Lehren und Forschen

Bericht über den ersten Pilotkurs in Solothurn 2. bis 3. Mai 2018

Interprofessioneller Basiskurs für das palliative Netzwerk

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2018.01810
Veröffentlichung: 10.10.2018
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2018;18(19):348

Daniel Büchea, Eva Kaiserb, Christoph Cinac

a Palliativzentrum Kantonsspital St. Gallen SG; b Hausärztin, Ärztezentrum Oberhasli, Meiringen, BE; c.Hausarzt in Messen SO

Palliative Care findet zum überwiegenden Teil in der Grundversorgung statt. Damit dies gelingt, müssen sich die verschiedenen Professionellen gegenseitig kennen sowie sich ihrer eigenen Rolle im Netzwerk bewusst sein. Damit bleibt Interprofessionalität nicht mehr nur ein Schlagwort, vielmehr wird sie zum gelebten Miteinander zum Wohle der Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen.

Gemeinsames Kennen als Grundlage

Am Abend des 2. Mai 2018 trafen sich alle wichtigen Netzwerkpartner des Kantons Solothurn: Hausärzte, Spitex, Spitäler, Heime für Behinderte, Gerontopsychiatrie, Pflegeheime aber auch Kirchen, Rettungsdienst und Apotheken. Gemeinsam mit den operativ Tätigen wurde aus diesen Organisationen die Führungsebene sowie Vertreter der Politik eingeladen. Ziel dieser Veranstaltung am Vorabend der Schulung war es, für die Anliegen von Palliative Care zu sensibilisieren, die Bedürfnisse der involvierten Organisationen und Institutionen zu eruieren und das Projekt vorzustellen.

Gemeinsames Lernen als logische ­Konsequenz

Am 3. Mai fand dann die interprofessionelle Schulung für die operativ tätigen Netzwerkpartner statt. Im Kreise der zahlreich vertretenen Berufsgruppen wurde anhand von Patientenbeispielen aufgezeigt, was eine vorausschauende Planung bringen kann bzw. welche Herausforderungen auftreten können, wenn diese nicht durchgeführt und kommuniziert wird. In einem Fallbeispiel wurde die Betreuungskette – Heim für Menschen mit Behinderungen, ambulante Dienste (Hausärztin/-arzt), Betreuungspersonen, Rettungsdienst, Akutspital mit Notfallstation, Intensivstation, Palliativstation und zurück ins Pflegeheim – aufgezeigt. Auch konnten hier die Rollen der Professionellen ­erlebt werden – Sozialpädagoge, Hausärztin, Pflegefachperson im Heim für Menschen mit Behinderungen, Betreuungsperson, Rettungssanität, Notarzt, ­Intensivstation-Team, Team der Palliativstation, Seelsorgende, Sozialarbeiterin, Casemanager der Versicherungen (Unfallversicherung, Krankenkasse). Zusätzlich konnten aber auch die Instrumente, die in der Palliativversorgung wichtig sind, kennen gelernt ­werden – Betreuungsplan, Vorsorgeauftrag, Patienten­verfügung – und die Vorgehensweisen gemäss der ­juristischen und ethischen Richtlinien aufgezeigt werden – Runder Tisch, ethische Entscheidungsfindung.

Dies führte zu einem gegenseitigen Verständnis der Rollen der einzelnen Professionellen, der Wichtigkeit der Kommunikation und damit auch der Kommunikationsmittel. Sich gegenseitig zu kennen und wissen, wo man Hilfe holen kann – Helpline, Strukturen der spezialisierten Palliative Care – ist essenziell für ein funktionierendes Netzwerk und gibt Sicherheit in der täg­lichen Arbeit. Auf Konsens basierende Standards und Tools, wie digitale Vernetzung mit der Palliative Care App, sowie die Klärung des Patientenpfades sind somit wichtige Garanten für eine erfolgreiche interprofessionelle Zusammenarbeit.

Gemeinsames Ziel als höchstes Gut

Mit dieser Tagung konnte nach dem Prinzip von «teach locally» ein Kompetenzgewinn für alle Anwesenden und die von ihnen vertretenen Strukturen erreicht werden. Wir durften viele in ihrem Tun gestärkte Netzwerker entlassen und sind überzeugt, dass dieser Tag zur vermehrten Sicherheit und damit auch zur Verbesserung in der Betreuung der Palliativpatienten beigetragen hat. Ein ähnliches Treffen wird in einem Jahr wiederholt werden.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?


Gerne führen wir zusammen mit Ihnen einen interprofessionellen Basiskurs für das Palliative Netzwerk bei Ihnen durch. Bei ­Interesse melden Sie sich bei: Michaela Forster, Akademie Palliativzentrum, Kantonsspital St. Gallen, Rorschacherstrasse 95, CH-9007 St. Gallen, michaela.forster[at]kssg.ch

Credits

Kopfbild: © Denis Linine | Dreamstime.com

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Dr. med. Chistoph Cina
Facharzt Allgemeine Innere Medizin
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