access_time veröffentlicht 05.09.2017

Vergiftungen in der Schweiz 2016

Organisationen

Vergiftungen in der Schweiz 2016

05.09.2017

Tox Info Suisse, die schweizerische Notfallauskunftsstelle für Vergiftungen unter Tel. 145, veröffentlicht seinen Jahresbericht 2016. Darin publiziert sind die bereinigte Vergiftungsstatistik und Angaben zum Schweregrad der Intoxikationen.

2016 wurden 39'547 Beratungen durchgeführt, über 36'400 Beratungen zu Giftkontakten und 3100 prophylaktischer Natur. Knapp 18'000 Giftkontakte betrafen Kinder, meist im Vorschulalter. Knapp drei Viertel aller Vergiftungen geschehen mit Medikamenten, Haushaltprodukten oder Pflanzen. Sechs der neun Todesfälle gehen auf das Konto der Medikamentenvergiftungen, und je ein weiterer war durch Pflanzen, Chemikalien und Jauchegase bedingt. Von den schweren Fällen sind 68% durch Medikamente und 18% durch Genussmittel und Drogen verursacht.

56,0% der Expositionen betrafen Kinder, mehrheitlich im Vorschulalter (81,7% aller Expositionen bei unter 16‐Jährigen traten bei Kindern <5 Jahren auf). Bei der Geschlechtsverteilung war bei den Kindern ein leichtes Überwiegen der Knaben (51,2% vs. 47,3% Mädchen) und bei den Erwachsenen der Frauen (58,9% vs. 40,6% Männer) zu sehen. 90% der knapp 26'500 unbeabsichtigten (akzidentellen) Vergiftungen ereigneten sich im häuslichen Milieu, bei den gut 4800 beabsichtigten Intoxikationen trat die grösste Anzahl (67%) im Rahmen von Suizidversuchen auf. Der grösste Anteil an schweren Intoxikationen (274 Erwachsene, 12 Kinder oder Jugendliche) fand sich bei Vergiftungen mit Drogen, Giften in Landwirtschaft und Gartenbau sowie giftigen Tieren (Tab. 1).

Tox Info Suisse weist auf einige aktuelle Beobachtungen hin:

  • Die Anzahl der Vergiftungen durch Überdosierung mit dem Schmerzmittel Paracetamol hat sich seit 1995 mehr als verdoppelt.
  • In Wasserpfeifen (sog. Shishas), in denen der Rauch auf glühenden Holzkohlenstücken erzeugt wird, entsteht Kohlenmonoxid, das zu schweren Vergiftungen führen kann.
  • Eine Analyse der Kinderfälle mit Methämoglobinämie zeigte, dass bei kleinen Kindern meisten falsch zubereitete Gemüsebreie der Auslöser waren. Deren Nitratgehalt führt zur Oxidation des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin zu Methämoglobin, das keinen Sauerstoff transportieren kann.

Weitere Informationen sind auf der Website von Tox Info Suisse zu finden www.toxinfo.ch.

 

Bildnachweis: © Gstudioimagen | Dreamstime.com

Bloggen Sie mit!

Wollen Sie auch einen Blogbeitrag publizieren? Dann schreiben Sie uns!

Mail an Redaktion

Verpassen Sie keinen Artikel!

close