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20. KHM-Kongress 2018, 21.–22. Juni, KKL Luzern, «bitter-süss»

Gehaltvolle Fortbildung für ­jeden Geschmack

Franziska Zogg, Regula Capaul, André Bürki, Marc Müller

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2018.01755
Veröffentlichung: 09.05.2018
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2018;18(09):152-153

Unter dem Tagungsmotto «bitter-süss» findet am 21. und 22. Juni 2018 im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) die 20. Fortbildungstagung des Kollegiums für Hausarztmedizin (KHM) statt. Der Kongress für die haus- und kinderärztlichen Grundversorger wartet im Jubiläumsjahr mit über 50 Sessions auf, die bis auf die vier Hauptreferate als interaktive Workshops konzipiert sind und von einem erfahrenen und eingespielten Duo aus Hausarzt und Spezialist geleitet werden.

Keine Sorge: Das Tagungsmotto «bitter-süss» ist kein Abschied vom gewohnten Setting der «Gegensätze». Wie bereits 2014 mit «Wind und Weh» wollten wir 2018 mit einem nur zum Teil gegensätzlichen und inhaltlich mindestens genauso bipolaren Kongressthema für Abwechslung sorgen, bevor es 2019 mit «heiss – kalt» vertraut dialektisch weitergeht. Und wer hinter «bitter-süss» als Titel einer Jubiläumsveranstaltung (die Luzerner Fortbildungstagung wird 20 Jahre jung!) eine Spur Kritisches vermutet, liegt auch falsch. Nix, niente, nada! Der KHM-Kongress ist und war von Anfang an ein Erfolgsformat, und sein 20-jähriges Bestehen ist ein durch und durch «süsser» Grund stolz zu sein – und zum Feiern!

Bitterkeit im Medizineralltag und wie man sie am besten vermeidet

Die über 50 Sessions (Hauptreferate, Seminare und Module), die von rund 65 Referenten bestritten werden, versprechen viel neuen Input und spannende Diskussionen. Nur um einen kleinen Einblick zu geben: ­Sessions mit der Konnotation «bitter» sind zum Beispiel «Herausforderungen beim Überbringen schlechter Nachrichten» oder «Wege aus der Bitterkeit» in drei verschiedenen Kontexten («Interprofessionelle Zusammenarbeit bei der Begleitung in der letzten Lebensphase», «Palliativmedizin», «Neurologische Rehabilitation»). Weitere Schlagzeilen sind der «Bitterer Nachgeschmack bei Reflux und PPI», das Thema Ernährung («Better or bitter aging?») oder die «Bittere Pille», die unangemessene Medikation.

Es geht aber auch um das Vermeiden bitterer Erkenntnisse, Erfahrungen oder Wahrheiten: In der Pädiatrie (Wenn das Wunschkind ein Schreikind ist), in der Sportmedizin (frustvermeidende Tipps für Neuein­steiger und Ausdauerprofis) oder in der Gynäkologie ­(fraglicher Nutzen jährlicher gynäkologischer Vorsorgeuntersuchungen).

«Süsse» im Praxisalltag: Mal mehr und mal weniger Seligmachendes

Unter dem provokativen Stichwort «Süsse Versprechungen» geht es am diesjährigen KHM-Kongress einmal um die kritische Auseinandersetzung mit dem Einsatz von Biologicals in der Rheumatologie, ein weiteres Mal um personalisierte Medizin in der Onkologie. Weitere mit «süss» assoziierte Seminarthemen sind die Nephropathie bei Diabetes mellitus (der zuckrigen Erkrankung schlechthin), Schlafstörungen statt süsser Träume und süsse Nächte trotz erektiler Dysfunktion. Auch die zwei Kombinationen von süss und bitter machen neugierig. So ist «bittersüss» das Stichwort eines Workshops zur Reisemedizin (reisemedizinische Beratung ohne Zeigefinger). Unter dem Keyword «süssbitter» geht es dagegen um die mittlerweile wissenschaftlich belegten stressprotektiven Effekte dunkler Schokolade.

Ergänzt wird das Fortbildungsprogramm durch ins­gesamt elf industriegesponserte Symposien. Im Anschluss an das wissenschaftliche Programm findet am Donnerstag wiederum die Generalversammlung des Verbandes Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe) statt, gefolgt vom Jubiläums-Apéritif auf der Luzerner Terrasse des KKL, zu dem alle Teilnehmer eingeladen sind, und der KHM-Jubiläums-Night in der Villa Schweizerhof in Luzern (die Anmeldung zu diesem gebührenpflichtigen Anlass ist via Kongress-Website bis 7. Juni möglich).

Standespolitischer Roundtable

Die traditionelle standes- bzw. gesundheitspolitische Diskussion vom Freitag steht in diesem Jahr unter dem Motto «Kostendämpfende Massnahmen im Gesundheitswesen und ihre Auswirkungen auf die medizinische Grundversorgung». Unter der kompetenten Moderation von mfe-Präsident Dr. Philippe Luchsinger diskutieren auf dem Podium Dr. Philippe Baumann vom Vorstand Junge Hausärztinnen und -ärzte Schweiz (JHaS), Volkswirtschaftler und Krankenversicherungsexperte Prof. Konstantin Beck, Leiter CSS Institut für Empirische Gesundheitsökonomie, Prof. Dieter Conen, Präsident Stiftung für Patientensicherheit, National­rätin Isabelle Moret, Präsidentin H+ und Mitglied ­Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) sowie der Managed Care-Spezialist Dr. Leander Muheim.

Preise und Ehrungen

Den mit insgesamt 30 000 CHF dotierten KHM-Forschungspreis Hausarztmedizin teilen in diesem Jahr zwei Forscherteams unter sich auf:

Der 1. Preis (20 000 CHF) geht an Dr. Cédric Lanier und Team für ihre wegweisende Arbeit zum Thema elektronische Krankengeschichte (eKG). Die Hausarztmedizin-Forscher vom Universitätsspital Genf (HUG) und der Universität Genf gingen in einer Vorher-Nachher-­Studie der Frage nach, was Ärzte beim Einsatz elektronischer Dokumentationssysteme während der Konsultation (dies ist im spitalambulanten Setting in Genf bereits Pflicht) beachten bzw. tunlichst vermeiden sollten. Dabei belegten die anhand eines eigens entwickelten Schulungskonzepts beobachteten Verbesserungendie Bedeutung von Trainingskursen als wichtige Intervention.

Der 2. Preis (10 000 CHF) geht an PD Dr. Sven Streit vom Institut für Hausarztmedizin der Universität Bern für seine mit Forschern der Universität Leiden (NL) durchgeführte Analyse von Daten der «Leiden 85-plus-­Kohortenstudie». Die Forscher konnten zeigen, dass über 85-Jährige während des fünfjährigen Follow-ups eine umso stärker erhöhte Mortalität und schnellere kognitive Verschlechterung zeigten, je tiefer eingestellt ihr Blutdruck war.

Die Preise werden am Donnerstagnachmittag im ­Rahmen des präsidialen KHM-Forschungspreis-Sym­posiums übergeben, in dem der Jury-Präsident des KHM-Forschungspreises, Prof. Domhnall MacAuley (Ottawa/Kanada), seine Vision einer Schweizer Hausarztmedizin-Forschung zeichnet, die sich ohne Weiteres dem internationalen Vergleich stellen darf. Wir sind alle sehr gespannt.

Als KHM-Kopf des Jahres wird 2018 Dr. Christian Häuptle geehrt. Der langjährige Gossauer Hausarzt, der heute als Leitender Arzt für Hausarztmedizin am Kantonsspital St. Gallen tätig ist, hat schon früh den sich abzeichnenden Hausärztemangel erkannt und sich auf vielfältige Weise für die Ausbildung junger Hausärzte in seiner Region engagiert. Christian Häuptle war unter anderem massgeblich an der Entwicklung eines attraktiven und innovativen Programms auf Ausbildungs- und Weiterbildungsebene am Kantonsspital St. Gallen beteiligt.

Nun bleibt uns eigentlich nichts anderes mehr übrig, als uns darauf zu freuen, mit möglichst vielen von ­Ihnen schon bald mit einem Glas Apérol Spritz (eindeutig bittersüss) anstossen zu dürfen!

Weiterführende Informationen zum Kongress und zum Programm finden Sie online auf:

www.khm-kongress.ch/khm2018/.

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