Editorial

Motiviert, enthusiastisch, ehrgeizig, unkonventionell, weitblickend, ausdauernd, werteorientiert

Die junge Generation Hausärzte und Hausärztinnen

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2018.01737
Veröffentlichung: 11.04.2018
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2018;18(07):111

Regula Kronenberg

Vorstand JHaS, Leitung Think Tank Politik

Junge Erwachsene, die heute den Weg zur Hausarztmedizin auf sich nehmen, haben einen intensiven Weg vor sich. Der Numerus Clausus wird eine immer 
grössere Hürde mit zunehmend strengerer Selektion, das sechsjährige Studium hat mit der zunehmenden Spezialisierung und dem immensen medizinischen Wissenszuwachs der letzten Jahrzehnte Schritt gehalten, was sich auch auf die durchschnittlich acht- bis neunjährige Weiterbildung und die lebenslange Fortbildung auswirkt. Die heutige Zeit ist schnelllebig, die Arbeit in der Hausarztmedizin mit der zunehmenden Polymorbidität der immer älteren Bevölkerung sowie der auf allen Ebenen zunehmenden Spezialisierung eine immer grössere Herausforderung. Der Druck ist von allen Seiten gewachsen.

Dem sind sich die angehenden Mediziner/-innen durchaus bewusst – und nichtsdestotrotz entscheiden sich wieder immer mehr Junge für den Weg der Hausarztmedizin.

Aktuell stehen junge Mediziner/-innen vor der Wahl zwischen 46 verschiedenen Facharzttiteln mit zusätzlich 37 verschiedenen Schwerpunkten. Beweggründe zum Entscheid für den Facharzttitel Allgemeine Innere Medizin (AIM) mit Berufsziel Hausarzt/Hausärztin gibt es deren genug. Keine andere Fachrichtung ist vielseitiger und bietet einen abwechslungsreicheren Berufsalltag. Die breite Vertretung aller sozialer Schichten, jeden Alters und jeglicher Problematik ist wohl einzigartig. Die Langzeitbetreuung und der enge Kontakt mit den Pa­tient/-innen bieten die Grundlage für das essenzielle gegenseitige Vertrauensverhältnis sowie für eine nachhaltige und präventive bzw. salutogenetische Medizin. Dies sind auch die Bedingungen für eine optimale pragmatische und individuelle Medizin.

Schnelllebigkeit, zunehmender Leistungsdruck, immer mehr psychosomatische und chronische Erkrankungen, Erschöpfungsdepressionen oder «Burnout» sind einige in unserer Gesellschaft omnipräsente Themen – nicht zuletzt auch unter Ärzt/-innen. Müssig zu rechtfertigen, dass es eines gesunden «Egoismus» bedarf und im Sinne der Gesellschaft ist, zur eigenen psychischen und physischen Gesundheit genauso Sorge zu tragen wie zu der der Patienten. Auch, dass Gleichberechtigung in der Gesellschaft wie auch im Beruf langsam aber sicher angekommen ist, ist müssig zu diskutieren. Die Medizin ist weiblicher geworden, und die jungen Familien organisieren sich heute anders als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dies widerspiegelt sich ebenfalls im vermehrten Wunsch nach Teilzeitstellen – bei Frau und Mann! Im Hausarztberuf ist dieses Bewusstsein schon eher angekommen als in anderen Fachrichtungen und/oder Kliniken – ebenfalls ein Plus, das bei der jungen Generation gut ankommt.

Gleichzeitig fehlt es uns Jungen nicht an Ehrgeiz, die Patienten kompetent zu betreuen, ihnen als Mensch zu helfen in ihrer individuellen Krankheitssituation.

Ich freue mich sehr, Ihnen im Namen des Think Tank Politik der Jungen Hausärztinnen und -ärzte Schweiz JHaS auf den Seiten 112–113 unsere Zukunftsvision für die Hausarztmedizin 2030 zu präsentieren!

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