Editorial

Auf Augenhöhe debattieren

«Politics sucks»

DOI: https://doi.org/10.4414/phc-d.2019.10132
Veröffentlichung: 04.09.2019
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2019;19(09):

Philippe Luchsinger

Präsident mfe, Haus- und Kinderärzte Schweiz

Schockiert? Politik ist übel, böse, unangenehm, furchtbar … Dass diese Aussage so dasteht, von jemandem geschrieben, dessen Aufgabe es ist, die Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte gerade in dieser Politik zu vertreten, kann denn das sein? Gut, ich habe abgeschrieben, ich gestehe. Bei Donald.

Eigentlich ist der vorliegende Text ja viel zu lang. Die heutige politische Kommunikation findet getwittert in kurzen Botschaften statt, stilistisch unbedarft, mit Schreibfehlern und inhaltlichen Mängeln. So bleibt man im Job! Im Gegensatz zum Botschafter seiner Majestät, der fundiert dargelegt hat, was in den USA alles schräg läuft. Dafür wurde er seines Postens enthoben.

Auch wenn wir uns bei mfe Mühe geben, auf der Höhe der Zeit zu sein und uns in den sozialen Medien äussern, so legen wir doch Wert darauf, dass Diskussionen sorgfältig geführt werden. Dafür braucht es gegenseitigen Respekt, dazu gehört, die Argumente der anderen anzuhören und auf Augenhöhe zu debattieren. Gesundheitspolitik ist ein heikles Pflänzchen, zu viele Interessen sind Teil der meist monothema­tischen Bemühungen, zu komplex ist die Situation ­bezüglich Kompetenzen und Finanzierung. Ent­sprechend sind Veränderungen nur mit grossen Schwierigkeiten einzuführen, und häufig werden sie verurteilt, ohne deren Folgen abzuwarten. Die Tarif­eingriffe sind ein entsprechendes Beispiel. Und doch sollte es Wege geben, unser zugegebenermassen qualitativ gutes Gesundheitswesen weiterzuentwickeln. Ohne ernsthafte und sorgfältige Diskussion wird das aber nicht gehen! Wir von mfe offerieren dazu eine Plattform an unserem ersten Symposium vom 26. September 2019 im Rathaus Bern (Anmeldung und Programm unter www.mfe-symposium.ch).

Im Fokus dieser Veranstaltung steht unser «Rezept für eine gesunde Schweiz». Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte sind die Basis und die Garanten für eine Gesundheitsversorgung, die vernünftig, mit akademischem Background und im Wissen um die Komplexität behandelt wird. Das ist ja nicht neu; dies belegen Untersuchungen in vielen Ländern und vor allem die Quervergleiche zwischen den verschiedenen Gesundheitssystemen: Je mehr Hausarzt drin ist, desto besser, plakativ gesagt.

An unserem Symposium wollen wir nicht die Erfolge abfeiern (auch wenn sie respektabel sind), sondern wir wollen weiterdenken: Wie sehen die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen die Zukunft des Haus- und Kinderarztes? Welchen Platz soll er oder sie einnehmen? Wie soll er oder sie in diesem komplexen Feld positioniert sein und welche Veränderungen im Berufsbild der Haus- und Kinderärztin sind erwünscht, welche nicht?

Wir sind uns bewusst, dass wir mit dieser fundierten, sorgfältigen und respektvollen Diskussion eigentlich nicht dem Trend in der Politik folgen. Heute ist es üblich, kurze Statements zu verbreiten, deren Wahrheitsgehalt nicht unbedingt gross ist – Aufmerksamkeit ist wichtiger. Auch der Gesundheitspolitik bleibt dies ­leider nicht erspart; punktuelle Interventionen ohne Rücksicht auf das Gesamte nehmen zu und werden als Wundermittel gepriesen. Die gesundheitspolitischen Diskurse und Ziele der Parteien in der Schweiz sind ­leider häufig ein Sammelsurium solcher Ideen, ohne Gesamtkonzept. Oder werden wir im Wahlkampf noch eines Besseren belehrt? Die letzten Tage lassen eher das Gegenteil erwarten.

Wir erlauben uns trotzdem, gegen den Strom zu schwimmen und gemeinsam mit unseren Partnern Lösungen zu finden. Auch wenn das anachronistisch ist.

Redaktionelle ­Verantwortung:
Sandra Hügli, mfe

Credits

Kopfbild: © Valery Bareta | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Sandra Hügli-Jost
Kommunikations­beauftragte
mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz
Geschäftsstelle
Effingerstrasse 2
CH-3011 Bern
sandra.huegli[at]hausaerzteschweiz.ch

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