Aktuelles

KHM Kongress in Luzern

mfe3: Generalversammlung, ­Jubiläumsapéro und Roundtable

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10122
Veröffentlichung: 31.07.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;19(08):

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Einmalige Kulisse am Jubiläumsapéro.

Zum Ersten …

Der KHM Kongress bot auch dieses Jahr den Rahmen für die 10. Generalversammlung von mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz. Bei Rekordtemperaturen beteiligten sich 45 Mitglieder an der Generalversammlung und 180 Gäste am anschliessenden Jubiläumsapéro – gemeinsam mit dem KHM. Ein kurzer Rückblick des mfe-Präsidenten Philippe Luchsinger gab den Mitgliedern einen Einblick in die Verbandsarbeit 2018. Schwerpunkte bildeten neben der intensiven Arbeit der Tarifkommission die Lancierung der Initiative «Ja zum Schutz der Kinder und ­Jugendlichen vor Tabakwerbung», neun politische ­Stellungnahmen zu Vernehmlassungen sowie die Lancierung der Imagekampagne «Das Rezept für eine ­gesunde Schweiz».

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Philippe Luchsinger und François Héritier haben allen Grund zu feiern.

Zum Zweiten ….

Der Apéro zum 10-jährigen mfe-Jubiläum fand bei wunderschöner Stimmung auf der Terrasse des KKL statt; ideal, um alte Kontakte aufzufrischen und neue zu knüpfen. «Ich bin Hausarzt aus Leidenschaft und mit Leidenschaft», lautete eine der vielen Aussagen aus dem kurzen Imagefilm, der die Begrüssung von Philippe Luchsinger eröffnete. «10 Jahre mfe – wir ­dürfen stolz auf das Erreichte zurückblicken und sollten gleichzeitig mit derselben Motivation und Überzeugung die Herausforderungen der Zukunft anpacken. Es lohnt sich, mfe-Mitglied zu sein – wir sind die Stimme der Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte. Heute und in Zukunft», so die überzeugte Botschaft des Präsidenten.

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Sogar die Drinks waren im Corporate Design; rot für mfe und orange für die JHaS.

… und zum Dritten

Macht das System so gut, dass wir Ärztinnen und Ärzte freiwillig mitmachen!

Als Ergänzung zum medizinischen Kongressprogramm widmete sich der standespolitische Round­table von mfe einem heiss umstrittenen Thema – dem elektronischen Patientendossier (EPD). Was für Spitäler ab 2020 zur Pflicht wird, bleibt für Patientinnen und Patienten sowie Haus- und Kinderärzte nach wie vor freiwillig. Die aktuelle Situation, Vor- und Nachteile des EPD sowie Zukunftsperspektiven ­diskutierten Pius Bürki (Vorstandsmitglied mfe), Fried-Michael Dahlweid (Direktor Technologie und Innovation am Inselspital Bern), Adrian Schmid (Leiter eHealth Suisse), Reinhold Sojer (Leiter Digitalisierung/eHealth FMH), Andreas Lengen (Leiter ICT Axsana AG) sowie Nationalrat Thomas Weibel (GLP, Mitglied SGK). Geleitet wurde das Podiumsgespräch von Barnaby Skinner, Leiter Datenjournalismus bei ­Tamedia AG.

Die Frage, ob die Schweiz überhaupt ein EPD benötige, bewegte die Gemüter. Nationalrat Thomas Weibel meinte überzeugt: «Die Digitalisierung ist eine Tatsache und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Das Gesundheitswesen kann und darf sich dem nicht verschliessen.» Das EPD sei das Flaggschiff der Digitalisierung und deshalb notwendig. Einwände, dass das EPD für Ärztinnen und Ärzte zu arbeitsintensiv sei und noch viel zu viele Kinderkrankheiten hätte, wurden von Fried-Michael Dahlweid relativiert: «Auf Spitalseite leisten wir heute einen enormen finanziellen wie personellen Initialaufwand und stellen uns damit der Verantwortung. Wir tun dies nicht nur, weil wir ge­setzlich dazu verpflichtet sind, sondern auch aus der Überzeugung heraus, dass wir langfristig davon pro­fitieren werden. Selbst wenn dies im Moment noch nicht konkret spürbar ist.» Was sind die Treiber des EPD? Hauptziele müssten eine höhere Qualität und Patientensicherheit sein, wurde unisono festgehalten. Und Pius Bürki ergänzte: «Das EPD muss in erster Linie dem Patienten nützen. Heute haben Patientinnen kaum Zugang zu ihren Gesundheitsdaten.»

Kritisiert wurden die Mängel des EPD. Das Primärsystem sei zu wenig strukturiert und die stetig wachsende Datenmenge erschwere ein gutes Handling der Daten. Zudem seien die Informationen aktuell in Form von PDF-Dateien abgelegt, womit sich die Frage nach dem Mehrwert einer solchen Datensammlung stelle. Adrian Schmid entgegnete: «Wir sind in einer Startphase und sicherlich muss das System laufend optimiert werden. Lasst uns aber starten und Erfahrungen sammeln. Nur so können die Optimierungen folgen.» Die ­Akzeptanz in der Ärzteschaft ist allerdings nur bedingt vorhanden. So nehmen aktuell nur gerade 12 Prozent der Ärztinnen und Ärzte das EPD positiv wahr. «Daran müssen wir dringend arbeiten», so Pius Bürki. «Einerseits müssen wir mit guten Schulungsangeboten der Ärzteschaft den Einstieg erleichtern. Andererseits betonen wir immer wieder, dass das EPD erst dann für uns Ärzte interessant wird, wenn es einen echten Mehrwert, wie zum Beispiel Arbeitserleichterung, Qualitätssteigerung, ge­ne­riert! So müssen Daten automatisch ausgetauscht werden können, beispielsweise Impfdaten, Medikamentenlisten und Allergien. Es kann nicht sein, dass wir wichtige Daten wie Medikamente zweimal erfassen müssen. Wir sind Ärzte, nicht Codierer!»

Ein Problem für die Experten stellt die Sicherheit der elektronischen Daten dar. Reinhold Sojer: «Eine 100%ige Sicherheit in den IT-Systemen gibt es heute leider nicht. Damit müssen wir leben und im Praxis­alltag umgehen können. Der grösste Risikofaktor bleibt allerdings der Endanwender in der Praxis. Deshalb sind hier dringend Schulungen und eine kontinuierliche Sensibilisierung notwendig.» Doch Adrian Schmid hält fest, was für Haus- und Kinderärzte das Wichtigste ist: «Unser Ziel ist klar – das EPD muss für den Praxis­alltag nützlich und austauschbar sein.»

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Hochkarätige Diskussionsrunde am politischen Roundtable.

Redaktionelle ­Verantwortung: Sandra Hügli, mfe

Korrespondenzadresse

Sandra Hügli-Jost
Kommunikations­beauftragte
mfe Haus- und
Kinderärzte Schweiz
Geschäftsstelle
Effingerstrasse 2
CH-3011 Bern
Sandra.Huegli[at]hausaerzteschweiz.ch

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