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Delegiertenversammlung von mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz 22. November 2018 in Bern

Das Rezept für eine gesunde Schweiz – die Lösung heisst: Hausarztmedizin

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10017
Veröffentlichung: 02.01.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;0(01):14-16

Sandra Hügli-Jost

Kommunikationsbeauftragte mfe, Haus- und Kinderärze Schweiz

«Hausärzte reden über Rendite», kommentierte die NZZ die mfe-Kampagne «Das Rezept für eine gesunde Schweiz». Die Imagekampagne wurde im August erfolgreich lanciert; die Kernbotschaft, dass die Stärkung der Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte der Schlüssel zum kosteneffizienten Gesundheitswesen ist, wurde gehört. Passend zum Thema widmete sich die diesjährige Herbst-Delegiertenversammlung im politischen Teil den Kostendämpfungsmassnahmen im Gesundheitswesen.

Rund 60 Delegierte diskutierten in Bern engagiert über Gesundheitspolitik, Kostendämpfungsmassnahmen, Finanzen, Tarife und Kommunikationsaktivitäten. Am Vormittag stellten die Ressorts und Kommissionen ihre aktuellen Themen vor, am Nachmittag wurde das Hauptthema der Delegiertenversammlung diskutiert – die bundesrätlichen Ideen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen.

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Gruppendiskussion unter der Leitung der Vizepräsidentin Heidi Zinggeler Fuhrer.

Massnahmenpaket zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen

«In der Politik wird zu viel über Kosten und zu wenig über Qualität diskutiert. Nur, wenn beides stimmt, können wir langfristig eine optimale medizinische Versorgung der Schweizer Bevölkerung sicherstellen – die Hausarztmedizin ist der Schlüssel dazu. Dies wollen wir mit unserer Kampagne selbstsicher vermitteln. Die Haus- und Kinderarztmedizin bietet kosteneffizient eine optimale, qualitativ hochstehende Behandlung, was sich auch wissenschaftlich belegen lässt», führte Philippe Luchsinger in das Thema ein.

Als Gastreferent stellte Professor Tilman Slembeck, ZHAW, das im Auftrag des Bundesrates erarbeitete Mass­nahmenpaket 1 zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen vor. «Für das Expertenteam war dies eine ­‹mission impossible›. Unser Auftrag war, Massnahmen zu finden, die möglichst wirksam sind und gleichzeitig möglichst rasch und vor allem ohne Gesetzes­änderungen umgesetzt werden können», so Slembeck. Er erläuterte offen, dass bereits in der ersten Sitzung der Expertengruppe klar war, dass diese Ziele zwar unrealistisch sind, der Auftrag aber trotzdem ­umgesetzt werden musste. Die Arbeitsgruppe setzte sich nicht ausschliesslich aus Personen aus dem Gesundheits­wesen zusammen. Neben Chefbeamten der Bundesverwaltung, Forschern und Ärztinnen und Ärzten ­beteiligten sich unter anderem auch Gesundheitsökonomen unter der Leitung von Verena Diener. Im Wissen, dass Vergleiche zum Ausland immer mit Vorsicht zu geniessen sind, nahm die Expertengruppe auch ­Inputs aus den Niederlanden, Deutschland und Frankreich auf. Daraus entstand das Massnahmenpaket 1.

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Prof. Tilman Slembeck, Philippe Luchsinger, Reto Wiesli und Yvan Rielle.

mfe-Standpunkte zum Massnahmenpaket

Das Massnahmenpaket 1 wurde von der mfe-Tarifkommission und dem mfe-Vorstand eingehend analysiert und diskutiert. Yvan Rielle, Tarfikommission, stellte den Entwurf einer Vernehmlassungsantwort von mfe vor. Dieser Vorschlag wurde in Workshop-Gruppen intensiv diskutiert.

Grundsätzlich zeigt mfe Verständnis für die Initiative des Bundesrates zur Entwicklung eines solchen Massnahmenpakets. Allerdings ist vor allem die einseitige Fokussierung auf die Kosten zu wenig differenziert, greift zu kurz und muss zwingend angepasst werden. Ein revidierter Tarif der Ärzteschaft in Zusammen­arbeit mit Curafutura und MTK (Medizinaltarif-Kommission UVG) liegt vor – mfe setzt weiterhin auf die ­Tarifautonomie und geht davon aus, dass ein partnerschaftlicher Tarif – gemäss gesetz­licher Regelung – auch in Zukunft einem behördlichen Eingriff vorgezogen wird. Einige der vorgeschlagenen Massnahmen gehen in die richtige Richtung und sollten in künftige Umsetzungen einfliessen – das Gesamtpaket geht insgesamt aber deutlich zu weit. Hier die wichtigsten Aspekte aus den Delegierten-Workshops, die teilweise in die offizielle Stellungnahme integriert wurden:

– Fokus auf Massnahmen, welche die Haus- und Kinderärzt/-innen betreffen

– Pilotprojekte/Experimentierartikel unbedingt auf freiwilliger Basis

– Finanzierung der Experimente muss zuerst geklärt werden

– Ein gutes Experiment wäre zum Beispiel der Umgang mit Notfällen – Spitäler sollen von «falschen Notfällen» entlastet werden

– Nationales Tarifbüro schränkt die Autonomie ein

– Preispauschalen sind kritisch, Patientenbedürfnisse werden zu wenig berücksichtigt

– Multi-Governance im Spitalbereich sollte dann auch für Anspruchsgruppen wie Gemeinden, Patientenorganisationen und Ärztegesellschaften gelten

– Referenzpreissysteme sollten nicht mit einer erhöhten Administration verbunden sein

– Ausnahmen müssen gerade im Bereich Pädiatrie möglich sein

– Anstatt Referenzpreise eher Maximalpreise pro Substanz

– Unerwünschte Nebenwirkungen in der Qualität und bei der Sicherheit dürfen nicht sein

– Transparenz auf allen Ebenen ist vordringlich

– Nicht nur die Finanzen isoliert betrachten, sondern die Qualität der Versorgung nicht aus den Augen verlieren

– Rechnungen sollen für Patienten verständlicher werden.

– Höchstpreise für Medikamente sind prüfenswert

– Fallpauschalen werden abgelehnt – haben eher zu höheren Kosten geführt

Die offizielle Stellungnahme von mfe zum Vernehmlassungsverfahren «Massnahmen zur Kostendämpfung – Paket 1» finden Sie auf unserer Website.

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Abstimmung nach intensiver Debatte.

Stärkung von mfe

Die Diskussionen um das Budget und die Statuten wurden lebendig geführt. Unter dem Strich sprachen sich die anwesenden Delegierten klar dafür aus, den Verband zu stärken. So fand im Budget ein Antrag aus der Versammlung zu höheren Mitgliederbeiträgen breite Unterstützung, der Wunsch nach einer starken Ver­tretung kantonaler Delegierter wurde mit einer ­Statutenänderung bekräftigt und der Aufruf zur Mitgliederwerbung ideenreich unterstützt. Kurz: Die Delegiertenversammlung am Bahnhof Bern war ein Erfolg und ein positiver Schlusspunkt im Verbandsjahr!

Beschlüsse der Delegiertenversammlung.
ThemaBeschluss
Finanzen– Mit 31 Ja zu 2 Nein bei 2 Enthaltungen beschliessen die Delegierten, den Mitgliederbeitrag für die ­ordentliche Mitgliedschaft neu ab 2019 auf CHF 4ww50.– pro Jahr festzulegen.
– Das Budget 2019 wird einstimmig angenommen.
Informationen ­GesundheitspolitikDie Delegierten beschliessen mit 29 Nein-Stimmen zu 7 Ja-Stimmen und 3 Enthaltungen, die Charta «mfe – PharmaSuisse» nicht zu unterzeichnen und erteilen dem mfe-Vorstand den ­Auftrag, die Charta neu zu verhandeln.
AnträgeArt. 18 – «Funktion und Zusammensetzung (der Delegiertenversammlung)» der Statuten wird ­angepasst. Neu:
– Jeder Kanton hat Anspruch auf mindestens einen Sitz;
– Kantone mit 200–400 Mitgliedern haben Anspruch auf einen zweiten Sitz;
– Kantone mit 401–600 Mitgliedern haben Anspruch auf einen dritten Sitz;
– Kantone mit über 600 Mitgliedern haben Anspruch auf einen vierten Sitz.

Redaktionelle ­Verantwortung:
Sandra Hügli, mfe

Korrespondenzadresse

Sandra Hügli-Jost 
Kommunikations­beauftragte mfe Haus- und ­Kinderärzte Schweiz
Geschäftsstelle
Effingerstrasse 2
CH-3011 Bern
Sandra.Huegli[at]hausaerzteschweiz.ch

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