access_time veröffentlicht 13.01.2021

Replik:"Eine gelungene Fusion?"

Dr. med. Regula Capaul

Replik:"Eine gelungene Fusion?"

13.01.2021

Replik zum Leserbrief von Danielle Lemann "Eine gelungene Fusion?"

Sehr geehrte Frau Kollegin Lehmann,

besten Dank für Ihre wertschätzenden und kritischen Anmerkungen zum fünfjährigen Jubiläum der SGAIM.

Wie Ihnen bekannt sein wird, findet die gemeinsame Facharztprüfung für Allgemeine Innere Medizin seit 2011 unter der gemeinsamen Führung von SGIM und SGAM und ab 2016 durch die SGAIM statt.

Bei den Vorgaben zur Erlangung des Facharzttitels in Allgemeiner Innerer Medizin hat die SGAIM als Fachgesellschaft zwar seit 2015 Einfluss, aber federführend ist das SIWF.

Bei allen Facharzttiteln ist zumindest ein A-Jahr vorgesehen, so auch beim Fach «Allgemeinen Inneren Medizin». Hier muss ich Ihnen als Hausärztin auch entgegenhalten, dass das A-Jahr im Universitäts-, Kantons- oder grossen Regionalspital in der Hausarztpraxis sehr gewinnbringend ist. Sei es aufgrund der persönlichen Kontakte zum Zuweisungsspital, sei es wegen der spitalinternen Abläufe und der Kenntnis dieser z.T. hochspezialisierten Medizin. Jedes Insiderwissen hilft bei der Patientenbehandlung und vermindert die Schnittstellenprobleme zwischen der Hausarztpraxis und den Institutionen.

Es sollte zudem für die Assistentinnen und Assistenten in der Weiterbildung nicht schwierig sein, eine passende Stelle, eventuell in Teilzeit, in einem der 50 Schweizer Spitäler mit A-Status zu finden. Auch im Emmental haben Sie mit dem Spital Burgdorf ein A-Spital in 20 km Entfernung.

Warum eine Abwanderung in die Spezialisierung mit mindestens einem geforderten A-Jahr bei der Work-Life-Balance von Ärztinnen mit Kindern in der Weiterbildung vorteilhaft sein sollte, kann ich deshalb nicht nachvollziehen.

Ich stimme mit Ihnen überein, dass Kinder für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung heute keine unüberwindbare Hürde darstellen dürfen. Doch möchte ich zu bedenken geben, dass Kinder nicht nur eine Aufgabe für Ärztinnen, sondern auch für deren Partner sind. Es kann nicht sein, dass im 21. Jahrhundert ein Weiterbildungsprogramm nur für kinderbetreuende Frauen aufgestellt wird. Die 50-Stundenwoche ist überdies in allen Spitälern und Institutionen eine gesetzliche Verpflichtung, ob diese nun A oder einer anderen Weiterbildungskategorie angehören.

Aus eigener Erfahrung ist mir bekannt, dass Kinder eine spezielle Herausforderung während der ärztlichen Weiterbildung darstellen, aber sie sind v.a. auch eine Bereicherung. In der Studie der Jungen Hausärzte 2019 Assessing the mental wellbeing of next generation general practitioners: a cross-sectional surveykonnten Lindemann F. et al. zeigen, dass Ärztinnen und Ärzte mit Kindern in der Weiterbildung weniger oft an Burn-out erkranken.

Die Möglichkeit, die Weiterbildung teilweise in einem reduzierten Arbeitspensum zu leisten, lässt für junge Kolleginnen und Kollegen mehr Zeit für beides - Weiterbildung im Beruf und Familienleben.

Ein Career-Mentoring von Kaderärztinnen und –ärzten im Spital oder Praxis kann junge Kolleginnen und Kollegen während der gesamten Weiterbildung unterstützen.

Mit freundlichen Grüssen

Regula Capaul, Co-Präsidentin der SGAIM und Hausärztin

 

Referenz

BJGP Open 2019; 3 (4): bjgpopen19X101671. DOI: https://doi.org/10.3399/bjgpopen19X101671

Dr. med. Regula Capaul

Co-Präsidentin der SGAIM und Hausärztin

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