-innen basiert auf der Interaktion mit den Patienten und ihren Angehörigen, was Zeit braucht. Wir sollten also versuchen, die administrativen Tätigkeiten zu verringern, die in ihrer chronischen Zunahme die Motivation schwächen.

Es gab in den letzten Jahren deutliche Fortschritte in einigen dieser Bereiche, auch dank der Forschung. Diese umfasst in der Allgemeinen Inneren Medizin komplexe Herausforderungen und zieht daher junge Forscher an. Um den Nachwuchs weiter zu fördern ist es notwendig, Brücken zwischen den Generationen zu bauen, wie Sie in dieser Ausgabe lesen werden.

Die neu lancierte Vereinigung Swiss Young Internists (SYI), ebenso wie die Jungen Hausärztinnen und -ärzte Schweiz (JHaS), wollen diesen Dialog vorantreiben, auch auf politischer Ebene, auf dass die Entwicklungen unseres Fachs möglichst gut den Erwartungen und Vorstellungen der nächsten Generation entsprechen mögen.

Ewelina Biskup, Jerôme Gauthey

Co-Präsidium Swiss Young Internists (SYI)

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