access_time veröffentlicht 28.10.2020

Reden wir über das Sterben - Vermächtnis einer Ärztin und Patientin

Dr. med. Pierre Loeb, Ehemaliger Redaktor PHC

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Reden wir über das Sterben - Vermächtnis einer Ärztin und Patientin

28.10.2020

Kathryn Schneider-Gurewitsch

Kathryn war eine Kollegin, Psychosomatikerin, Organisatorin mit Master in Health Administration – gemeinsam haben wir die Rheinfeldertage moderiert – und sie war auch Patientin, eine selbstbewusste Patientin, die in ihrer Doppelrolle Ärztin und Patientin mit einer tödlichen Krankheit, genauer: drei Krebserkrankungen, wusste, dass und wie sie sterben wollte. Darüber, und wie professionell aber auch hilflos Kollegen mit dieser Situation umgingen, schrieb sie noch kurz vor ihrem Tod ein Buch, ein Vermächtnis.  
Was mir durchwegs bei der Lektüre gefallen hat – und auch ihr Temperament, ihre Courage und absolute Ehrlichkeit widerspiegelt – ist das schnörkellose Ansprechen von heiklen Themen wie Lebensqualität, unnötige Therapien am Lebensende, assistierter Suizid, Ethik und Spiritualität und was ist gutes Sterben.
Ihr Credo lautet, wie der Titel des Buches schon sagt: Reden wir über das Sterben. Sei dies mit dem Patienten, den Angehörigen, den Kollegen, im Kollegium, bei der Therapieplanung, in der Supervision. Reden wir über das Sterben und über unser Sterben. Suchen wir eine passende Sprache, lassen wir unsere Emotionen, aber auch das zur Verfügung stehende Wissen zu; dieses ist eben weit umfassender als nur die letzten wissenschaftlich erprobten Therapieansätze.


Doch lassen wir Kathryn nochmals selber sprechen:

  • Mein Credo ist, dass Offenheit immer der beste Weg ist. Offenheit bedeutet, dazu zustehen, dass wir vieles nicht wissen und nie wissen werden. (S. 12)
  • Ihr Motto: lieber ein kürzeres Leben mit bestmöglicher Lebensqualität, als durch die Hölle zu gehen. In der wahrscheinlich falschen Hoffnung ein bisschen länger zu leben. […] Und schliesslich bedeutet Offenheit, die anderen zu begleiten. Bis ans Ende. Auch wenn ihr Weg nicht unbedingt meinen Vorstellungen entspricht. (S. 18)
  • Merken sie nicht, dass sie durch diesen Aktivismus und ihre Leidensbereitschaft in der Hoffnung, noch etwas länger zu leben, gerade die Lebenszeit, die sie noch haben, vergeuden? (S. 21)
  • Die Vorstellungen über einen guten Tod sind sehr verschieden. Die kulturellen Unterschiede sind gross, der religiöse Hintergrund, die Biografien und auch die Persönlichkeiten. (S. 26)
  • …doch einen Schritt aufeinander zugehen, bevor es zu spät ist. Dann kann der Kreis in Frieden geschlossen werden. (S. 27)
  • Und es ist schwieriger, angefangene Massnahmen abzusetzen, als erst gar nicht damit anzufangen. (S. 28)
  • Man müsste den Patienten eben nicht nur sagen, was die Erfolgschancen bestenfalls sein könnten, sondern auch, was sie durchmachen müssen, um zu den seltensten Gewinnern in diesem Lotto zu gehören. (S. 33).

Das sind ein paar Zitate aus dem Büchlein von rund 150 Seiten. Es lohnt sich dieses Vermächtnis zu kaufen und sich damit auseinanderzusetzen. 

 

Kathryn Schneider-Gurewitsch
Reden wir über das Sterben
Vermächtnis einer Ärztin und Patientin
Herausgegeben von Marianne Recher, Pavel Schneider-Gurewitsch, Cécile Speitel
160 Seiten, 11,5 x 19 cm, Klappenbroschur
2. Aufl., April 2020, Limmat-Verlag Zürich 

 

Dr. med. Pierre Loeb

Ehemaliger Redaktor PHC

Ehemaliger Redaktor PHC, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,  spez. Psycho­somatische Medizin SAPPM

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