Editorial

Welche Zukunft hat eine Stiftung wie das KHM?

«Eine Stimme, eine Struktur»

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10038
Veröffentlichung: 06.03.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;19(03):63

François Héritier

Neuer Präsident des KHM

Unter dem Motto «Eine Stimme, eine Struktur» wurde 2009 der Berufsverband mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz gegründet. Die Idee war schön, ehrgeizig und herausfordernd. Die Grundversorgung brauchte ein starkes, einzigartiges und repräsentatives Organ, das von der Politik gehört wurde und mit seinen Forderungen betreffend Ausbildung und finanzieller Aufwertung erfolgreich war.

Wo stehen wir jetzt, zehn Jahre danach? Seit der Gründung der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) im Jahr 2016, die durch die Fusion von SGIM und SGAM entstanden ist, gibt es nun betreffend Ausbildung und Förderung der stationären und ambulanten Allgemeinmedizin nur noch eine Struktur. Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) bietet ihrerseits faktisch die gleichen Dienstleistungen für die Kinder­medizin an. Und mfe ist zu einem Muss in der Politik- und Gesundheitslandschaft geworden und kann einige gute Ergebnisse (tarifär und medial) vorweisen. Dies im Unterschied zu anderen Ärztegruppen, die in den letzten Jahren kaum etwas Vergleichbares vorweisen können. Wo also hat hier noch die Stiftung Kollegium für Hausarztmedizin (KHM) seinen Platz?

Um diese Frage zu beantworten, können und müssen einige Überlegungen angestellt werden. Eine gute Gelegenheit bietet sich nun gerade beim Wechsel des Präsidiums des KHM. Nach zwei vierjährigen Amtszeiten trat Pierre Klauser Ende 2018 zurück. Der renommierte Kinderarzt hat viel Diplomatie (integer und demütig) bewiesen, und damit die grosse Familie der Allgemeininternisten und Kinderärztinnen zusammengehalten.

Wir haben sicherlich mehr Gemeinsamkeiten als Unstimmigkeiten, vor allem, wenn es um die Berufspolitik geht. Wie unsere pädiatrischen Kollegen jedoch gerne mal wiederholen: Die Pädiatrie ist nicht die ­Medizin der kleinen Erwachsenen, sie hat ihre eigenen Besonderheiten. Wie sieht nun also die Zukunft der Stiftung KHM aus?

Diese Institution, die vor fast einem Vierteljahrhundert gegründet wurde, als die Notwendigkeit einer ­nationalen Organisation der medizinischen Grund­versorgung aufkam, kann heute mit dem bereits überzähligen (?) Bestand (SGAIM, SGP, mfe) und nun noch SAFMED (Schweizerische Akademie für Familienmedizin), dieser neuen, im Übrigen vom KHM finanzierten Plattform, die alle Schweizer Universitätsinstitute für Hausarztmedizin vereint, in Frage gestellt werden. Mit der Idee, Strukturen zur besseren Sichtbarkeit sowohl bei unseren Mitgliedern als auch bei politischen und medialen Organen zu vereinfachen, verdient eine Vision der Hausarztmedizin jedenfalls eine Diskussion und Neudefinition.

Es besteht Einigkeit darüber, dass eine nationale Instanz zur Zusammenarbeit bei Fragen betreffend ­Pädiatrie und der Allgemeinen Inneren Medizin auf akademischer, ambulanter oder Krankenhausebene erforderlich ist. Die Hausarztmedizin, wie sie im Artikel 117a unserer Bundesverfassung erwähnt wird, spielt auch eine wesentliche Rolle bei der Gewährleistung eines gerechten und nachhaltigen Gesundheitssystems. Aber welche Institution wird benötigt, um diese Werte aufrechtzuerhalten, welche Einheit, um die Gesundheit von morgen aufzubauen, die einer starken Primärversorgung, interprofessionell und akademisch?

Eine Stimme, eine Struktur …

Redaktionelle ­Verantwortung:
François Héritier, KHM

Credits

Kopfbild: ID 25250032 © Anujit Singkham | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Fabian Egli
Leiter Kommunikation, Kollegium für Hausarzt­medizin KHM
Rue de l’Hôpital 15
Postfach 1552
CH-1701 Fribourg
fabian.egli[at]kollegium.ch

Verpassen Sie keinen Artikel!

close