access_time veröffentlicht 24.02.2021

Replik 1: "Grippeimpfung: Kritische Beurteilung und praktische Empfehlungen"

Prof. Dr. med. Philip Tarr

Replik

Replik 1: "Grippeimpfung: Kritische Beurteilung und praktische Empfehlungen"

24.02.2021

Replik zum Leserbrief von Matthias Koller "Grippeimpfung: Kritische Beurteilung und praktische Empfehlungen"

Das Thema ist komplex. Auch wir wollen von einer “Eintrichterung” wegkommen und mit dem Artikel den Hausärzt*innen eine ausgewogene Beurteilung der Datenlage ermöglichen: Sie sollen sich nach der Lektüre des Artikels ihre eigene, nuancierte Meinung bilden können. Eine neutrale Beurteilung war bisher nicht einfach zu kriegen. Ihre Ratlosigkeit ist daher erst mal positiv zu werten! 

Wir haben im Autor*innen-Team diskutiert entschieden, dass es wichtig ist, dass wir eine Empfehlung abgeben. Unser Ziel ist eben nicht, die Grippeimpfung zu “demontieren” (ich habe mich auch im November 2020 grippe-impfen lassen, gleich wie die letzten 25 Jahre schon), sondern: die Hausärzt*innen sollen aufgrund der im Artikel präsentierten positiven und negativen Aspekte selber entscheiden können – am besten unter Berücksichtigung des shared decision making, also dem Einbezug der Patient*in. Das kam bei der bisherigen Impfkommunikation zu kurz. Die einen Ärzt*innen werden nach Lektüre des Artikels entscheiden zu impfen. Andere Ärzt*innen werden wie die Cochrane Expert*innen entscheiden, dass die Datenlage für die Grippeimpfung bei Personen >65 schwach ist. Was für uns und die US Expert*innengruppe (https://www.cidrap.umn.edu/compelling-need-game-changing-influenza-vaccines) klar geworden ist: Impfbegeisterung behindert den Fortschritt und für stigmatisierende Massnahmen wie Buttons (“ich bin geimpft”) oder Maskenpflicht nur für Ungeimpfte ist die Grippeimpfung nicht geeignet.

Prof. Dr. med. Philip Tarr

Co-Chefarzt Medizinische Universitätsklinik
Leiter Infektiologie und Spitalhygiene
Kantonsspital Baselland
Universität Basel
CH- 4101 Bruderholz

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