access_time Publié 12.12.2017

Arztgeschichten

Edy Riesen, Redaktor Primary and Hospital Care

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Arztgeschichten

12.12.2017

Michail Bulgakow

"Er lebt, er lebt", murmelt Pelageja Iwanowna und legt den Säugling auf ein Kissen ...

Haben die Erzählungen in dem schmalen Band noch mit uns heutigen Ärztinnen und Ärzten zu tun? 

Und ist es wirklich erst hundert Jahre her, seit sich die Dramen abspielten, die der 25-jährige Mediziner und spätere Schriftsteller 1917 weit draussen in einer gottverlassenen Provinz, mitten in Eis und Schnee als einziger Arzt in einem primitiven Krankenhaus arbeitend, erlebte und festhielt? Mit schonungsloser Offenheit und gelegentlicher Ironie beschrieb er seine Zweifel und seine stete Überforderung; ganz am Rande auch seinen Stolz, wenn ihm etwas gelang. Das Büchlein ist - um einen etwas altertümlichen Vergleich zu wagen -starker Tabak mit einem tiefen Aroma aus fernen Zeiten und der besonderen Melancholie des immer unverstandenen Russlands. 

Dabei ist Bulgakows Mitgefühl für die von Krankheiten und Unfällen Gezeichneten oder Sterbenden immer spürbar. Bereits in diesen frühen Erzählungen zeigt sich der souveräne Stilist, der zu den Grossen der russischen Literatur gezählt wird, der aber unter der Repression Stalins schwer leiden musste und keine fünfzig Jahre alt wurde.

Zu der Frage am Anfang: Wenngleich die meisten von uns das Elend und die Dramatik in diesem Ausmass nie erfahren dürften, berühren die Geschichten tief im Innern. Denn wenn wir auch in einem privilegierten Gesundheitssystem arbeiten dürfen, kennen wir Hausärzte immer wieder einmal Unsicherheit, Einsamkeit und Verlassenheit.

Ein ideales kleines Geschenk oder Mitbringsel für die Arztkollegin, den Arztfreund, aber natürlich nicht nur für diese.   

 

Aus dem Russischen von Thomas Reschke
Taschenbuch, Klappenbroschur, 144 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-630-62183-8
Verlag: Luchterhand Literaturverlag


Edy Riesen

Redaktor Primary and Hospital Care

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