Kollegenschelte

Bernhard Gurtner

Anamnestik

Kollegenschelte

Zuhören heisst nicht zustimmen

Wenn sich Patientinnen oder Patienten im anamnestischen Gespräch über früher konsultierte Ärzte oder Spitäler beklagen, entsteht immer eine heikle Situation. Ob die Vorwürfe zu Recht erfolgen, lässt sich oft nicht erkennen. Selbst wenn offensichtlich Fehler oder Versäumnisse vorgekommen sind, wird man ohne genaue Kenntnis der Umstände nicht zustimmen, gerät dadurch aber in Verdacht, die Berufskollegen schonen zu wollen. 

Meist hilft, wenn man sich die Schilderungen aufmerksam, aber kommentarlos anhört und Verständnis für die erlittenen Frustrationen zeigt. Wird das Klagelied zu lange, darf man höflich dar­um bitten, nicht überprüfbare Einzelheiten wegzulassen. Gegebenenfalls wird man anbieten, Kontakt mit den betreffenden Stellen aufzunehmen.

Wer in die Kollegenschelte mit einstimmt oder Arztberichte spöttisch kommentiert, kann zunächst zwar einige Punkte bei seiner Kundschaft gutmachen, muss aber damit rechnen, dass seine Bemerkungen verzerrt weitererzählt werden. Man darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn man selbst als nicht ganz vertrauenswürdiger Arzt eingestuft wird.

Bernhard Gurtner

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