access_time veröffentlicht 24.02.2021

Grippeimpfung: Kritische Beurteilung und praktische Empfehlungen

Leserbriefe

Grippeimpfung: Kritische Beurteilung und praktische Empfehlungen

24.02.2021

Leserbrief 2 zu "Grippeimpfung: Kritische Beurteilung und praktische Empfehlungen" aus PHC 2 vom 3.2.2021.

Lieber Herr Tarr & Co,

besten Dank Ihnen allen für diese wissenschaftlich fundierte und ehrliche Überschau zur Grippeimpfung und ihre eingeschränkte Wirkevidenz!

Unsere naturwissenschaftlich fundierte Medizin kann den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit nur erfüllen, wenn wir Ärzte und Ärztinnen die Impfdiskussion auch in Zukunft auf diesem Niveau führen. Ärzte können und müssen Vorbildfunktion übernehmen, wenn schutzbedürftige und fragile Menschen in Heimen von Mitarbeitern, Heimleitung und Angehörigen vereint unter Druck gesetzt werden, einem Impfentscheid zu fällen, der nicht ihrem persönlichen Empfinden und Denken am Lebensende entspricht. In einem Land, das den assistierten Suizid zulässt, sollte auch ein individueller Impfentscheid selbstverständlich eingeräumt und als hohes Persönlichkeitsrecht verteidigt werden - und zwar durch alle Instanzen hindurch vom BAG angefangen (z.B. mit dem bewussten Verzicht auf ein Impfobligatorium, den ganz vorbildlichen Angaben zur Aufklärungspflicht des Arztes und zur Haftungsfrage auf der BAG-Website zu den COVID-19-Impfungen) über die kantonsärztlichen Dienste, Behörden wie die KESB (durch die nicht [mehr] urteilsfähige Patientinnen und Patienten im individuellen Impfentscheid vertreten werden müssen) und last but not least jeden einzelnen Hausarzt, jede Hausärztin.

Ein grosses Problem in diesem Zusammenhang ist die einseitige und fanatisierende Berichterstattung der Medien, die heute ja einen weit grösseren Einfluss hat als die seltenen (und aktuell häufig erschwerten) persönlichen Beratungen durch den Arzt oder die Ärztin. Denn wo der öffentliche wissenschaftliche Diskurs unterdrückt wird, gerät die Medizin - wie wir alle wissen - in ein gefährliches Fahrwasser der Staatsdienerschaft oder des Kommerzes mit bedenklichen historischen Vorbildern. Wie kann eine differenzierte Bearbeitung von wissenschaftlichen, rechtlichen und ethischen Fragen auch in Mainstream-Medien Eingang finden - wenn sie nicht durch uns Mediziner gründlich erarbeitet und vehement vertreten wird?

Mit Dank und freundlichen kollegialen Grüssen

Dr. med. Wilburg Keller Roth

 

Leserbrief zu " Eine gelungene Fusion" aus PHC 12 vom 2.12.2020.

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