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CIRS-Flash Nr. 7

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10036
Veröffentlichung: 03.04.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;19(04):122

CIRS-Flash Nr. 7: Morgendliche Hypos

«Eine Diabetikerin, die schlecht Deutsch spricht und Analphabetin ist, wird mit einem Basis-Bolus-Schema eingestellt (Insulin Degludec und 3 × tgl. Insulin Aspart).

Die Patientin kommt im Verlauf in die Hausarztpraxis (HbA1c 7,1%). Dabei schildert sie Episoden, in denen sie nervös sei und schwitze. Im Verlauf des Gesprächs stellt sich heraus, dass die Patientin nie ein Frühstück einnimmt und sich trotzdem immer eine Morgendosis Insulin Aspart spritzte.»

Kommentare

1. Insulin ist natürlich besonders gefährlich und bei den Medikationszwischenfällen immer ein Spitzenreiter. Es lohnt sich einfach auch hier, den Patienten zu fragen, welche Medikamente er wie anwende und wie es ihm dabei geht. Gesagt ist nicht verstanden, und verstanden heisst nicht befolgt ...

2. Wir sollten nie vergessen, dass nicht wenige Patienten aus ärmeren Ländern, die bei uns leben, einerseits unsere Sprache nicht so gut verstehen, andererseits aber manchmal auch kaum oder gar nicht lesen können (erst recht nicht unsere Schriftzeichen). Wegen einfacher oder fehlender Schulbildung schämen sie sich oft und wagen nicht einzugestehen, dass sie nicht alles verstanden haben.

3. Personen mit mangelhaften Sprachkenntnissen kommen oft in Begleitung von Angehörigen oder nahen Freunden. Diese sollten neben der Übersetzung auch als Hilfe bei der Behandlung einbezogen werden (vier Augen und Ohren nehmen mehr wahr als zwei).

Für Ihren nächsten Fall: www.forum-hausarztmedizin.ch.

Herzlichen Dank!

Das CIRS Team

Esther Henzi, Markus Gnädinger

Credits

Kopfbild: © Christoph Weihs | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Dr. med. Markus Gnädinger
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
Birkenweg 8
CH-9323 Steinach
markus.gnaedinger[at]hin.ch

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