access_time veröffentlicht 17.12.2020

Eine gelungene Fusion?

Dr. med. Danielle Lemann

Leserbriefe

Eine gelungene Fusion?

17.12.2020

Leserbrief zu "Eine gelungene Fusion" aus PHC 12 vom 2.12.2020.

Eine gelungene Fusion? Sicher stellt die Fusion der unterschiedlichen Kulturen der Allgemeinmedizin und der Inneren Medizin eine Chance dar. Wir sind mehr, werden besser gehört. Grossartig z.B. die gemeinsame Kampagne zur Nachwuchsstärkung oder das Commitment für «smarter medicine».

Leider erleben wir in unserer Praxis im Emmental aber auch die Schattenseiten dieser Fusion. Wir haben seit 35 Jahren viele Praxisassistent*innen mitbegleitet, auch während der früheren praktischen Prüfung, wo den jungen Ärzten und Ärztinnen während der Prüfung oft noch wesentliche Inhalte der Hausarztmedizin mitgegeben wurden. Heute fordert die Prüfung vor allem viel Theorie. Dafür merke ich an den jungen Hausärzt*innen, wie sehr zum Beispiel oft die Erfahrung einer chirurgischen oder gynäkologischen Weiterbildung fehlt.

Seit 5 Jahren ist die Begleitung von Praxisassistent*innen eher ein Mit-Leiden: Das obligatorische A-Jahr macht vielen jungen Kollegen, vor allem aber Kolleginnen mit Ziel einer Hausarztpraxis, sehr Mühe. Kann man in einer A-Klinik ein ganzes Jahr lang die für die Hausarztmedizin wesentlichen Inhalte lernen? Vor allem für Ärztinnen stellen z.B. ihre Kinder für das A-Jahr eine unüberwindbare Hürde dar, der Facharztausweis bleibt häufig auf der Strecke, und die Abwanderung in andere Fachbereiche und Spezialisierungen wird eher gefördert.

Kinder eine unüberwindbare Hürde? Das darf im 21. Jahrhundert doch nicht mehr sein! Ein halbes A-Jahr würde reichen! Warum könnte man nicht für die Ärzt*innen, die in eine Praxis wollen, nur ein halbes A-Jahr fordern? Damit kämen wir der «maximalen Individualisierung» besser entgegen. Übrigens: Es gab auch schon mal Zeiten, da wurde ein halbes Jahr Mutterschaft in der Weiterbildung zur Hausärztin angerechnet. Ich kann deshalb nicht recht verstehen, warum junge Ärztinnen den Zusammenschluss von SGIM und SGAM so bejubeln. Sollen die unterschiedlichen Kulturen die viel gepriesene Chance und die Individualisierung der Weiterbildung darstellen, dürfen sie nicht zu Ungunsten der Hausarztmedizin verwischt werden.

Dr. med. Danielle Lemann, Langnau

 

Leserbrief zu " Eine gelungene Fusion" aus PHC 12 vom 2.12.2020.

Dr. med. Danielle Lemann

Praxis für Hausarzt- und Komplementärmedizin
Bernstrasse 14
3550 Langnau

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